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In Italien geht der Virus Videopoker um
Medium: Badische Zeitung
Datum: 06.03.2000
Therapie für Spielsüchtige

Von unserem Korrespondenten Bernhard Hülsebusch

ROM. Eine Krankheit geht um im Stiefelstaat: die Spielsucht. Fast eine Million Italiener, so schätzen Psychiater, leiden unter der Pathologie des Glücksspiels. Anders gesagt, sie sind dem Spielteufel verfallen. Die modernste, natürlich elektronische, teuflische Versuchung heißt Videopoker. Immer mehr Bürger werden vom ,,Virus Videopoker“ angesteckt. Sie verspielen viel Geld, mitunter gar Haus und Hof.

Ettore B., ein junger Kaufmann aus Palermo, hat bei Pferdewetten und Videopoker in den vergangenen Jahren Riesensummen verplempert. Das Geld luchste er seinem reichen Vater ab. ,,Inzwischen begriff ich: Das ist nicht mehr bloß ein kleines Laster, sondern eine schlimme Krankheit“, sagt er. Der römische Buchhalter Andrea B., der im Lauf der Zeit rund eine Million Mark verspielte und vom Pokern nicht loskam, trug sich bereits mit Selbstmordgedanken: „Ich hab’ ja schon viele so enden sehen.“

Immerhin, jetzt sind Ettore und Andrea auf dem Weg der Gesundung. Zusammen mit über 100 anderen Spielsüchtigen werden sie in einem medizinisch-psychologischen Zentrum in Bozen kuriert, das der Arzt Cesare Guerreschi leitet. Dieser ,,Professore“, der sich früher mit Alkoholikern befasste, ist ein Pionier auf dem Gebiet „Behandlung von Spielpathologie“. Nach dem Alarmruf von Experten wegen der Poker-Epidemie rückt seine Tätigkeit nun erstmals ins Blickfeld der breiten Öffentlichkeit. Seine Methode? Hauptsächlich Gruppentherapie. Zunächst bei einer dreitägigen „full immersion“ der Patienten und sodann bei einer ganztägigen Sitzung alle zwei Wochen.

Angeblich bringt die Kur in 80 Prozent der Fälle einen Heilerfolg. Inzwischen wird der Spielteufel sogar Roms Politikern unheimlich: Die Regierung will Videopoker-Geräte verbieten.


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