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"Rien ne va plus" in Bregenz und Konstanz?
Medium: Tagblatt
Datum: 27. 03. 2000
Bodensee-Casinos fürchten die Auswirkungen des neuen Schweizer Spielbanken-Gesetzes

Schnappen die Schweizer den Bodensee-Casinos die Spieler weg? Konstanz und Bregenz jedenfalls befürchten sinkende Umsätze.

Theresia Huber

Weil beim Mini-Roulette in den Schweizer Kursälen auch nur Mini-Beträge zu gewinnen sind, zieht es bis heute viele einheimische Spielfreudige ins grenznahe Ausland. Baden-Baden, Konstanz oder Bregenz bieten Glücksspiele und Nervenkitzel in Hülle und Fülle. Mit dem revidierten Spielbanken-Gesetz soll sich das ändern. Sobald die Konzessionen erteilt sind, kann auch in der Schweiz vom Roulette-Tisch über Black Jack und Baccara bis hin zu Spielautomaten um hohe Beträge gespielt werden.

Wichtige Kunden

In der Ostschweiz beteiligen sich neun Orte am Wettrennen um eine Bewilligung. In Aussicht gestellt sind der Region zwei bis drei Casinos, darunter maximal eine A-Konzession. Hinter allen Bemühungen steckt dieselbe Idee: Der weitere Abfluss von Millionenbeträgen in die grenznahen Casinos Konstanz und Bregenz soll verhindert werden. In Konstanz sind 60 Prozent aller Casino-Besucher Schweizer. In Bregenz machen sie 60 Prozent aller ausländischen Gäste aus. In beiden Häusern werden 50 Prozent der Umsätze durch Spieler und Spielerinnen aus dem Ausland erzielt. Der Konstanzer Spielbanken-Chef Carsten Weihe macht keinen Hehl daraus, dass er Umsatzrückgänge befürchtet: «Wir erwarten, dass es eine Abwanderung geben wird. Eine neue Spielbank in der Schweiz wird mit Sicherheit ausprobiert werden.» Weihe weiter: «Wir hoffen aber, dass viele Gäste weiterhin die Anonymität des Auslands bevorzugen.» Hinter den Kulissen ist man auf verschiedenen Wegen um Schadensbegrenzung bemüht. Das Casino Konstanz setzt dabei verstärkt auf moderne und schnellere Spiele. Gäste sollen demnach im Stehen und auch ohne Croupiers Einsätze tätigen können. In Bregenz hofft man mit Spezialitäten wie «Bring your friend», «Vignette-Roulette» oder schlicht dem «österreichischen Schmäh» die Schweizer bei der Stange halten zu können.

Profitabel auch für Städte

Viel versprechender sind aber wohl andere Anstrengungen. Laut Carsten Weihe sind die Spielbanken Baden-Baden und Konstanz an der Schweizer Gesellschaft Grand Casino SA beteiligt, die sich um Konzessionen für die Standorte Zürich und Basel bemüht. Ähnlich ging auch die österreichische Spielbankenvereinigung Casino Austria vor. Wie profitabel das Glücksspiel-Geschäft ist, zeigen die jüngsten Bilanzen. Die Konstanzer Spielbank erwirtschaftete 1998 einen Umsatz von 30 Millionen Franken - das Bregenzer Casino brachte es im vergangenen Jahr auf rund 38 Millionen Franken. Ein Engagement in der Schweiz wird da für Deutsche und Österreicher geradezu zur Pflicht. Berechnungen für eine Spielbank in Zürich gehen von 1000 Spielern pro Tag aus. Der Kampf um die Schweizer Casino-Konzessionen wird auch von den Städten Konstanz und Bregenz interessiert verfolgt. Beiden Kommunen stehen so genannte Spielbanken-Abgaben zu. So flossen 1998 rund 4,8 Millionen Franken in die Konstanzer Stadtkasse. Bregenz erhielt in den vergangenen Jahren durchschnittlich 2,6 Millionen Franken. Bleiben die zahlungskräftigen Schweizer Casino-Kunden künftig aus, bedeutet das für manches Projekt in den beiden Bodenseestädten womöglich ziemlich schnell: «Rien ne va plus.»


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