Wiesbadens Spielbank-Chef Gülker blickt besorgt auf Frankfurter Pläne/Kuchen
wird nicht größer
Von KURIER-Redakteurin
Ingeborg Salm-Boost
WIESBADEN Mit großem Unbehagen schaut derzeit Wiesbadens
Spielbank-Chef Klaus Gülker nach Frankfurt. Dass, wie berichtet,
Oberbürgermeisterin Petra Roth ein bereits genehmigtes Casino im
Transitbereich des Flughafens nicht mehr genug ist und sie alle Hebel in
Bewegung setzt, um eine Genehmigung für Frankfurt-City zu bekommen, lässt
bei den Spielbanken Wiesbaden, Mainz und Bad Homburg alle Alarmglocken
schrillen. Der Kunden-Kuchen wird nicht größer, aber Wiesbaden
beispielsweise hat 40 bis 50 Prozent seiner Gäste aus Frankfurt und der
weiteren Umgebung. Wenn diese alle wegblieben und im Urban
Entertainment-Center eine Spielmöglichkeit fänden, würde das das Wiesbadener
Casino und auch das Bad Homburger in existenzielle Nöte bringen, sagt Gülker.
Das stört die Frankfurter Oberbürgermeisterin, die sich von einer Spielbank eine
dicke, kontinuierliche Finanzspritze für ihre Stadt erhofft, wenig. Dürfte Frankfurt
tatsächlich außerhalb des Airports die Kugel rollen lassen, dann hätte Hessen
die meisten Casinos auf kleinstem Raum, sagt Gülker. Petra Roth hat nach
eigenen Angaben bereits Ministerpräsident Roland Koch angeschrieben. Beim
zuständigen Innenministerium liegt dagegen noch kein offizielles Begehren vor.
Wäre die CDU/FDP-Regierung dem Ansinnen der nächstes Jahr wieder zur
Direktwahl stehenden Powerfrau wohlgesonnen, dann müsste allerdings erst
einmal eine Gesetzesänderung erfolgen. Das ist gar nicht so einfach, betont
Pressesprecher Buser.
Beschlossen ist allerdings bereits, dass im Transitbereich auf dem Frankfurter
Flughafen eine Spielbank eingerichtet wird. Hier sollen nach der jetzigen
Vereinbarung aber nur Reisende aus Staaten außerhalb des Schengener
Abkommens spielen dürfen. Die Auswirkungen auf die Wiesbadener Spielbank
blieben damit gering. Gülker rechnet für das Airport-Casino auch nicht mit
besonders hohen Bruttospielerträgen. Deshalb werde in den Anfangsjahren auch
keine Abgabe von 80 Prozent (wie sonst festgeschrieben) verlangt.
Dennoch: Im Konsortium, das die Flughafen-Spielbank vermutlich führen wird,
finden sich auch die Konzessionäre des Wiesbadener Betriebs. Die Hamburger
Achterfeld und Jahr erwarten zwar keine tollen Gewinne. Doch wenn die
Flughafen-Konkurrenz schon kommt, wollen sie wenigstens das Spiel mit
kontrollieren können. Mit der German Casino Group (Privatleute, die auch Baden
Baden, Bad Neuenahr und Berlin betreiben), sowie mit der Sim, hinter der die
Deutsche Sporthilfe, österreichische Casinobetreiber und Spielgerätehersteller
stehen, will man auf Rhein-Main das Automatenspiel ankurbeln und die Kugel
rollen lassen.
Vor fünf Jahren hatte der Wiesbadener Casino-Chef Gülker die damals rot-grüne
Regierung eindringlich vor der Flughafen-Variante gewarnt. Damals wies er darauf
hin, dass eine auf den Transitbereich beschränkte Spielbank auf Dauer
wirtschaftlich nicht tragbar sein werde, und sicher nach ersten Erfahrungen die
Beschränkung aufgegeben werde. Damals befasste sich Gülker in einem
Gespräch mit den Wiesbadener Landtagsabgeordneten auch mit den
Auswirkungen einer allgemeinen Spielbank Frankfurt, wie sie jetzt tatsächlich
von Petra Roth angestrebt wird. 1995 hatte er einen Rückgang des
Bruttospielertrags im Großen Spiel von 14 bis 16,8 Millionen Mark, im Kleinen
Spiel von 2,5 bis 5,8 Millionen Mark prognostiziert. Zum Vergleich: Im
vergangenen Jahr wurden insgesamt rund 60 Millionen Mark in der Spielbank
eingenommen.
Gülker wies auch darauf hin, dass die Arbeitsplätze in solch einem Fall
drastisch reduziert werden müssten. Derzeit gibt es 200 Köpfe im Casino. 1999
haben die Casinos Bad Homburg, Wiesbaden und Mainz laut Gülker einen
Besucher-Rückgang von 597000 auf 592000 erlebt und die Erträge aus dem
Großen Spiel seien um zwei Millionen Mark gesunken. Das Gesamtvolumen auf
dem Rhein-Main-Markt betrage rund 80 Millionen Mark.