Spielsalon und neues Jugendzentrum unter
einem Dach Getrübte Vorfreude
Wertingen (bäs/hek). In die Vorfreude auf das neue Wertinger
Jugendzentrum, das derzeit im Keller der ehemaligen Molkerei
entsteht, ist ein Wermutstropfen gefallen: Im gleichen Gebäude soll
eine Spielothek einziehen. Während Bürgermeister Dietrich
Riesebeck hier keine Interessenskollission erkennen kann, sieht
Sozialpädagoge Robert Keiß, der das Jugendzentrum fachlich
betreut, die Gefahr eines schlechten Einflusses.
"Natürlich ist es nicht erfreulich, dass in dem Haus auch ein Spielsalon
einzieht. Der Stadtrat und ich wünschen dies nicht und forcieren diese Dinge
auch nicht", erklärt der Bürgermeister zu dem Thema. Doch die Stadt könne
Spielotheken rein rechtlich nicht verhindern, da sie laut Verordnung in
Mischgebieten zulässig seien. Und das Areal rund um das einstige
Molkereigebäude, das von einem Bauträger erworben wurde und umgebaut
wird, sei ein Mischgebiet.
Getrennte Eingänge
Er habe mit dem Hausherrn dem Bauträger ausgiebig verhandelt und
wesentliche Verbesserungen erreicht, berichtet der Bürgermeister. So sei
der ursprünglich gemeinsame Eingang nun getrennt worden "es darf keinen
gemeinsamen Eingang von Spielothek und Jugendzentrum geben", sagt
Riesebeck. Beide Eingänge liegen zwar auf derselben Seite des Gebäudes,
seien jedoch getrennt. Zur Spielothek gehe man in den ersten Stock hinauf,
zum Jugendtreff hinunter in den Kellerbereich. Der Bürgermeister erinnert
auch daran, dass Spielhallen im Sinne des Jugendschutzgesetzes bestimmten
Auflagen unterliegen: Sie dürfen nur von über 18-Jährigen besucht werden
und es darf dort kein Alkohol ausgeschenkt werden. Eine Spielhalle in
Nachbarschaft des Jugendzentrums sei zwar nicht erstrebenswert, doch
könne man Jugendliche nicht generell vor Einflüssen schützen, so Riesbeck
weiter zum Thema.
Sozialpädagoge Robert Keiß sieht in der Nachbarschaft zwischen
Jugendzentrum und Spielothek allerdings "ein Dilemma". Keiß, Angestellter
der katholischen Waisenhausstiftung in Augsburg, betreut das
Jugendzentrum im Auftrag der Stadt stundenweise und erklärt:
"Jugendarbeit kann man in so einer Umgebung nicht durchführen."
Schwellenängste
Im neuen "Juze" sollten auch jüngere Jugendliche zwölf- bis 14-Jährige
Zugang finden, so das pädagogische Konzept von Keiß. Für diese könnten
nun durch das ältere Publikum der Spielothek Schwellenängste entstehen.
Auch bestehe die Gefahr, dass sich die Spielhallen-Besucher mit billigen
Juze-Getränken versorgen, befürchtet der Sozialpädagoge eine ständige
Vermischung von Juze- und Spielhallen-Publikum. Geplant sei auch, dass
die Jugendlichen ihren Betrieb selbst verwalten, also kein Jugendpfleger
während der Öffnnungszeit ständig anwesend ist. "Kann man die
Jugendlichen unter diesen Umständen noch alleine lassen?" fragt sich Keiß
nun.
Auch die Jugendlichen selbst, die mit finanzieller Unterstützung der Stadt die
Räume in ihrer Freizeit renoviert haben, befänden sich in einem Dilemma.
Einerseits hätten sie sich schöne Räume geschaffen, die sie nicht mehr
hergeben wollten, andererseits befürchten sie Schwierigkeiten wegen der
Spielhalle. "Die Besucher der Spielothek werden nicht zu den
Jugendtreff-Besuchern passen", glaubt Franz Klingler, zweiter Vorsitzender
des Jugendtreffs.
"Alles hatte so gut angefangen", berichtet erste Vorsitzende Ulrike Laux.
Nachdem die Zustände im alten Jugendtreff am Alten Turnplatz unerträglich
geworden waren, hatte sich die Stadt um neue Räume bemüht . Im
Gebäude der ehemaligen Molkerei in der Augsburger Straße fand sich die
Lösung. Die frühere Besitzerin des Gebäudes, "Cema", bot die Kellerräume
zum Mieten an.
Stadtrat packte mit an
"In dem Keller sah es damals verheerend aus, es gab schimmelige Wände
und eine einzige, schlecht funktionierende Toilette", erinnert sich Franz
Klingler. Fast täglich schuftete daraufhin ein Stamm von etwa 15 Leuten
alle im Alter von 14 bis 20 Jahren bei der Renovierung. Auch ein
Stadtratsmitglied stellte sich zur Verfügung: Markus Ehm, gelernter
Schreiner, packte überall mit an. Elektroinstallation, Fließen, Toiletten- und
Heizkörpermontage, Kücheneinrichtung sowie Wand- und Deckenarbeiten
meisterten die Jugendlichen in vielen ehrenamtlichen Stunden.
Die Stadt ließ Wände einziehen und bezahlte die Materialkosten in Höhe
von bisher 80 000 Mark. Eine kleine Küche mit Durchreiche sowie eine
Theke mit Barhocker und eine moderne Deckenbeleuchtung sind der ganze
Stolz der Jugendlichen. Durch die Spielothek sei die Vorfreude auf die
Juze-Eröffnungsparty am 18. März nun allerdings getrübt, bedauern Laux
und Klingler.