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Glücksspiel-Betreiber im Pech
Medium: Berliner Zeitung
Datum: 14. 10. 2002
KONJUNKTURFLAUTE

VON SEBASTIAN WOLFF BERLIN, 13. Oktober. Es gibt Vorurteile über die sich die Betroffenen sehr freuen würden, wenn sie denn zuträfen: "Wenn es schlecht läuft, spielen die Leute mehr", lautet ein solches weit verbreitetes Vorurteil. "Doch leider", bedauert Stefan Gietl, Sprecher des Deutschen Lotto- und Totoblocks, "ist dieses Vorurteil falsch": Selbst das beliebteste Glücksspiel der Deutschen, das Zahlenlotto 6 aus 49, zieht offenbar nicht mehr so wie im Vorjahr. Doch davon hängt das Geschäft der Lottogesellschaften entscheidend ab - schließlich trägt allein das Zahlenlotto zu zwei Dritteln zum Gesamtumsatz bei. Hinzu kommen alle anderen Spielarten wie Toto, Oddset, Spiel 77 oder Glücksspirale. Alles in allem erwartet Gietl für dieses Jahr einen Umsatzrückgang von rund drei Prozent. Bei einem Gesamtumsatz von 8,4 Milliarden Mark wären das Mindereinnahmen von immerhin gut 250 Millionen Euro. "Ein unbefriedigendes Ergebnis", so Gietl.

Billigerer Lotto-Einsatz

Den rückläufigen Umsatz führt Gietl auf mehrere Ursachen zurück. "Zum einen schlägt die Konjunkturflaute natürlich voll durch", sagt er. Doch daneben seien noch andere Faktoren von mindestens gleicher Bedeutung. "Auch wir leiden unter der Euro-Umstellung", sagt Gietl. Dabei seien Teuro-Vorwürfe gänzlich unangebracht. Denn mit dem Euro hat Lotto den Einsatz sogar leicht gesenkt: Jede Tippreihe kostet jetzt statt 1,50 Mark nur noch 75 Cent, also gut zwei Prozent weniger.

Doch das Problem ist Gietl zufolge eher ein psychologisches und hat mit den Jackpots zu tun: Die Jackpots kommen dann zu Stande, wenn bei einer Ziehung nicht ein einziger Spieler die richtigen Zahlen für die höchste Gewinnklasse angekreuzt hat (also beim Lotto sechs Richtige und die passende Superzahl). Die Beträge, die eigentlich für den Hauptgewinn vorgesehen waren, sammeln sich dann - manchmal sogar über Wochen - an. So kommen mitunter hohe Summen zusammen, die dann alle dem nächsten Hauptgewinner zufließen. Sobald der Jackpot eine zweistellige Millionensumme ausmacht, steigen die Lotto-Umsätze erfahrungsgemäß spürbar an, weil dann auch viele Menschen ihr Glück versuchen, die sonst nicht spielen. "Im vergangenen Jahr hatten wir 14 zweistellige Jackpots", sagt Gietl. "Die Leute standen in den Annahmestellen Schlange." Doch weil sich durch die Euro-Umstellung die Beträge nominal praktisch halbiert haben, kam in diesem Jahr erst ein einziger zweistelliger Jackpot zu Stande.

An rückläufige Umsätze müssen sich die Lotto-Gesellschaften erst noch gewöhnen: Die vergangenen Jahre brachten nämlich dank neuer Spiele - wie etwa der Fußballwette Oddset immer wieder neue Rekordergebnisse ein. Noch enttäuschender ist in diesem Jahr die Umsatzentwicklung für die 53 deutschen Spielcasinos. Frank Mühr, Sprecher von Westspiel Casinos, zu denen unter anderem die Spielbanken am Berliner Alexanderplatz, in Dortmund-Hohensyburg (dem größten deutschen Spielcasino), Bremen und Aachen gehören, zieht für 2002 eine ernüchternde Zwischenbilanz: "Die Umsätze gehen eindeutig zurück." Auch Mühr führt als Hauptursache die konjunkturelle Talfahrt sowie den Euro an. "Dabei haben wir beim Roulette den Mindesteinsatz von fünf Mark auf zwei Euro zurückgenommen. Doch die Leute halten einfach an ihrem Geld fest."

Schlechte Zeiten

Schlechte konjunkturelle Zeiten haben auch für die Betreiber der gut 400 000 Münzspielautomaten in Deutschland äußerst unangenehme Auswirkungen. "Das Geschäft läuft sehr schlecht", bekennt Harro Bunke, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Automatenunternehmer. Die im Volksmund "Daddel-Automaten" genannten Geräte stehen vorwiegend in Gaststätten - und die verzeichnen in diesem Jahr wegen der Teuro-Debatte einen drastischen Schwund an Gästen. "Und wenn dort die Gäste ausbleiben", so Bunke, "dann stehen die Automaten natürlich auch ungenutzt herum." Zudem leide das Geschäft mit den Münzspielgeräten auch unter der zunehmenden Konkurrenz der Glücksspiele im Internet und der Gewinnspiele im Fernsehen, "sowie generell dem höheren Freizeitangebot in unserer Gesellschaft", sagt Bunke.

Um dem negativen Trend entgegenzuwirken, will die Branche weg von ihrem Kneipen- und Spielhöllenimage kommen und in familienfreundliche Freizeitstätten investieren, wo die Automaten künftig verstärkt aufgestellt werden sollen. 2001 erzielten die Automaten noch einen Umsatz von weit mehr als drei Milliarden Euro. "Doch in diesem Jahr werden wir die drei vor dem Komma kaum erreichen", so Bunke. Auch für den Fiskus sind die rückläufigen Umsätze im Glückspielgewerbe eine schlechte Nachricht. Denn er kassiert bei den Einnahmen kräftig mit: Allein beim Zahlenlotto fließen rund 40 Prozent des Umsatzes in die öffentlichen Haushalte. Im Vorjahr waren es somit weit über zwei Milliarden Euro.


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