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Süchtig auf das große Glück im Spiel
Medium: Neue Westfälische
Datum: 28. 03. 2000
300 bis 600 Menschen im Kreis Paderborn betroffen / Vernetztes Beratungsangebot geplant

VON WOLFGANG STÜKEN

Paderborn. Es ist wie ein Zwang. Jeder Fünfer, jede Mark muss hinein in den Automaten. Trügerische Hoffnung auf eine große Glückssträhne. Oft bleibt es nicht bei der letzten Mark aus der eigenen Geldbörse.

Der Spieler verschuldet sich, um mit geliehenem Geld das Glück regelrecht zu erzwingen. Doch das Pech bleibt ihm zumeist treu - die Jagd nach einem Ausgleich der mittlerweile aufgetürmten Verluste erfolglos. Ein Teufelskreis beginnt. Private Beziehungen können zerbrechen, der Arbeitsplatz verloren gehen. Die Gefahr, in die Kriminalität abzugleiten und sich durch ein "krummes Ding" neues Geld für die immer hungrigen Automaten zu beschaffen, ist nicht gering. 300 bis 600 Bürger im Kreisgebiet, so schätzt Friedhelm Hake, Leiter der Suchtkrankenhilfe der Caritas Paderborn, sind "pathologische Glücksspieler".

Sie gehören keiner besonderen sozialen Schicht an. "Von oben bis unten", so Hake, "ist alles vertreten". Eine typisch männliche Problematik allerdings: nach wissenschaftlichen Untersuchungen sind 92 Prozent der patholischen Glücksspieler Männer, und unter ihnen dominieren die 25- bis 30-Jährigen.

Nicht selten haben sie Schuldenberge von 30.000 oder 40.000 Mark aufgetümt. Geld, das bis auf die letzte Mark in Spielautomaten gewandert ist. Manche, die so mit Riesenschritten auf ihren finanziellen Ruin zusteuern, finden den Weg zur Schuldnerberatung. Sie kann zwar Wege aus der finanziellen Krise aufzeigen - doch besteht die Gefahr, dass der Spielsüchtige, sobald sich eine Lösung für seine finanziellen Nöte abzeichnet, erneut der magnetischen Anziehungskraft der Automaten unterliegt.

Auf krankhafte Spielsucht passen die Beratungs- und Behandlungskonzepte der Schuldnerberatung kaum. Und die Suchtberatungsstelle der Caritas im Ükern? Eine gute Adresse für Menschen, die alkohol- oder medikamentenabhängig sind. Bei patholischen Glücksspielern müssen auch hier die Berater bislang passen. Sie schicken Hilfeschende nach Herford und Bielefeld. Dort gibt es spezielle Beratungsangebote für "Problemspieler". Doch Bielefeld und Herford winken bei Hilfeersuchen aus dem Kreis Paderborn inzwischen ab: Die dortigen Kapazitäten sind erschöpft.

Auch Selbsthilfegruppe soll angeboten werden

In dieser Situation wurde jetzt für Paderborn eine neue Idee geboren. Friedhelm Hake: "Wir wollen für diese Zielgruppe von Hilfesuchenden die Arbeit von Suchtkrankenhilfe und Schulderberatung vernetzen." Die Suchtkrankenhilfe des Caritasverbandes, die Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes und die Schulderberatung der Caritas haben für patholische Glücksspieler ein gemeinsames Konzept erarbeitet und wollen als Kooperationspartner tätig werden. Gibt der Kreis als Zuschussgeber das erhoffte "grünes Licht" und den erhofften Zuschuss, soll in der Suchtkrankenhilfe möglicht ab 2001 für patholische Glücksspieler die Stelle eines Sozialarbeiters oder Sozialpädagogen mit suchttherapeutischer Zusatzausbildung eingerichtet werden. Schuldenproblematik und der Suchtproblematik sollen nach einem zwischen Schuldner- und Suchtberatung abgestimmten Beratungs- und Behandlungsplan angegangen werden. Zum Angebot vor Ort sollen angeleitete Gruppenarbeit, aber auch eine Selbsthilfegruppe gehören.

Wo eine Therapie erforderlich ist, wird diese vermittelt. Angehörige sollen einbezogen werden. Nicht selten sind sie es, die einen patholischen Glücksspieler dazu bewegen, endlich eine Beratungsstelle aufzusuchen.

Im Teufelskreis Glücksspiel droht derweil ein neues Tempo. Friedhelm Hake: "Die Hersteller arbeiten an einer neuen Automatengeneration mit schnelleren Taktfolgen. Wer heute in kurzer Zeit 100 Mark verspielt, wird künftig in der gleichen Zeit 180 Mark verspielen können."


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