Ihre Leidenschaft zum Videopoker bringt immer mehr Italiener auf die schiefe
Bahn
Von unserem Korrespondenten Bernhard Hülsebusch
ROM. Die Leidenschaft zum Videopoker machte aus einem biederen italienischen
Angestellten einen Bankräuber. Jetzt wurde der Vermessungstechniker Vincenzo
Rizzi nach einer Verfolgsjagd und blutigem Kampf mit Polizisten in der apulischen
Stadt Barletta verhaftet.
Es ist innerhalb kurzer Zeit der dritte Fall, bei dem der Spiel-Tick und die damit
verbundene Geldnot ansonsten brave Bürger auf die schiefe Bahn brachte. Im Februar
hatte eine vom Poker-Fieber gepackte, mit einer Spielzeugpistole bewaffnete Frau aus
Rovigo versucht, eine Bank auszurauben. Im März plünderte ein 17-jähriger Schüler
bei Brescia die Kasse eines Supermarktes.
Auch Vincenzo Rizzi war, wie es die Medien formulieren, ein ,,Sklave des Spiels.
Beim Videopoker verplemperte er nicht nur sein Gehalt, sondern weitere, hohe
Summen. Folglich unternahm er Überfälle auf Kreditinstitute in Süd-und Mittelitalien.
Dieser Tage raubte er, nur mit einem Messer bewaffnet, eine kleine Bankfiliale in
Barletta aus,wobei er umgerechnet 10'000 Mark erbeutete. Nach seiner Verhaftung
kam ans Licht, dass Rizzi in den vergangenen Wochen verschiedene Banken um etwa
eine Million Mark erleichtert hatte.
Psychiater schätzen, dass etwa eine Million Italiener dem Spielteufel verfallen sind.
Mehr als 100 Spielkranke werden in einem medizinisch-psychologischen Zentrum in
Bozen behandelt.