Bodensee-Casinos fürchten die Auswirkungen
des neuen Schweizer Spielbanken-Gesetzes
Schnappen die Schweizer den
Bodensee-Casinos die Spieler weg? Konstanz
und Bregenz jedenfalls befürchten sinkende
Umsätze.
Theresia Huber
Weil beim Mini-Roulette in den Schweizer Kursälen
auch nur Mini-Beträge zu gewinnen sind, zieht es bis
heute viele einheimische Spielfreudige ins grenznahe
Ausland. Baden-Baden, Konstanz oder Bregenz
bieten Glücksspiele und Nervenkitzel in Hülle und
Fülle.
Mit dem revidierten Spielbanken-Gesetz soll sich das
ändern. Sobald die Konzessionen erteilt sind, kann
auch in der Schweiz vom Roulette-Tisch über Black
Jack und Baccara bis hin zu Spielautomaten um hohe
Beträge gespielt werden.
Wichtige Kunden
In der Ostschweiz beteiligen sich neun Orte am
Wettrennen um eine Bewilligung. In Aussicht gestellt
sind der Region zwei bis drei Casinos, darunter
maximal eine A-Konzession. Hinter allen Bemühungen
steckt dieselbe Idee: Der weitere Abfluss von
Millionenbeträgen in die grenznahen Casinos
Konstanz und Bregenz soll verhindert werden. In
Konstanz sind 60 Prozent aller Casino-Besucher
Schweizer. In Bregenz machen sie 60 Prozent aller
ausländischen Gäste aus. In beiden Häusern werden
50 Prozent der Umsätze durch Spieler und
Spielerinnen aus dem Ausland erzielt. Der Konstanzer
Spielbanken-Chef Carsten Weihe macht keinen Hehl
daraus, dass er Umsatzrückgänge befürchtet: «Wir
erwarten, dass es eine Abwanderung geben wird.
Eine neue Spielbank in der Schweiz wird mit
Sicherheit ausprobiert werden.» Weihe weiter: «Wir
hoffen aber, dass viele Gäste weiterhin die Anonymität
des Auslands bevorzugen.» Hinter den Kulissen ist
man auf verschiedenen Wegen um
Schadensbegrenzung bemüht. Das Casino Konstanz
setzt dabei verstärkt auf moderne und schnellere
Spiele. Gäste sollen demnach im Stehen und auch
ohne Croupiers Einsätze tätigen können. In Bregenz
hofft man mit Spezialitäten wie «Bring your friend»,
«Vignette-Roulette» oder schlicht dem
«österreichischen Schmäh» die Schweizer bei der
Stange halten zu können.
Profitabel auch für Städte
Viel versprechender sind aber wohl andere
Anstrengungen. Laut Carsten Weihe sind die
Spielbanken Baden-Baden und Konstanz an der
Schweizer Gesellschaft Grand Casino SA beteiligt,
die sich um Konzessionen für die Standorte Zürich und
Basel bemüht. Ähnlich ging auch die österreichische
Spielbankenvereinigung Casino Austria vor. Wie
profitabel das Glücksspiel-Geschäft ist, zeigen die
jüngsten Bilanzen. Die Konstanzer Spielbank
erwirtschaftete 1998 einen Umsatz von 30 Millionen
Franken - das Bregenzer Casino brachte es im
vergangenen Jahr auf rund 38 Millionen Franken. Ein
Engagement in der Schweiz wird da für Deutsche und
Österreicher geradezu zur Pflicht. Berechnungen für
eine Spielbank in Zürich gehen von 1000 Spielern pro
Tag aus. Der Kampf um die Schweizer
Casino-Konzessionen wird auch von den Städten
Konstanz und Bregenz interessiert verfolgt. Beiden
Kommunen stehen so genannte
Spielbanken-Abgaben zu. So flossen 1998 rund 4,8
Millionen Franken in die Konstanzer Stadtkasse.
Bregenz erhielt in den vergangenen Jahren
durchschnittlich 2,6 Millionen Franken. Bleiben die
zahlungskräftigen Schweizer Casino-Kunden künftig
aus, bedeutet das für manches Projekt in den beiden
Bodenseestädten womöglich ziemlich schnell: «Rien
ne va plus.»