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Neue Wettkulturen machen sich breit
Medium: Fuldaer Zeitung
Datum: 06. 03. 2000
Von unserem Redaktionsmitglied Sascha Behnsen

Fulda/Schlüchtern Mit der Einführung der aus England stammenden Sportwette Oddset durch die staatliche Lottogesellschaft hat sich hier zu Lande die Wettkultur gewaltig verändert. Das Interesse der Zocker an traditionellen Wettformen wie Elferwette und „6 aus 45“ ist rückläufig. Feste Quoten und fester Gewinn machen den Reiz aus.

In sieben Bundesländern startete im vergangenen Jahr die Sportwette Oddset, die sich aus den Wörtern „odd“ (Quote) und „set“ (gesetzt) zusammensetzt. Der Umsatz belief sich auf rund 317 Millionen Mark. Seit diesem Jahr sind – bis auf Brandenburg – alle Länder beteiligt. Allein in Hessen werden wöchentlich mehr als 160000 Oddset-Wettscheine im Wert von rund 2,4 Millionen Mark abgegeben. Die Tendenz ist steigend. Wofür es eine einfach Erklärung gibt: Im Toto spielt der Wetter gegen alle anderen Mitspieler und muss den Gewinn mit ihnen teilen. Bei festen Quoten – der Zahl gewordenen Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses – kann sich der Spieler Gewinn und Risiko indes vorher ausrechnen. Bei der Oddset-Wette können die Mitspieler jede Woche aus dem Angebot von 90 Sportereignissen – die Palette reicht von Fußball, Handball und Eishockey bis hin zu neuerdings Formel 1 – den Ausgang (nicht das Ergebnis!) von mindestens drei und maximal zehn Begegnungen tippen. Der Wetter gewinnt, wenn er alle Spiele, die er ausgewählt hat, richtig vorhergesagt hat. Der Gewinn wird errechnet, indem man die Quoten mit dem Wetteinsatz multipliziert. Der beträgt bei Oddset mindestens fünf, und maximal 1000 Mark. Der Höchstgewinn ist auf 100000 Mark festgesetzt. Die Toto-Lotto-Gesellschaften treten mit der neuen Sportwette nicht nur in Konkurrenz zu ihren eigenen herkömmlichen Wettformen – in Bayern sanken die Umsätze für Elferwette und „6 aus 45“ um 20 Prozent –, sondern vor allem zu den privaten Anbietern im In- und Ausland. Das Angebot der Privaten ist größer, umfasst mehr Sportarten und Ligen sowie eine individuellere Bandbreite an Wettmöglichkeiten. Anders als bei Oddset können zum Beispiel einzelne Spiele getippt werden, Ergebniswetten sind ebenso möglich wie die Doppelwette, bei der auf Halbzeit– und Endresultat gesetzt wird.

Ein Vergleich lohnt sich Dass die verschiedenen Anbieter ein- und dasselbe Ereignis längst nicht gleich bewerten, zeigt ein Blick auf die Quoten für die jüngsten Spiele der Fußball-Champions League mit deutscher Beteiligung. Während Oddset für das Spiel Real Madrid gegen Bayern München bei Heimsieg 1,90, bei Unentschieden 2,65 und Auswärtssieg 2,90 anbot, warteten die österreichischen Alpenland-Wetten mit 2,1/2,9/2,7 auf, Sportwetten Gera mit 2,2/3,0/2,65 und Sportwetten Wien West mit 1,9/2,9/3,00. Wer auf Heimsieg oder Unentschieden setzte, war in diesem Fall also bei den Privaten besser aufgehoben, wer an den 4:2-Sieg der Münchener Bayern glaubte, erhielt zumeist bei Oddset die bessere Quote. Wie stark die Quoten differieren können, belegt das Spiel Hertha BSC gegen Sparta Prag. Oddset und Gera boten stolze 4,85 beziehungsweise 4,7 für einen Auswärtssieg, Wien West gerade mal 3,7. Bei Heimsieg und Unentschieden indes waren die Quoten der Privaten wieder durchweg besser als die von Oddset. Oddset-Wetter geben den Tippschein bei den Lotto-Toto-Annahmestellen ab und müssen bis eine Stunde vor Spielbeginn ihren Einsatz gemacht haben. Die Privaten sind derweil größtenteils täglich rund um die Uhr erreichbar und nehmen Wetten bis eine Minute vor Beginn der Veranstaltung an. Einsätze können – wie bei Sportwetten Gera – postalisch, telefonisch, per Fax oder Internet abgegeben werden, wobei letzteres das bevorzugte Medium der Zocker ist. Mindesteinsätze fordert nicht jeder, dafür ist der Höchstgewinn – bei Gera sind es 20000 Mark – häufig deutlich niedriger angesetzt als bei Oddset. Wer mit den privaten Buchmachern wettet, muss ein Konto beim Veranstalter einrichten, auf das Gewinne überwiesen werden. Auch die Auszahlung per monatlichem Verrechnungsscheck ist möglich. Das Wettfieber hat freilich nicht nur die Spieler erfasst, auch die Medien machen sich den Boom zu Nutze. Im Deutschen Sport-Fernsehen (DSF) zum Beispiel wird die donnerstägliche Sendung „Mittendrin, statt nur dabei“ mittlerweile von Oddset präsentiert, Zuschauer können mit Experten um die Wette tippen. Als Dienstleister versteht sich die Frankfurter „Medienagentur Sportwetten“, die einen besonderen Service für die Sportleser von Tageszeitungen anbietet. Nicht der Spielausgang wird anhand aktuellster Informationen vorhergesagt, sondern es wird in einer fundierten Analyse beleuchtet, ob die Quoten den zu erwartenden Ergebnissen gerecht werden. Damit lässt sich für Jedermann entscheiden, ob sich ein bestimmtes Risiko lohnt oder nicht.

[FZ]


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