Glücksspielkonzern erwartet einen Boom beim Verkauf von
Casino-Maschinen
STANDARD-Redakteur Leo Szemeliker aus Lima
Der niederösterreichische Glücksspielkonzern Novomatic erwartet in den kommenden
Jahren einen Boom im Verkauf von Casino-Maschinen in Südamerika. "Eine Liberalisierung
der Glücksspielgesetze zeichnet sich ab, Vorbild sind die USA", sagte
Novomatic-Holding-Chef Johannes Hahn dem STANDARD. Dies bedeutet: "In Südamerika
entstehen so genannte lizenzierte Märkte, für die man sich qualifizieren muss." Die
einarmigen Banditen müssten dabei den Qualitätskriterien internationaler
Automatenlaboratorien entsprechen.
Hoffnungsmarkt Peru
"Alleine Peru hat für uns ein größeres Marktpotenzial als Österreich", sagt Rudolf Binder,
der Chef der peruanischen Novomatic-Tochter Admiral. Im nächsten Jahr will er bis zu 800
Stück einer neuen Automatengeneration verkaufen, das wäre ein Viertel des
Gesamtmarktes. So soll ein Umsatz von mindestens fünf Mio. US-Dollar (67,5 Mio. S)
lukriert werden. Zum Vergleich: In Österreich machte der Konzern 1999 inklusive dem
Sportwettengeschäft 1,4 Mrd. S Umsatz. Darin enthalten sind aber nur 170 in der
Preisklasse vergleichbare Geräte, die den Casinos Austria verkauft wurden.
Südamerika sei für Novomatic der wichtigste Markt nach Westeuropa, weil es quasi ein
reiner Casinomarkt ist. Das heißt, nachgefragt werden nur die teureren Casinogeräte mit
prinzipiell nach oben offenen Einsätzen. Ein kleines Glücksspiel wie in vielen
österreichischen Kaffeehäusern, mit staatlich reglementierten Einsatz- und
Auszahlungslimits gibt es in Südamerika praktisch nicht. Insgesamt kommt der
Novomatic-Konzern auf 3,32 Mrd. S Umsatz, zehn Prozent der Auslandsumsätze
stammen aus lateinamerikanischen Märkten. In Peru ist Novomatic bei den "einarmigen
Banditen" derzeit Marktführer. Die Kapitale Lima ist Hauptquartier für die Aktivitäten in
Südamerika.
Große Erwartungen setzt Binder auch auf Chile, wo man mit den staatlichen Casinos in
Verhandlungen steht. Weiters hofft Novomatic/Admiral auf eine Marktöffnung durch die
neue Regierung in Argentinien. Auch in Uruguay, einem traditionellen Spielermarkt, werden
jährlich insgesamt über 800 neue Maschinen gebraucht. "Die große Unbekannte" sei
Brasilien, "dort wird seit fünfzig Jahren davon gesprochen, dass in den nächsten sechs
Monaten Casinos erlaubt werden." Binder hofft, dass das Argument Steuereinnahmen die
Gouverneure der Provinzen Druck auf Brasilia ausüben lassen wird. Aus Kolumbien hat
sich Admiral hingegen wieder zurückgezogen und die dort betriebenen Casinos und
Spielhallen an eine lokale Gruppe verkauft - obwohl Kolumbien das Land mit den meisten
Automaten ist. "Aus politischen Gründen", sagt Binder.
"Wir müssen noch unsere Hausaufgaben bewältigen", heißt es indes zum geplanten
Börsegang der Novomatic-Tochter Admiral Sportwetten. Einen Zeitpunkt des Going Public
will Hahn noch keinen festlegen, auch der Börseplatz - London, Wien oder Frankfurt - sei
noch offen.