Die fetten Jahre sind vorbei
Hohe Fluktuation durch Zeitverträge
Bad Oeynhausen (sch). Die fetten Jahre sind vorbei. Heute fährt kein Croupier mehr mit dem Porsche vor. Statt dessen starten Anfänger mit einem Monatsgehalt von 1.040 Euro, von dem auch noch die Sozialbeiträge abgehen. Schuld sind die Spieler im Casino, die den Trinkgeld-Topf, aus dem die Croupiers bezahlt werden, nicht mehr so reichlich füllen wie früher. Schuld sind aus Sicht der Angestellten aber auch die Arbeitgeber, die nur noch auf zwei Jahre befristete Arbeitsverträge vergeben, ihre Angestellten dadurch in niedrigen Einkommensklassen halten und für einen sehr schnellen Wechsel der der Mitarbeiter sorgen.
"Das Casino in Bad Oeynhausen steht exemplarisch für diese Entwicklung", versichert Sylvia Wallenstein, Betriebsratsvorsitzende. Deshalb haben sich in Bad Oeynhausen gestern Betriebsräte aus der ganzen Republik getroffen, um einen Bundesarbeitskreis Spielbanken zu gründen.
Riesengroß ist die Fluktuation in Bad Oeynhausen. Von 135 Mitarbeitern, die das Casino zurzeit zählt, sind 109 erst nach dem Umzug vom Kurhaus in den Werre-Park vor drei Jahren dazu gestoßen.
"Diese hohe Wechselquote geht auf die Qualität", fürchtet Klaus Maywald, Vorsitzender des Bundesfachgruppenausschusses Spielbanken in der Gewerkschaft ver.di. Und dieser Verlust werde über kurz oder lang den Gästen auffallen, glaubt Maywald.
Nicht nur diese Tendenz macht den Gewerkschaftern Sorge, sondern der Stellenabbau insgesamt. Selbst für nur oberflächlich ausgebildete Croupiers wird die Arbeit knapp.
Denn nicht nur in Bad Oeynhausen wird das klassische Spiel mit Roulette und Black Jack zurückgedrängt. Angesagt ist American Roulette, das im Stehen und mit weit weniger Personal gespielt wird.
Mehr Automaten, weniger Mitarbeiter
Auch für die Automaten, die immer stärker im Kommen sind, braucht man kein Personal. Während es im Casino im Kurhaus nur rund 90 Automaten gab, klingeln im Werre-Park inzwischen rund 140 Geräte. Und sie klingeln vor allem für die Westspiel-Gruppe. "Die neuen Automaten sind so gesteuert, dass man in wesentlich kürzerer Zeit als früher wesentlich mehr Geld verzocken kann", erklärt Bernhard Stracke von der Gewerkschaft ver.di.
Schon deshalb werde sich der Trend – mehr Automaten, weniger Mitarbeiter – fortsetzen. Kein Wunder, dass für die Gewerkschafter nicht die Rückkehr der Porsches auf der Tagesordnung steht. Sondern der Anstieg des Mindestgehalts und die Sicherung von Arbeitsplätzen durch langfristige Verträge.
Bezahlung im Casino
Die Angestellten im Casino werden im wesentlichen aus dem Tronc bezahlt, in den die Spieler am Tisch ihr Trinkgeld werfen. Zurzeit landen in Bad Oeynhausen pro Tag im Schnitt rund 8.000 Euro in diesem Tronc, der Bad Oeynhausener Tronc fließt ein in einen NRW-weiten Topf.
Ausgezahlt wird an die Mitarbeiter nach einem Punktesystem, die Punkte werden vergeben nach Zugehörigkeit zum Betrieb und nach Aufgaben. Die höchste Punktzahl bekommen die Croupiers am Roulette-Tisch.
Früher reichte das Geld im Tronc, um die Mitarbeiter reich zu machen. Heute ist so wenig drin, dass auch in Bad Oeynhausen nur noch ein Mindestgehalt bezahlt wird, das pro Punkt 130 Euro ausmacht. Und da die Trinkgelder inzwischen nicht mal mehr reichen, das Mindestgehalt zu sichern, müssen die Arbeitgeber aus ihrem Gewinn noch zuschießen.
Hauptverdiener im Casino ist der Staat, der bis zu 93 Prozent dessen kassiert, was am Tisch erspielt wird. Wenigstens diese Summe kann sich sehen lassen. Das Bruttospielergebnis in allen Casinos der Republik lag im vergangenen Jahr bei 1,2 Milliarden Mark.
Bild: Gehalt als Glücksspiel: Sylvia Wallenstein,Klaus Maywald und Bernhard Stracke setzen sich für die Mitarbeiter der Casinos ein. FOTO: STEINERT