Newsindex
Ein Bankräuber aus Spielsucht
Medium: Badische Zeitung
Datum: 12. 04. 2000
Ihre Leidenschaft zum Videopoker bringt immer mehr Italiener auf die schiefe Bahn

Von unserem Korrespondenten Bernhard Hülsebusch

ROM. Die Leidenschaft zum Videopoker machte aus einem biederen italienischen Angestellten einen Bankräuber. Jetzt wurde der Vermessungstechniker Vincenzo Rizzi nach einer Verfolgsjagd und blutigem Kampf mit Polizisten in der apulischen Stadt Barletta verhaftet.

Es ist innerhalb kurzer Zeit der dritte Fall, bei dem der Spiel-Tick und die damit verbundene Geldnot ansonsten brave Bürger auf die schiefe Bahn brachte. Im Februar hatte eine vom Poker-Fieber gepackte, mit einer Spielzeugpistole bewaffnete Frau aus Rovigo versucht, eine Bank auszurauben. Im März plünderte ein 17-jähriger Schüler bei Brescia die Kasse eines Supermarktes.

Auch Vincenzo Rizzi war, wie es die Medien formulieren, ein ,,Sklave des Spiels“. Beim Videopoker verplemperte er nicht nur sein Gehalt, sondern weitere, hohe Summen. Folglich unternahm er Überfälle auf Kreditinstitute in Süd-und Mittelitalien. Dieser Tage raubte er, nur mit einem Messer bewaffnet, eine kleine Bankfiliale in Barletta aus,wobei er umgerechnet 10'000 Mark erbeutete. Nach seiner Verhaftung kam ans Licht, dass Rizzi in den vergangenen Wochen verschiedene Banken um etwa eine Million Mark erleichtert hatte.

Psychiater schätzen, dass etwa eine Million Italiener dem Spielteufel verfallen sind. Mehr als 100 „Spielkranke“ werden in einem medizinisch-psychologischen Zentrum in Bozen behandelt.


Newsindex