Von Oliver Schmidt
Bad Homburg. Die Gewerbesteuer war auch im vergangenen Jahr wieder die größte Einnahmequelle für die Stadt Bad Homburg. Mit 53,3 Millionen Euro (104,3 Millionen Mark) wurde allerdings ein leichter Rückgang gegenüber 2000 verzeichnet. Stadtkämmerin Dr. Ursula Jungherr (CDU) sieht darin zwar keinerlei Grund zur Beunruhigung („2000 war ohnehin ein besonders gutes Jahr“), mahnt aber dennoch zu etwas mehr Bescheidenheit. Grund sind die Gewerbesteuer-Rückzahlungen, die im ersten Quartal 2002 getätigt werden mussten und die die bisherigen Einnahmen in diesem Bereich sogar leicht übersteigen. „Außerplanmäßige Ausgaben sind zurzeit nicht zu verantworten“, betonte Jungherr am Dienstag bei einer Pressekonferenz. Den Magistratsmitgliedern hatte sie dies bereits am Montagabend mitgeteilt, „und auch alle Stadtverordneten sollten das wissen“, so Jungherr.
Der Vollzug des Haushaltes und somit die „großen Investitionsvorhaben der Stadt“ sind nach den Worten der Kämmerin jedoch nicht gefährdet. Schließlich wurde 2001 so behutsam gewirtschaftet, dass Rücklagen gebildet werden konnten und lediglich zwei kleinere Kredite neu aufgenommen werden mussten. Insgesamt wurden die Verbindlichkeiten der Stadt weiter abgebaut, so dass die Pro-Kopf-Verschuldung in Bad Homburg auf 156 Euro (305 Mark) gesunken ist. 2000 lag diese noch bei 169 Euro (330 Mark).
Jungherr bezweifelt aber, dass dieser „außergewöhnlich günstige“ Wert auch 2002 gehalten werden kann. „Kritischer Punkt des Haushalts“ bleibe nun einmal die Gewerbesteuer. „Wir müssen ihre Entwicklung genau beobachten“, kündigte die Kämmerin an, „und dann je nachdem entscheiden, welche zusätzlichen Investitionen machbar sind.“
Doch zum Glück hat die Kurstadt ja noch eine weitere, sehr wichtige Einnahmequelle: die Spielbank. Zwar gingen auch hier die Zahlen in 2001 gegenüber 2000 leicht zurück, doch mit 10,7 Millionen Euro (20,9 Millionen Mark) hat dieser Posten nach wie vor einen Anteil von fast zehn Prozent an den Einnahmen des Verwaltungshaushaltes. Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Aufschlüsselung der Umsätze, die beim „großen Spiel“ wie Roulette gemacht werden, sowie derer beim „kleinen“ Automatenspiel.
Der bundesweite Trend, wonach sich das „kleine Spiel“ einer stetig wachsenden Beliebtheit erfreut, konnte in Bad Homburg ebenfalls beobachtet werden – und es soll ihm insofern auch Rechnung getragen werden, dass der Automatenbereich vergrößert werden soll. „Noch vor der Sommerpause wird es Entscheidungen zur Casino-Erweiterung geben“, bestätigte Oberbürgermeister Reinhard Wolters (CDU). Eine Ausweitung des „kleinen Spiels“ („Wir wollen diese Wachstumsfahrt mitmachen!“) werde aber keinesfalls auf Kosten des „großen Spiels“ geschehen: „Zum Charakter Bad Homburgs gehört einfach das große Spiel“, erklärte Wolters. Deshalb solle es auch künftig gepflegt werden.