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Beichtvater der Glücksspieler
Medium: Märkische Allgemeine
Datum: 12. 04. 2002
Michael Müller ist Casino-Chef Selbst das Angebot, sein Erbe ausgezahlt zu bekommen, hielt ihn nicht davon ab, Karriere als Croupier zu machen. Michael Müller wurde von seiner Mutter bekniet, dass er als Sohn aus gutem Hause doch etwas Vernünftiges machen sollte. Genutzt hat es nichts - seit März ist Müller spieltechnischer Direktor der Potsdamer Spielbank Joker's Garden.

Dabei war es die Mutter selbst, die ihn auf Grund einer Zeitungsanzeige auf die Idee brachte, sich bei der Aachener Spielbank zu bewerben. Denn im Metzgerhaushalt der Müllers in Geilenkirchen (Nordrhein-Westfalen) lagen 1987 die Nerven blank. Michael Müller hatte gerade sein Studium der katholischen Theologie in Bonn geschmissen und wohnte wieder zu Hause.

300 Bewerber gab es für zwei Stellen als Page in der Spielbank. In der Endrunde setzte sich der damals 21-Jährige gegen "35 Männer im Armani-Anzug" durch, erzählt er heute. Nach einem halben Jahr drohte schon das Aus, als er zum Croupier ausgebildet werden sollte. "Ich habe mir fast die Finger gebrochen und mein Chef wollte mich rausschmeißen", sagt Müller. Er handelte eine Gnadenfrist von einer Woche aus und war wieder im Spiel - erfolgreich.

Es folgten berufliche Stationen in Dortmund, Berlin, Dänemark und wieder in Berlin. Dann holte ihn Anfang des Jahres der bisherige Chef von Joker's Garden, Volker Zeitvogel, als Ausbilder in das neue Casino nach Potsdam. Dass Müller schnell die Gelegenheit bekommen sollte, Zeitvogel, der ins Casino nach Konstanz wechselte, zu beerben - damit hatte er nicht gerechnet.

"Das gedämpfte Gemurmel, das leise Auflachen ist etwas Besonderes", schwärmt der Spielbank-Chef. Anfangs stellte er sich schon die Frage, ob er seinen Job auch moralisch vertreten kann. "Die Leute sind erwachsen", sagt er heute dazu. Ein Croupier ist ein Vertrauter und Beichtvater der Spieler, findet Müller. So ist aus dem verhinderten Priester zumindest ein Glücksbote geworden. etz


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