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Grün wie die Hoffnung
Medium: Neue Westfälische
Datum: 06. 04. 2000
Seit dem Auszug des Casinos liegen die Räume im Kurhaus brach / Und die Zukunft ist ungewiss

VON PETER STEINERT

Bad Oeynhausen. Grün ist die Farbe der Hoffnung. Grün ist die Farbe der 1980 eröffneten Spielbank Bad Oeynhausen. Lila und Pink stehen für das Aachener Haus, das 1974 als erstes nordrhein-westfälisches Casino in Betrieb ging. Beige prägt Hohensyburg, wo die Spieler seit 1985 Einlass finden. Im Bremer Casino, das (seit 1975) ebenfalls durch die Westdeutsche Spielbanken-Gesellschaft geführt wird, ist Braun angesagt. Vier Farben - vier Casinos.

Das neue Bad Oeynhausener Casino ist mittlerweile nicht mehr grün. Seit dem Umzug ins Entertainment-Center am Werre-Park im vergangenen Herbst ist der Glückstempel mit Kleinem (Automatensaal) und Großem Spiel (Roulette, Glücksrad, Black Jack, Poker) glitzernd, amerikanisch, glamourös. Nur die alten, verlassenen Gemäuer im Kurhaus sind noch grün. Wie die Wandverkleidungen. Oder die Fußbodenbeläge. Die sind gestreift. Hellgrün, dunkelgrün.

Der stellvertretende Casino-Direktor Wilhelm Klostermann nennt das alte Haus in einem Atemzug mit Bad Neuenahr und Baden-Baden. "Stil, die ganze Ausstattung und das Ambiente", fallen ihm als Stichworte ein. Womit der gebürtige Bünder nichts gegen das neue Haus sagen will. "Das entspricht dem Zeitgeist. Unterhaltung und Erlebnis sind gefragt. Da stimmt das Umfeld mit den Diskotheken, der Gastronomie und dem großen Kino-Center."

Die Zahlen sprechen für den Umzug. Seit Eröffnung bis Jahresende 1999 zählten die Casino-Betreiber 4,4 Millionen Gäste, die in dieser Zeit einen Brutto-Spielerlös von 550 Millionen Mark erbrachten. "15 Prozent, also 80 Millionen Mark", rechnet Klostermann vor, "bleiben in Bad Oeynhausen. Wobei zwei Drittel auf die Stadt und ein Drittel auf das Staatsbad entfallen." Inzwischen, verrät der Vize-Direktor, sind die Zahlen um etwa 30 Prozent gesteigert worden. "Das liegt aber auch daran, dass wir hier längere Öffnungszeiten haben."

Auch wenn der Erfolg den Machern Recht gibt, für Klostermann und Kollegen schwingt immer noch ein wenig wehmütige Erinnerung mit, wenn es um den nun stillen Standort im Kurhaus geht. So an die Eröffnung, die von vielen Bad Oeynhausenern zunächst "sehr skeptisch" gesehen wurde. Oder an Episoden, wie den dreisten Bankräuber, der zuerst eine Sparkasse überfallen hatte und dann das Geld an den Tischen im Casino einsetzen wollte. Die Polizei beendet für ihn das Spiel. Und den Sonderling, der in Sandalen das ehrwürdige Haus betreten wollte, in dem Krawatte und - wie selbstverständlich - festes Schuhwerk vorgeschrieben sind. Im Kurpark konnte er gegen Bares einen Spaziergänger zum Tausch der Treter überzeugen. Ob der ungewöhnliche Vorab-Einsatz wirklich Glück brachte, wollte Wilhelm Klostermann nicht verraten.

Sehr wohl aber gibt er Auskunft darüber, wie knapp die Entscheidung letztlich für den neuen und gegen den alten Betrieb fiel. Dass im Kurhaus etwas getan werden musste, war damals allen Beteiligten bewusst. Klostermann: "Die Pläne für den Umbau und die Renovierung waren schon fertig. Dann aber kam der Werre-Park mit dem Entertainment-Center, in das wir nach Empfehlung eines Unternehmensberaters und durch eigenes Engagement auch eingezogen sind."

Nun sollte, so der Wunsch von Kurdirektor Garrelf Remmers und der Arbeitsgruppe Staatsbad Oeynhausen, ab Ende September/Anfang Oktober "Varieté und Tanz vor allem für Menschen ab 30 Jahren" ins noble aber wenig genutzte Kurhaus einziehen. Bürgermeister Gerhard Paul sah bereits "ein schlüssiges Konzept, das uns direkt im Anschluss an die Landesgartenschau sehr zu Gute kommt." Beim möglichen Partner, der Essener GOP-Varieté, gibt man sich derweil zurückhaltend. Dieses Jahr werde es wohl nichts mit dem Kurhaus-Zauber. "Mietverträge", stellt GOP-Geschäftsführer Grote junior fest, "sind noch nicht unterzeichnet."

So bleibt es vorerst beim Rien-ne-vas-plus in den verlassenen Sälen. Immerhin, die Teppichböden bleiben auch liegen. Und die sind bekannterweise hell und dunkelgrün. Grün wie die Hoffnung.


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