Casino Royale und French Riviera Casino - die Namen erinnern an Las Vegas oder Monte Carlo, doch die Spielstätten existieren nur im Internet. Dort boomen die virtuellen Glücksspiele Roulette, Black Jack, Baccara oder Poker: Weltweit werden jährlich mehr als vier Milliarden Dollar dafür ausgegeben. In Deutschland werben eluckycasino.net oder casino-platinum.com per E-Mail mit Gutschriften für ihre Millionen-Jackpots. Doch die haben ihre Tücken.
Cyber-Casinos dürfen in Deutschland nicht betrieben werden: "Anbietern und Spielern drohen wegen illegalen Glücksspiels saftige Strafen", sagt Ilona Füchtenschnider vom Bundesweiten Arbeitskreis Glücksspielsucht. Weil die Lizenz fehlt, haben viele Anbieter ihre Server in die juristisch weniger strenge Karibik verlegt und tragen von dort die Roulette-Spiele aus. Darunter tummeln sich eine Reihe schwarzer Schafe, die Name und Web-Auftritt regelmäßig wechseln, um nicht aufzufallen.
"Anfangs werden die Online-Spieler mit Gewinnen geködert, die sie dann aber ganz schnell wieder einbüßen", sagt Martin Epperlein vom Stuttgarter Beratungs- zentrum für Suchterkrankungen. Selbst wenn das Spiel am PC-Bildschirm live zu sehen sei, bleibe unklar, ob Zufall oder Casinobetreiber die Gewinnzahlen ermitteln. Das mit der Kreditkarte teuer aufgeladene Konto-Guthaben schrumpfe schnell zusammen. Gibt es beim Gewinnen und Bezahlen Ungereimtheiten, muss ein komplizierter Klageweg beschritten werden. Das Geld ist jedenfalls erst einmal weg.
Weil Web-Roulette jederzeit und anonym gespielt werden kann, ist auch die Suchtgefahr besonders groß. "Ein Internet-Zocker kann sich von zu Hause aus ruinieren, ohne dass es irgend jemand bemerkt", warnt Epperlein. Generell sollten Internet-Nutzer bei Glücksspielen "sehr vorsichtig" sein. Wer unbedingt spielen will, sollte eher ein reales als ein virtuelles Casino besuchen. prb