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Hier soll ein Betrieb in den Ruin getrieben werden
Medium: Westfalen-Blatt / Herforder Zeitung
Datum: 30. 03. 2000
Auseinandersetzung um Spielhalle in Post-Passage - Betreiber schließt rechtliche Schritte nicht aus

Von Bernd Bexte (Text) und Oliver Schwarze (Foto)

Herford (HK). »Hier wird versucht, mit Unterstützung der Politik ein ganz legales Unternehmen mit immerhin sechs Vollzeitarbeitsplätzen bewusst in den Konkurs zu treiben«, erbost sich Mike Sewing. Der Bielefelder betreibt mit Geschäftspartner Stephan Schuster jeweils eine Spielhalle in Bielefeld, Bad Salzuflen - und an der Mönchstraße das umstrittene »Manhattan-Spielhaus« (Post-Passage), gegen das sich ein Aktionsbündnis mit Vertretern aus Politik, Kirchen, Sozialberatung und Jugendarbeit zusammengeschlossen hat. Die Mitglieder sehen in der unmittelbaren Nachbarschaft zum Tott an der Waisenhausstraße eine Gefährdung der Jugendzentrum-Besucher (das HK berichtete). »Wenn ich gewusst hätte, was auf uns zukommt, dann hätte ich an diesem Standort nie einen Handschlag getan«, sagt Sewing.

Der Bauausschuss hatte im Mai vergangenen Jahres die Genehmigung für eine Spielhalle an diesem Standort erteilt. »Und wenn damals jemand Bedenken gehabt hätte, warum ist dann niemand auf uns zu gekommen. Wir hätten dann von diesem Standort Abstand genommen.« Stattdessen werde versucht, über die Öffentlichkeit Druck auszuüben. Sewing sei bereit, den Standort Mönchstraße aufzugeben, »wenn die Stadt uns unsere Investitionskosten erstattet«. Aber die belaufen sich nach seinen Angaben immerhin auf 1 Million Mark. Bis jetzt hätten er und sein Geschäftspartner sich bedeckt gehalten, doch bei Fortdauer der massiven Kampagne behalte er sich rechtliche Schritte vor. »Denn was hier geschieht, ist grob geschäftsschädigend. Dabei sind wir ein ganz legales Unternehmen, das der Stadt jeden Monat allein 18 000 Mark an Vergnügungssteuer einbringt.« Mittlerweile verzeichne er spürbare Umsatzrückgänge. 200 Kunden pro Tag seien das Soll, zur Zeit kämen nur 50 bis 70. Dem Aktionsbündnis gegen die Spielhalle ist besonders der Eingang direkt dem ToTT an der Waisenhausstraße gegenüber ein Dorn im Auge. »Aber wenn man ehrlich ist, würde eine Verlegung dieses Eingangs doch auch nichts bringen. Wer in die Spielhalle will, kommt dann halt durch die Post-Passage oder über die Mönchstraße herein«, erklärt Sewing. Außerdem werde die Spielhalle »auf unseren Wunsch« regelmäßig von der Polizei wegen Alterskontrollen besucht. Eine Videoüberwachung zeichne das Geschehen auf und konserviere es 48 Stunden«. Die Mitglieder des Aktionsbündnisses führen dagegen ins Feld, dass sie immer davon ausgegangen seien, dass in dem Ladenlokal ein Gastronomie-Betrieb entstehen würde. Sie streben zumindest die Schließung des Hintereingangs zum Jugendzentrum ToTT an, wie sie gestern betonten. Das HERFORDER KREISBLATT hatte am 21. Mai gemeldet, dass der Bauausschuss die Spielhalle genehmigt habe, trotz Bedenken der Ausschuss- mitglieder. Gegen diese Nutzung im Innenstadtbereich gebe es keine rechtliche Handhabe.


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