Schwefer steht seit gestern vor Gericht
Arnsberg. Über 1,4 Millionen Mark Steuern soll
der frühere CDU-Landtagsabgeordnete Theo Schwefer nicht
gezahlt haben. Deshalb steht er seit gestern vor dem
Arnsberger Landgericht. Vor dem Hintergrund der
CDU-Spendenaffäre und der "West LB"-Flugaffäre sorgte das
Verfahren gegen den Pensionär für landesweites
Medieninteresse.
Flankiert von Rechtsanwalt Birkenstock auf der einen und
Steuerberater Bornheim auf der anderen Seite betrat Dr. Theo
Schwefer gestern Morgen das Landgericht. Die Vorwürfe
gegen ihn sind massiv: In den Jahren 1993 bis 1997 soll er
grob unrichtige Angaben über seine Einnahmen aus
Kapitalvermögen gemacht haben. Mit Hilfe eines
Anlageberaters der Düsseldorfer Westdeutschen Landesbank
(West LB) sollen insgesamt 2,2 Millionen Mark von
deutschen auf schweizerische Konten transferiert worden
sein. Unter dem Pseudonym "Dompfaff" habe Schwefer diese
Gelder vor dem Zugriff der deutschen Finanz- ämter versteckt.
Schwefer, der in Hüsten im Dompfaffenweg wohnt, soll so
insgesamt knapp 1,5 Millionen Mark Steuern nicht gezahlt
haben, trug der Düsseldorfer Staatsanwalt Michael Schwarz
gestern in der Verlesung der Anklageschrift vor.
Schwefer selbst schwieg zu den Vorwürfen. Gestern trug er
nur seinen Lebenslauf vor. Aus einem Schreiben der Anwälte
an das Landgericht wird jedoch klar, wie Schwefer zu der
Anklage steht. Danach handele es sich bei den
Millionenbeträgen, die er in die Schweiz schaffte, gar nicht
um sein Geld. Die in der Schweiz angelegten Gelder würden
dem Schwiegervater von Schwefer gehören - einem
vermögenden Holländer. Schwefer habe die Gelder
treuhänderisch verwaltet. Da die Gelder einem ausländischen
Staatsbürger gehören, falle dafür auch in Deutschland keine
Steuerschuld an. Dafür wollen die Anwälte Belege anführen.
Schönheitsfehler bei einem zentralen Schreiben, in dem der
mittlerweile verstorbene Schwiegervater dies bestätigt: Es
wurde erst nach Aufnahme der Ermittlungen angefertigt.
Im September 1996 war das Verfahren gegen Schwefer ins
Rollen gekommen. Bei Hausdurchsuchungen fand man nicht
nur Akten - man stieß auch auf einen Hausherrn, der sich
höchst verdächtig benahm: Als die Steuerfahndung das Haus
am Dompfaffenweg durchsuchte, erwischte sie Schwefer
dabei, wie er nach Ansicht der Steuerfahnder eine Quittung
zerriss und in die Toilette warf.
Vor fast fünfzig Jahren hatte im Arnsberger Landgericht die
Karriere des heute 70-Jährigen begonnen - als Referendar der
Justiz hatte er dort seinen ersten Job. Danach zeigte die
Laufbahn steil nach oben: Geschäftsführer des
Arbeitgeberverbandes, Landtagsabgeordneter der CDU, viele
Jahre Vorsitzender des wichtigen Ausschusses für Haushalt-
und Finanzen, fünf Jahre stellvertretender Vorsitzender der
CDU-Landtagsfraktion. 1985 verlor Schwefer spektakulär sein
Arnsberger Direktmandat gegen den SPD-Politiker
Westermann. Ganz so schlimm war das aber nicht: Bereits
im Jahr zuvor war ihm der Job des Lotto-Chefs angetragen
worden. Zehn Jahre - bis 1994 - saß er dort an der Spitze.
Bis zur Anklageerhebung war Schwefer auch im
WDR-Verwaltungsrat.
Von Heinz Krischer