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Auf der Suche nach dem großen Glück
Medium: Saarbrücker Zeitung
Datum: 18. 10. 2001
"Das Spiel beschäftigt einen ununterbrochen" - Wenn der Spielautomat zur Sucht wird: Betroffene erzählen

- Von GERD MEISER -

"In einer Stunde sind da schnell 96 Mark weg, wenn du das Spiel laufen lässt. Doch meistens spielst du an mehreren Automaten, da kommen dann schnell 300 Mark und mehr zusammen. Zurück kommen etwa zwanzig bis dreißig Prozent an kleineren Gewinnen, vielleicht ist mal eine größere Serie dabei." Der 45-jährige Landschafts- und Gartengestalter aus dem Raum Saarbrücken kennt sich aus im Automatenspiel. Auch der 49-jährige Kaufmann weiß, wie viele "Pausen" man spielt, wie viele Einsätze man wagt, wie die Automaten beschaffen sind, zu welcher Kategorie sie gehören, was sie auswerfen. Das alles ist eine Wissenschaft für sich, die zur Sucht führen und Menschen zerstören kann.

Fachkenntnisse im Automatenspiel haben auch der 34-jährige Heizungsbauer und der 43-Jährige, der in einem Unternehmen "der Finanzdienstleistungen arbeitet". Sie sind Experten im Glücksspiel und könnten so manche gute Tipps geben, auf was alles beim Automatenspiel zu achten ist. Inzwischen geben sie nur einen Tipp: "Lasst die Finger von den Automaten, wenn ihr euch nicht im Griff habt!" Sie sind Mitglieder einer Therapiegruppe der Psychosozialen Beratungs- und Behandlungsstelle und Fachambulanz für Suchtkranke des Caritasverbandes für Saarbrücken und des Diakonischen Werkes an der Saar. Sie haben ihr Herz in beide Hände genommen und wollen, teils aus eigenem Antrieb, teils auf Betreiben des Ehepartners, von der Sucht weg.

Der "Grüne" unter den Gesprächsteilnehmern spielte vornehmlich an den Automaten in normalen Kneipen, da er auch alkoholabhängig war. Die anderen bevorzugten das Ambiente der Spielotheken. Der Finanzexperte ist allerdings "nicht nur durch die Atmosphäre in den Spielotheken zum Spiel verleitet worden" . Ihm ging es auch um die erhöhten Gewinnchancen. In den Spielotheken spielten die Automaten "ohne Begrenzer", also mit mehr "Sonderspielen" als in den Kneipenautomaten.

Dem Finanzdienstleister wurde die Einsamkeit zum Verhängnis. "Ich spielte schon immer gern an Geldspielautomaten, doch dann kam hinzu, dass ich in meiner Branche oft etwas Zeit habe, mit der ich nichts anzufangen wusste. Da vertrödelte ich die Zeit in der Spielothek". Wenn er allein in fremden Städten war, weg von der Familie, war es schlimmer: "Da ging ich zu den Automaten, gewann, verlor, wollte das Verlorene wieder zurückgewinnen und war bald süchtig." Der Heizungsbauer kam zur Sucht, weil er beim Glücksspiel "seinen Frust, seinen Stress am Arbeitsplatz, abbauen konnte". Der Kaufmann hingegen war von jungen Jahren an ein Spielertyp, "vom Mensch-ärgere-dich-nicht angefangen". Dann geriet er an die Automaten, obwohl er "sich früher aus solch einem Kasten nie etwas gemacht hat". Er macht eine Pause und sagt dann: "Zunächst habe ich mal was gewonnen und dann habe ich verwonnen!". Er habe nämlich irgendwann angefangen, Schulden zu machen. "Das wurde dann eine Geschichte ohne Ende!" Der Gartengestalter war über die Alkoholabhängigkeit zum Spiel gekommen. "Anfangs spielte ich nur der Gesellschaft wegen. Doch durch meinen Alkoholkonsum verlor ich die Kontrolle über das Spiel. Ich bin an die Automaten geraten und verfiel diesen. Der Alkohol hat mich aus der Bahn geworfen. Ich verbuchte nur noch Verluste!"

Als er eines Tages krank wurde, hörte der 45-Jährige die Alarmglocken läuten. "Da war höchste Eisenbahn" sagte er sich und ging in die "Spielergruppe" in der Karcherstraße. Auch der Kaufmann fasste eines Tages den Entschluss: "So kann es nicht weitergehen!" "Ich hatte mir nur noch Gedanken gemacht, wie ich an den Autoamten zu Geld kommen kann. Da habe ich bald das Arbeiten sein lassen, Schulden gemacht und mich nur noch mit dem Spiel beschäftigt. Ich habe nachts nicht mehr geschlafen und war gestresst", berichtet er. Heute ist der Kaufmann zu "tausend Prozent" davon überzeugt, dass man von seiner Sucht wegkommen kann, wenn der Partner mitzieht. Der 43-Jährige, der in der Finanzdienstleistung tätig ist, fand durch seine Ehefrau zur Beratungsstelle. Und auch dem Heizungsbauer hat die Ehefrau "die Pistole auf die Brust gesetzt".

"Es ist unheimlich schwer", sagt der Kaufmann auf die Frage, ob man leichter von dieser Sucht loskommt als von anderen. Heute könne er zwar an Spielotheken vorbeifahren, doch das Risiko, sie zu betreten, wolle er nicht eingehen.

Informationen: Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle, Karcherstraße 13, 66111 Saarbrücken, Tel. (0681) 379983-0,Tel. (0681) 379983- 2.

(Lesen Sie morgen: Was Psychologen und Therapeuten zum Thema Spielsucht sagen)


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