Auseinandersetzung um Spielhalle in Post-Passage - Betreiber schließt
rechtliche Schritte nicht aus
Von Bernd Bexte (Text) und Oliver Schwarze (Foto)
Herford (HK). »Hier wird versucht, mit Unterstützung der Politik ein ganz
legales Unternehmen mit immerhin sechs Vollzeitarbeitsplätzen bewusst in
den Konkurs zu treiben«, erbost sich Mike Sewing. Der Bielefelder betreibt
mit Geschäftspartner Stephan Schuster jeweils eine Spielhalle in Bielefeld,
Bad Salzuflen - und an der Mönchstraße das umstrittene »Manhattan-Spielhaus«
(Post-Passage), gegen das sich ein Aktionsbündnis mit Vertretern aus Politik,
Kirchen, Sozialberatung und Jugendarbeit zusammengeschlossen hat.
Die Mitglieder sehen in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Tott an der
Waisenhausstraße eine Gefährdung der Jugendzentrum-Besucher (das HK
berichtete). »Wenn ich gewusst hätte, was auf uns zukommt, dann hätte ich
an diesem Standort nie einen Handschlag getan«, sagt Sewing.
Der Bauausschuss hatte im Mai vergangenen Jahres die Genehmigung für
eine Spielhalle an diesem Standort erteilt. »Und wenn damals jemand Bedenken
gehabt hätte, warum ist dann niemand auf uns zu gekommen. Wir hätten dann
von diesem Standort Abstand genommen.« Stattdessen werde versucht, über
die Öffentlichkeit Druck auszuüben. Sewing sei bereit, den Standort Mönchstraße
aufzugeben, »wenn die Stadt uns unsere Investitionskosten erstattet«. Aber
die belaufen sich nach seinen Angaben immerhin auf 1 Million Mark. Bis jetzt
hätten er und sein Geschäftspartner sich bedeckt gehalten, doch bei Fortdauer
der massiven Kampagne behalte er sich rechtliche Schritte vor. »Denn was
hier geschieht, ist grob geschäftsschädigend. Dabei sind wir ein ganz legales
Unternehmen, das der Stadt jeden Monat allein 18 000 Mark an Vergnügungssteuer
einbringt.« Mittlerweile verzeichne er spürbare Umsatzrückgänge. 200 Kunden
pro Tag seien das Soll, zur Zeit kämen nur 50 bis 70.
Dem Aktionsbündnis gegen die Spielhalle ist besonders der Eingang direkt
dem ToTT an der Waisenhausstraße gegenüber ein Dorn im Auge. »Aber wenn
man ehrlich ist, würde eine Verlegung dieses Eingangs doch auch nichts
bringen. Wer in die Spielhalle will, kommt dann halt durch die Post-Passage
oder über die Mönchstraße herein«, erklärt Sewing. Außerdem werde die
Spielhalle »auf unseren Wunsch« regelmäßig von der Polizei wegen
Alterskontrollen besucht. Eine Videoüberwachung zeichne das Geschehen
auf und konserviere es 48 Stunden«.
Die Mitglieder des Aktionsbündnisses führen dagegen ins Feld, dass sie immer
davon ausgegangen seien, dass in dem Ladenlokal ein Gastronomie-Betrieb
entstehen würde. Sie streben zumindest die Schließung des Hintereingangs
zum Jugendzentrum ToTT an, wie sie gestern betonten.
Das HERFORDER KREISBLATT hatte am 21. Mai gemeldet, dass der
Bauausschuss die Spielhalle genehmigt habe, trotz Bedenken der Ausschuss-
mitglieder. Gegen diese Nutzung im Innenstadtbereich gebe es keine
rechtliche Handhabe.