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Casino-Betriebsrat appelliert an Land
Medium: Südkurier
Datum: 30. 04. 2002
Furcht vor Schweizer Konkurrenz - Langes Konzessionsverfahren

Der Betriebsrat der Spielbank sorgt sich um den Fortbestand von 170 Arbeitsplätzen. Er fordert eine rasche Entscheidung im Konzessionsverfahren und umgehende Investitionen. Andernfalls laufe die Schweizer Konkurrenz Konstanz im Sommer den Rang ab. Konstanz - Der Betriebsrat der 170 Angestellten der Spielbank appelliert an das Land Baden-Württemberg, die Entscheidung über den neuen Konzessionär möglichst rasch zu fällen. "In drei Monaten eröffnen die neuen Schweizer Spielbanken in Schaffhausen, Pfäffikon und kurz darauf auch in St. Gallen", stellt der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Michael Glowka fest. Solange jedoch über die Zukunft der hiesigen Spielbank nicht entschieden sei, werde hier vom Alt-Betreiber auch nichts mehr investiert. Vielmehr müsse man mit dem weiteren Abbau des derzeitigen Standards rechnen. Auch machten bereits Gerüchte über einen anstehenden Personalabbau die Runde, beklagt der Vorsitzende Martin Bachmeier. Bisheriger Casino-Betreiber ist die private Spielbank GmbH in Baden-Baden, der neben der Familie von Richthofen die Stadt Baden-Baden, die landeseigene Bäder- und Kurverwaltung und weitere private Gesellschafter angehören. Neben dieser Gesellschaft bewirbt sich auch die landeseigene Spielbank Stuttgart GmbH um die Konstanzer Konzession. Deren Geschäftsführer ist der frühere Konstanzer Casinodirektor Peter Wolf. Andere Interessenten sind wegen der enorm hohen Anforderungen an Wirtschaftlichkeit und Bonität abgesprungen und haben keine Bewerbungen abgegeben. Die Ausschreibung endete am 11. März. Der Konstanzer Betriebsrat fürchtet, ohne rasche Konzessionsentscheidung werde die hiesige Spielbank gegenüber der bald startenden Schweizer Konkurrenz hoffnungslos ins Hintertreffen geraten. Deshalb fordern die beiden Vorsitzenden das Land auf, ab sofort nur noch 80 statt bisher 90 Prozent des Bruttospielertrags abzuschöpfen und die verbleibenden 10 Prozent in das Konstanzer Haus zu investieren. Ein Marketingkonzept sei nötig und die Angebotspalette samt hoher Serviceleistung müsse erhalten werden. Die Konstanzer Spielbank besteht seit 51 Jahren. Jährlich besuchen rund 150000 Gäste das Haus, das im Schnitt 20 Millionen Euro einspielt. Die Stadt Konstanz erhält sechs Millionen Euro Spielbankenabgabe. Deshalb appelliert der Betriebsrat auch an den Gemeinderat, Druck auf Stuttgart auszuüben. Der bisherige Konzessionsinhaber gilt als aussichtsreichster Kandidat. Dass er oder das Land vor dem Ausgang des Bewerbungsverfahrens in einigen Monaten in Konstanz investieren, erscheint fraglich, zumal seit Ablauf der bisherigen Konzession die Rechtsgrundlage des Konstanzer Betriebs umstritten ist.


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