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Eine Casino-Krise wäre programmiert
Medium: Main Rheiner
Datum: 13. 04. 2000
Wiesbadens Spielbank-Chef Gülker blickt besorgt auf Frankfurter Pläne/Kuchen wird nicht größer

Von KURIER-Redakteurin

Ingeborg Salm-Boost

WIESBADEN Mit großem Unbehagen schaut derzeit Wiesbadens Spielbank-Chef Klaus Gülker nach Frankfurt. Dass, wie berichtet, Oberbürgermeisterin Petra Roth ein bereits genehmigtes Casino im Transitbereich des Flughafens nicht mehr genug ist und sie alle Hebel in Bewegung setzt, um eine Genehmigung für Frankfurt-City zu bekommen, lässt bei den Spielbanken Wiesbaden, Mainz und Bad Homburg alle Alarmglocken schrillen. Der „Kunden-Kuchen“ wird nicht größer, aber Wiesbaden beispielsweise hat 40 bis 50 Prozent seiner Gäste aus Frankfurt und der weiteren Umgebung. Wenn diese alle wegblieben und im Urban Entertainment-Center eine Spielmöglichkeit fänden, würde das das Wiesbadener Casino und auch das Bad Homburger in existenzielle Nöte bringen, sagt Gülker.

Das stört die Frankfurter Oberbürgermeisterin, die sich von einer Spielbank eine dicke, kontinuierliche Finanzspritze für ihre Stadt erhofft, wenig. Dürfte Frankfurt tatsächlich außerhalb des Airports die Kugel rollen lassen, dann „hätte Hessen die meisten Casinos auf kleinstem Raum“, sagt Gülker. Petra Roth hat nach eigenen Angaben bereits Ministerpräsident Roland Koch angeschrieben. Beim zuständigen Innenministerium liegt dagegen noch kein offizielles Begehren vor. Wäre die CDU/FDP-Regierung dem Ansinnen der nächstes Jahr wieder zur Direktwahl stehenden Powerfrau wohlgesonnen, dann müsste allerdings erst einmal eine Gesetzesänderung erfolgen. „Das ist gar nicht so einfach“, betont Pressesprecher Buser.

Beschlossen ist allerdings bereits, dass im Transitbereich auf dem Frankfurter Flughafen eine Spielbank eingerichtet wird. Hier sollen nach der jetzigen Vereinbarung aber nur Reisende aus Staaten außerhalb des Schengener Abkommens spielen dürfen. Die Auswirkungen auf die Wiesbadener Spielbank blieben damit gering. Gülker rechnet für das Airport-Casino auch nicht mit besonders hohen Bruttospielerträgen. Deshalb werde in den Anfangsjahren auch keine Abgabe von 80 Prozent (wie sonst festgeschrieben) verlangt.

Dennoch: Im Konsortium, das die Flughafen-Spielbank vermutlich führen wird, finden sich auch die Konzessionäre des Wiesbadener Betriebs. Die Hamburger Achterfeld und Jahr erwarten zwar keine tollen Gewinne. Doch wenn die Flughafen-Konkurrenz schon kommt, wollen sie wenigstens das Spiel mit kontrollieren können. Mit der German Casino Group (Privatleute, die auch Baden Baden, Bad Neuenahr und Berlin betreiben), sowie mit der „Sim“, hinter der die Deutsche Sporthilfe, österreichische Casinobetreiber und Spielgerätehersteller stehen, will man auf Rhein-Main das Automatenspiel ankurbeln und die Kugel rollen lassen.

Vor fünf Jahren hatte der Wiesbadener Casino-Chef Gülker die damals rot-grüne Regierung eindringlich vor der Flughafen-Variante gewarnt. Damals wies er darauf hin, dass eine auf den Transitbereich beschränkte Spielbank auf Dauer wirtschaftlich nicht tragbar sein werde, und sicher nach ersten Erfahrungen die Beschränkung aufgegeben werde. Damals befasste sich Gülker in einem Gespräch mit den Wiesbadener Landtagsabgeordneten auch mit den Auswirkungen einer „allgemeinen“ Spielbank Frankfurt, wie sie jetzt tatsächlich von Petra Roth angestrebt wird. 1995 hatte er einen Rückgang des Bruttospielertrags im Großen Spiel von 14 bis 16,8 Millionen Mark, im Kleinen Spiel von 2,5 bis 5,8 Millionen Mark prognostiziert. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr wurden insgesamt rund 60 Millionen Mark in der Spielbank eingenommen.

Gülker wies auch darauf hin, dass die Arbeitsplätze in solch einem Fall drastisch reduziert werden müssten. Derzeit gibt es 200 „Köpfe“ im Casino. 1999 haben die Casinos Bad Homburg, Wiesbaden und Mainz laut Gülker einen Besucher-Rückgang von 597000 auf 592000 erlebt und die Erträge aus dem Großen Spiel seien um zwei Millionen Mark gesunken. Das Gesamtvolumen auf dem Rhein-Main-Markt betrage rund 80 Millionen Mark.


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