Flippern fürs Finanzamt -
Zustimmung bei allen Fraktionen für
PDS-Vorschlag
Ulrich Zawatka-Gerlach
Die Vergnügungssteuer soll verdoppelt
werden. Alle vier Fraktionen im
Abgeordnetenhaus und Finanzsenator Peter
Kurth (CDU) neigen dazu, einem
entsprechenden Vorschlag der PDS
zuzustimmen. Die Steuererhöhung, die im
Haushaltssanierungs-Gesetz festgeschrieben
werden soll, beträfe Spielhallen- und
Kneipenbesitzer. Denn die Abgabe wird auf
jede Art von Spielautomaten erhoben - vom
einarmigen Banditen bis zum Flipper.
Wenn der PDS-Antrag am Mittwoch vom
Hauptausschuss unverändert übernommen
wird, muss für Automaten in Spielhallen "und
ähnlichen Unternehmen" künftig 600 Mark
monatlich (mit Gewinnmöglichkeit)
beziehungsweise 300 Mark (ohne
Gewinnmöglichkeit) gezahlt werden.
Spielautomaten "an den übrigen Orten",
hauptsächlich sind Gaststätten gemeint,
müssen 100 beziehungsweise 50 Mark
bezahlen. Die noch geltenden Steuersätze sind
halb so hoch. Die neuen Steuerbeträge
entsprächen dem, was in Hamburg an
Vergnügungssteuer gezahlt werde, sagte
gestern der PDS-Fraktionschef und
Haushaltsexperte Harald Wolf.
Eine Vergnügungssteuer auf Spielautomaten
wird in Berlin seit 1989 erhoben. 1994 wurde
der Steuersatz für so genannte
"Killerautomaten" von 200 auf 600 Mark
monatlich erhöht. Nicht aus finanz-, sondern
vorwiegend aus ordnungspolitischen Gründen.
Man wollte die Gewalt-Videospiele aus der
Welt schaffen. Damals klatschte der Berliner
Automaten-Verband Beifall. Auch dieses Mal
geht es wohl nicht nur um zusätzliche
Steuereinnahmen. Seit zehn Jahren fließen aus
der Vergnügungssteuer lediglich 17 bis 18
Millionen Mark pro Jahr in die Landeskasse. Im
Verhältnis zum Gesamthaushalt (41,2
Milliarden Mark) eher ein symbolischer Betrag.
Vielleicht steht nicht nur Hamburg, sondern
auch Strausberg Pate für das Vorhaben der
Berliner Haushälter. Dort begründete die
Stadtverwaltung die Verdoppelung der
Vergnügungssteuer ab Januar 2000
ausdrücklich mit dem Ziel, der Verbreitung von
Spielautomaten entgegen zu wirken. Die
geplante Steuererhöhung wird auch von der
CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus
unterstützt, bestätigte deren
haushaltspolitischer Sprecher, Alexander
Kaczmarek. Finanzsenator Kurth wurde vom
Hauptausschuss am Freitag beauftragt,
kurzfristig einen Vorschlag zur Änderung des
Vergnügungssteuer-Gesetzes zu erarbeiten.
Die Finanzverwaltung stehe dieser Initiative
"grundsätzlich positiv" gegenüber, sagte
gestern Pressesprecher Klaus Dittko. Die
Steuererhöhung könnte am 13. April vom
Parlament beschlossen werden und
anschließend in Kraft treten.