Eine neue Spielwiese für Zocker
Für 50 Millionen Mark entstand in Feuchtwangen ein
hochmoderner Tempel
des staatlich kontrollierten Glücksspiels Die
Spielbank wird heute eröffnet
FEUCHTWANGEN. Sie sind wie Lizenzen zum Geld
drucken. Und als der Freistaat vor ein paar Jahren den Bau
neuer Spielbanken beschloss, konnte er sich vor Bewerbungen
von Kommunen kaum noch retten. Von den 42 Kandidaten
können sich freilich nur vier auf Geldsegen aus der
Spielbankkasse freuen. In zwei der vier neuen Casinos in
Bad Füssing und Kötzting rollt die Roulette-Kugel bereits.
Als vorletztes Glied in der Casino-Kette kommt heute die
Spielbank in Feuchtwangen (Kreis Ansbach) hinzu.
Unweit eines Autobahnkreuzes entstand für 50 Millionen Mark
ein hochmoderner Tempel des staatlich kontrollierten
Glücksspiels. Vervollständigen soll das bayerische
Spielbank-Netz im Frühjahr 2001 das Casino im
oberfränkischen Bad Steben. Für die Staatliche
Lotterieverwaltung, die alle Spielbanken in Bayern betreibt, ist
Feuchtwangen nach den Worten ihres Präsidenten Erwin
Horak ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zu einem
ausreichenden und ausgewogenen Angebot an Spielbanken.
Spätestens im nächsten Jahr wird jeder Regierungsbezirk im
Freistaat über mindes tens eine Spielbank verfügen eine pro
eine Million Einwohner.
Vor allem die Aufbesserung der Glücksspiel-Einnahmen stand
Mitte der 90er Jahre bei der Entscheidung der Staatsregierung
über den Ausbau des Spielbanknetzes Pate. Die Rechnung
scheint aufzugehen: Nach der Eröffnung des sechsten Casinos
im niederbayerischen Bad Füssing erreichte der
Bruttospielertrag im Vorjahr eine neue Rekordhöhe von 154
Millionen Mark. Das Casino im oberpfälzischen Kötzting soll
jährlich weitere 7,5 Millionen Mark einspielen.
In ganz anderen Dimensionen rechnen indes die Betreiber der
neuen Spielbank in Feuchtwangen. Die Lotterieverwaltung
erwartet schon im ersten Jahr ihres Betriebs einen
Bruttospielertrag von rund 35 Millionen Mark. Feuchtwangen
würde damit hinter den Einnahme-Spitzenreitern Bad Wiessee
(52 Millionen Mark) und Garmisch-Partenkirchen (39 Millionen
Mark) rangieren.
Aber nicht nur für den Freistaat, auch für die Stadt
Feuchtwangen ist die neue Spielbank ein lukratives Geschäft.
In den ersten fünf Jahren fallen für sie zehn, danach fünfzehn
Prozent des Bruttospielertrags ab plus Miete. Dafür musste
sie aber wie in solchen Fällen üblich die Baukosten von
rund 50 Millionen Mark übernehmen. Der Freistaat selbst
steuerte samt Zuschüssen und den Kosten für die
Innenausstattung rund 30 Millionen Mark bei.
Dafür verspricht der Neubau nach Angaben von Horak
Glücksspiel-Spaß vom Feinsten. Die Besucher erwarten
inmitten modernem High-Tech- Ambiente sechs französische,
sechs amerikanische, drei Black-Jack- und einen Pokertisch.
Ihr Glück herausfordern können Spielwütige außerdem an 160
Spielautomaten. An vier von ihnen wird regelmäßig der so
genannte Bayern-Jackpot ausgespielt.
Dass die neue Spielbank schon bestehenden bayerischen
Casinos Glücksspieler abspenstig machen könnte, fürchtet
Horak allenfalls in der Anfangsphase. Jeder wird sein Casino
finden, unterstreicht der Lotterieverwaltungs-Chef. Dafür
sorge allein schon die Lage.