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Bayern läßt künftig in neun Spielbanken die Roulette-Kugel rollen
Medium: Nürnberger Zeitung
Datum: 31. 03.2000
Eine neue Spielwiese für Zocker Für 50 Millionen Mark entstand in Feuchtwangen ein hochmoderner Tempel des staatlich kontrollierten Glücksspiels – Die Spielbank wird heute eröffnet

FEUCHTWANGEN. – Sie sind wie Lizenzen zum Geld drucken. Und als der Freistaat vor ein paar Jahren den Bau neuer Spielbanken beschloss, konnte er sich vor Bewerbungen von Kommunen kaum noch retten. Von den 42 Kandidaten können sich freilich nur vier auf Geldsegen aus der Spielbankkasse freuen. In zwei der vier neuen Casinos – in Bad Füssing und Kötzting – rollt die Roulette-Kugel bereits. Als vorletztes Glied in der Casino-Kette kommt heute die Spielbank in Feuchtwangen (Kreis Ansbach) hinzu.

Unweit eines Autobahnkreuzes entstand für 50 Millionen Mark ein hochmoderner Tempel des staatlich kontrollierten Glücksspiels. Vervollständigen soll das bayerische Spielbank-Netz im Frühjahr 2001 das Casino im oberfränkischen Bad Steben. Für die Staatliche Lotterieverwaltung, die alle Spielbanken in Bayern betreibt, ist Feuchtwangen nach den Worten ihres Präsidenten Erwin Horak ein wichtiges Etappenziel auf dem Weg zu einem „ausreichenden und ausgewogenen Angebot“ an Spielbanken. Spätestens im nächsten Jahr wird jeder Regierungsbezirk im Freistaat über mindes tens eine Spielbank verfügen – eine pro eine Million Einwohner.

Vor allem die Aufbesserung der Glücksspiel-Einnahmen stand Mitte der 90er Jahre bei der Entscheidung der Staatsregierung über den Ausbau des Spielbanknetzes Pate. Die Rechnung scheint aufzugehen: Nach der Eröffnung des sechsten Casinos im niederbayerischen Bad Füssing erreichte der Bruttospielertrag im Vorjahr eine neue Rekordhöhe von 154 Millionen Mark. Das Casino im oberpfälzischen Kötzting soll jährlich weitere 7,5 Millionen Mark einspielen.

In ganz anderen Dimensionen rechnen indes die Betreiber der neuen Spielbank in Feuchtwangen. Die Lotterieverwaltung erwartet schon im ersten Jahr ihres Betriebs einen Bruttospielertrag von rund 35 Millionen Mark. Feuchtwangen würde damit hinter den Einnahme-Spitzenreitern Bad Wiessee (52 Millionen Mark) und Garmisch-Partenkirchen (39 Millionen Mark) rangieren.

Aber nicht nur für den Freistaat, auch für die Stadt Feuchtwangen ist die neue Spielbank ein lukratives Geschäft. In den ersten fünf Jahren fallen für sie zehn, danach fünfzehn Prozent des Bruttospielertrags ab – plus Miete. Dafür musste sie aber – wie in solchen Fällen üblich – die Baukosten von rund 50 Millionen Mark übernehmen. Der Freistaat selbst steuerte samt Zuschüssen und den Kosten für die Innenausstattung rund 30 Millionen Mark bei.

Dafür verspricht der Neubau nach Angaben von Horak Glücksspiel-Spaß vom Feinsten. Die Besucher erwarten inmitten modernem High-Tech- Ambiente sechs französische, sechs amerikanische, drei Black-Jack- und einen Pokertisch. Ihr Glück herausfordern können Spielwütige außerdem an 160 Spielautomaten. An vier von ihnen wird regelmäßig der so genannte Bayern-Jackpot ausgespielt.

Dass die neue Spielbank schon bestehenden bayerischen Casinos Glücksspieler abspenstig machen könnte, fürchtet Horak allenfalls in der Anfangsphase. „Jeder wird sein Casino finden“, unterstreicht der Lotterieverwaltungs-Chef. Dafür sorge allein schon die Lage.


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