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Der "Bookie" gewinnt meistens
Medium: DER STANDARD
Datum: 27. 03. 2000
Das Internet beflügelt die Buchmacher-Geschäfte an der Börse und verschärft das Match der Anbieter

STANDARD-Mitarbeiter Nikolaus Dolenz

Wettbüros haben mit der Börse mehr gemein, als man annehmen möchte. Man sucht Werte - oder Wetten - aus, investiert, sichert sich ab, redet meist nur von Gewinnen, nicht so gern von Verlusten. Kämpft von einem Verfallstermin zum nächsten. Oder von einem Match zum nächsten. Der Unterschied liegt in der Frist.

Längerfristig - sagt der Index - gewinnt man an der Börse. Dauerhafter Gewinn bei Sportwetten gelang nur ganz wenigen, eher sagenhaften Profi-Zockern. Denn längerfristig steht fast immer der Buchmacher auf der Gewinnerseite.

Das hat sich auch bei Investoren herumgesprochen. Renommierte Sportwetten-Anbieter wie Ladbroke sind schon seit längerer Zeit an der Börse. Und machen recht gute Gewinne.

Mit BETandWIN ist jetzt auch Österreich dabei. Der besondere Appeal: Das Internet schafft gerade im Wett-Geschäft völlig neue Möglichkeiten. Wenige Mausklicks genügen, um die besten Quoten in Erfahrung und den Einsatz an den Bookie zu bringen. Die Kombination Netz - Handy via WAP-Technologie könnte sich dabei für die Wett-Anbieter als wahre Goldgrube erweisen.

Weitere Alternative: Interaktives TV. Fachleute erwarten eine sprunghafte Zunahme der elektronischen Glücksspiel-Umsätze. Allein für Sportwetten soll der Umsatz bis 2004 um 300 Prozent gesteigert werden. (siehe Grafik)

Solche Aspekte haben die Börsenfantasie bei Buchmacher-Aktien mit Internet-Touch mächtig beflügelt. Dazu zählen die deutsche Fluxx.com, die englischen Aktien Hilton Group und Sports Internet, die amerikanische YouBet. Aber Vorsicht: Bei einigen dieser Aktien ist der Gewinn-Horizont noch relativ weit entfernt. Fluxx.com (WKN 576350), seit September 1999 am Neuen Markt, betreibt die deutsche Internet-Glücksspiel-Plattform JAXX (elektronisches Lotto-Spiel) und hat kürzlich den Internet-Buchmacher Interjockey übernommen. Das Management bestätigt für 1999 ein Umsatzwachstum von 130 Prozent, doch der Jahresverlust wird nur knapp unter dem Umsatz von 17 Mio. DM liegen. Mit Gewinnen rechnen die Analysten frühestens 2002. Börsenbewertung derzeit rund 400 Mio Euro. Da sind die Zahlen der Hilton Group (HG.L), zu der Englands grösste Buchmacher-Firma Ladbroke gehört, schon handfester. Gewinn 1999 305 Mio Pfund (16,85 Pence pro Aktie). 40 Prozent davon stammen aus dem Buchmachergeschäft, das im Vorjahr gar nicht so glänzend wie früher lief. Mit den Chancen auf ein rasch wachsendes Internet-Geschäft, in das Ladbroke mit starkem finanziellen Bachground einsteigt, kletterte der Aktienkurs von 170 p Anfang Jänner auf zuletzt etwa 275 p. Damit bewertet die Börse Hilton mit rund vier Mrd. Pfund, dem 15-fachen erwarteten Gewinn 2001. Etwas verflogen ist die Euphorie beim US-Wettanbieter YouBet (Nasdaq: UBET). Vom Höchstkurs 24 $ im Juni 1999 ist die Aktie mit derzeit vier $ weit entfernt. Grund: Der Aufbau des Kundenstocks ist kostenintensiv. Die Gewinnschwelle soll 2001 erreicht werden. Wenn nicht die Konkurrenz der Offshore-Bookies, die sich im Internet tummeln wie die Fische in der Karibik, der regulierten US-Firma das Geschäft abgräbt. Das ist das Problem der Internet-Wett-Anbieter:

Die Konkurrenz wächst rasant. Und die Überschaubarkeit des Marktes - gerade bei Sportwetten - verschärft die Konkurrenz und drückt damit auf die Gewinnspannen.


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