Seit dem Auszug des Casinos liegen die
Räume im Kurhaus brach / Und die Zukunft ist
ungewiss
VON PETER STEINERT
Bad Oeynhausen. Grün ist die
Farbe der Hoffnung. Grün ist die
Farbe der 1980 eröffneten
Spielbank Bad Oeynhausen. Lila
und Pink stehen für das
Aachener Haus, das 1974 als
erstes nordrhein-westfälisches
Casino in Betrieb ging. Beige
prägt Hohensyburg, wo die
Spieler seit 1985 Einlass finden.
Im Bremer Casino, das (seit
1975) ebenfalls durch die
Westdeutsche
Spielbanken-Gesellschaft geführt wird, ist Braun
angesagt. Vier Farben - vier Casinos.
Das neue Bad Oeynhausener Casino ist mittlerweile
nicht mehr grün. Seit dem Umzug ins
Entertainment-Center am Werre-Park im vergangenen
Herbst ist der Glückstempel mit Kleinem
(Automatensaal) und Großem Spiel (Roulette,
Glücksrad, Black Jack, Poker) glitzernd, amerikanisch,
glamourös. Nur die alten, verlassenen Gemäuer im
Kurhaus sind noch grün. Wie die Wandverkleidungen.
Oder die Fußbodenbeläge. Die sind gestreift. Hellgrün,
dunkelgrün.
Der stellvertretende Casino-Direktor Wilhelm
Klostermann nennt das alte Haus in einem Atemzug mit
Bad Neuenahr und Baden-Baden. "Stil, die ganze
Ausstattung und das Ambiente", fallen ihm als
Stichworte ein. Womit der gebürtige Bünder nichts
gegen das neue Haus sagen will. "Das entspricht dem
Zeitgeist. Unterhaltung und Erlebnis sind gefragt. Da
stimmt das Umfeld mit den Diskotheken, der
Gastronomie und dem großen Kino-Center."
Die Zahlen sprechen für den Umzug. Seit Eröffnung bis
Jahresende 1999 zählten die Casino-Betreiber 4,4
Millionen Gäste, die in dieser Zeit einen
Brutto-Spielerlös von 550 Millionen Mark erbrachten. "15
Prozent, also 80 Millionen Mark", rechnet Klostermann
vor, "bleiben in Bad Oeynhausen. Wobei zwei Drittel auf
die Stadt und ein Drittel auf das Staatsbad entfallen."
Inzwischen, verrät der Vize-Direktor, sind die Zahlen um
etwa 30 Prozent gesteigert worden. "Das liegt aber auch
daran, dass wir hier längere Öffnungszeiten haben."
Auch wenn der Erfolg den Machern Recht gibt, für
Klostermann und Kollegen schwingt immer noch ein
wenig wehmütige Erinnerung mit, wenn es um den nun
stillen Standort im Kurhaus geht. So an die Eröffnung,
die von vielen Bad Oeynhausenern zunächst "sehr
skeptisch" gesehen wurde. Oder an Episoden, wie den
dreisten Bankräuber, der zuerst eine Sparkasse
überfallen hatte und dann das Geld an den Tischen im
Casino einsetzen wollte. Die Polizei beendet für ihn das
Spiel. Und den Sonderling, der in Sandalen das
ehrwürdige Haus betreten wollte, in dem Krawatte und -
wie selbstverständlich - festes Schuhwerk
vorgeschrieben sind. Im Kurpark konnte er gegen Bares
einen Spaziergänger zum Tausch der Treter überzeugen.
Ob der ungewöhnliche Vorab-Einsatz wirklich Glück
brachte, wollte Wilhelm Klostermann nicht verraten.
Sehr wohl aber gibt er Auskunft darüber, wie knapp die
Entscheidung letztlich für den neuen und gegen den
alten Betrieb fiel. Dass im Kurhaus etwas getan werden
musste, war damals allen Beteiligten bewusst.
Klostermann: "Die Pläne für den Umbau und die
Renovierung waren schon fertig. Dann aber kam der
Werre-Park mit dem Entertainment-Center, in das wir
nach Empfehlung eines Unternehmensberaters und
durch eigenes Engagement auch eingezogen sind."
Nun sollte, so der Wunsch von Kurdirektor Garrelf
Remmers und der Arbeitsgruppe Staatsbad
Oeynhausen, ab Ende September/Anfang Oktober
"Varieté und Tanz vor allem für Menschen ab 30 Jahren"
ins noble aber wenig genutzte Kurhaus einziehen.
Bürgermeister Gerhard Paul sah bereits "ein
schlüssiges Konzept, das uns direkt im Anschluss an
die Landesgartenschau sehr zu Gute kommt." Beim
möglichen Partner, der Essener GOP-Varieté, gibt man
sich derweil zurückhaltend. Dieses Jahr werde es wohl
nichts mit dem Kurhaus-Zauber. "Mietverträge", stellt
GOP-Geschäftsführer Grote junior fest, "sind noch nicht
unterzeichnet."
So bleibt es vorerst beim Rien-ne-vas-plus in den
verlassenen Sälen. Immerhin, die Teppichböden bleiben
auch liegen. Und die sind bekannterweise hell und
dunkelgrün. Grün wie die Hoffnung.