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Nicht nur Las Vegas erfreut sich am Spieltrieb
Medium: Berner Zeitung
Datum: 13. 04. 2000
US-casinos

Die amerikanischen Spielcasinos haben Hochkonjunktur. Im letzten Jahr wurden landesweit 31 Milliarden Dollar umgesetzt. Das entspricht einer Steigerung von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. *Urs Frischknecht, Miami Die neuen Betreiber des Spielcasinos in Coconut Creek im Grossraum von Miami staunen nicht schlecht. Da eröffneten sie am 7. Februar dieses Jahres in einem schlichten Gebäude, mit einer Investition von «nur» 30 Millionen Dollar, eine rund 6000 Quadratmeter grosse Spielstätte, die nebst Räumen für Poker und «Black Jack» vorwiegend die herkömmlichen, auch in der Schweiz üblichen Slot-Maschinen anbietet. Und dann wurden sie vom Kundenstrom regelrecht überrumpelt: Bei bisher durchschnittlich 1000 Besuchern pro Tag, deren Mindesteinsatz bei 100 Dollar liegen soll, «musste» die ursprüngliche Anzahl von Spielcomputern bereits um 300 auf neu 800 erhöht werden. Weitere Expansionsmöglichkeiten - bis zu 1000 zusätzliche Apparate - sollen sofort geprüft und der Ausbau vorangetrieben werden. Parallel dazu sind drei Restaurationsbetriebe geplant. Gewiss: Wer will sich derartige Geldquellen denn schon entgehen lassen? Und weil es sich bei den Initianten um so genannte «Seminoles», mit besonderen Rechten und steuerlichen Begünstigungen ausgestattete Personen indianischer Herkunft, handelt, sind dem Geschäft kaum Grenzen gesetzt. Das lokale Beispiel aus Südflorida entspricht übrigens dem nationalen Trend. Landesweit nahm das Spiel mit der prickelnden Spanne zwischen Verlust und Gewinn im letzten Jahr um 13 Umsatzprozente auf 31 Dollar-Milliarden zu. Und weiteres Wachstum ist vorausgesagt.

Casinos in Reservaten In Kalifornien ist das Stimmvolk im letzten Monat dem Antrag der Behörden gefolgt, in Indianer-Reservaten des Staates neue Casinos im Las-Vegas-Stil zu autorisieren. Andere Staaten und Städte auch im Norden, wie beispielsweise Detroit, ziehen nach. Das Angebot genügt den Bedürfnissen nicht mehr. Und wenn es darum geht, Geld zu verdienen, standen die Amerikaner noch nie in der hintersten Reihe. Wie immer bei solchen Entwicklungen wird nach Erklärungen gesucht. Analysten haben herausgefunden, dass auch die Anziehungskraft auf bestimmte Altersgruppen eine entscheidende Rolle spielt. Der durchschnittliche Spielcasino-Besucher in den USA ist 49 Jahre alt. «Und das ist die momentan am schnellsten wachsende Gruppe, die auch am ehesten dazu neigt, Geld auszugeben», sagt Joe Coccimiglio, der sich im Namen der Fürsorge-Organisation «Prudential Securities» mit dem Phänomen befasst.

Las Vegas als «Vorreiter» Zur allgemeinen Tendenz hat nicht zuletzt auch die Spielerstadt Las Vegas beigetragen. Zwischen Oktober 1998 und September 1999 wurden in der Wüstenstadt mit den neuen Stätten «Bellagio», «Venetian», «Mandala Bay» und «Paris» gleich vier weitere Etablissements dieser Art eröffnet. Las Vegas beherbergte im letzten Jahr 17 Prozent mehr Hotelgäste. In einzelnen Staaten, wie etwa Missouri, wurden zudem die Gesetze angepasst, das heisst zahlreiche Etablissements erhielten eine Lizenz und wurden damit legalisiert. Mit der generellen Entwicklung sind indessen nicht alle glücklich. So meint der in New Jersey für eine «Organisation gegen Spielsucht» zuständige Fachmann Ed Looney, die negativen Begleiterscheinungen seien nicht aufzuhalten. Damit meint er: mehr Polizei, vermehrte Probleme vor den Gerichten, ob nun krimineller oder ziviler Art. Ganz grundsätzlich sei es doch so: «Wo es mehr Casinos gibt, kommt es auch häufiger zum Bankrott. Nicht bloss in finanzieller Hinsicht, auch auf der persönlichen Ebene.»*


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