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Kontrolle ist auch Eigenschutz
Medium: Volksblatt Bad Kissingen
Datum: 26. 04. 2000
LKR. BAD KISSINGEN (IKR) · Künftig wollen Polizei und Jugendamt auch auf Vereinsfesten das Einhalten der Jugendschutzbestimmungen überprüfen.

Es ist an sich nichts Neues. Polizeibeamte und Verantwortliche des Jugendamts sind des nachts gelegentlich unterwegs. In Diskotheken, Spielhallen und Tanzsälen schauen sie nach dem Rechten. Sie überprüfen, ob Jugendliche dort länger als gesetzlich erlaubt nachts das Tanzbein schwingen oder am Automaten zocken und ob Minderjährige branntweinhaltige Getränke zu sich genommen haben.

Eine neue Dimension bekam das Thema Jugendschutz im vergangenen Sommer, als die Beamten auch einmal bei einem Vereinsfest im Landkreis auftauchten. Denn bei Festen hatte man sich offenbar in der Vergangenheit zurück gehalten. Mehrere hundert Kinder und Jugendliche wurden damals angetroffen, die teilweise stark alkoholisiert waren und sich auch nach Mitternacht noch dort aufhielten. Ein betrunkener 17-Jähriger, der um zwei Uhr morgens nach Hause trampen wollte, wurde fast von einem Auto überfahren.

"Wir werden künftig auch bei Festen verstärkt kontrollieren", sagt der Leiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen, Roland Simonetti. "Die Erkenntnis, dass Minderjährige Alkohol trinken, ist nicht neu, aber die Alkohol-Konsumenten werden immer jünger." Nach Simonettis Ansicht ist es Sache der Eltern, auf die jungen Leute einzuwirken. Aber sie können oft diesbezüglich bei ihren Sprösslingen nichts ausrichten, hat der Dienststellenleiter beobachtet. Sie wissen oft gar nicht, wo sich ihre Kinder aufhalten. Es gibt Eltern, die froh seien, dass die Polizei Kontrollen durchführt, weil sie jetzt eine bessere Argumentationsbasis bei ihren Kindern haben.

Mit einer "Welle" der Erkenntnis, die durchs Land ging, vergleicht Jugendpfleger Martin Pfeuffer die Reaktionen, die seinerzeit auf die Jugendschutzkontrolle bei jenem Weinfest folgte: "Viele waren aufgeschreckt. Es drang plötzlich ins Bewusstsein der Leute, dass es massive Verstöße gab." Zu Pfeuffers Erstaunen riefen auch Eltern im Jugendamt an und bedankten sich, dass man die Jugendschutzbestimmungen überprüfte. Die Verantwortlichen von Vereinen zeigten großen Informationsbedarf.

Seit kurzem gibt es ein Informationsblatt, das der Leiter der Polizeiinspektion Hammelburg, Albrecht Renninger, zusammen mit dem Jugendamt verfasste und welches vor kurzem an die Gemeinden ausgegeben wurde, denn jedes Fest muss schließlich von der Gemeinde genehmigt werden. In den vergangenen Monaten wurden von Jugendamt und Polizei auch zahlreiche Vortragsabende mit Verantwortlichen der Gastronomie und der Vereine zum Thema Jugendschutz gehalten, so zum Beispiel in Thundorf, Oerlenbach, Burkardroth und Hammelburg. Denn schließlich gibt es im Landkreis jährlich etwa 950 angemeldete Feste und Partys. Oft sind es auch Organisationen und Verbände, die das Thema bei ihren Versammlungen aufs Tapet bringen wollen.

Verstöße gegen die Jugendschutzbestimmungen haben nicht nur Folgen für die jungen Leute, die dann die Disko, die Party oder das Fest ganz plötzlich verlassen müssen. Den Eltern wird mitgeteilt, dass sie ihre Aufsichtspflicht verletzt haben. Das Jugendamt bestimmt dann das Bußgeld.

Unvergleichbar teurer kann es für den Veranstalter werden, bei dem der Verstoß angezeigt wurde, diesen erwarten Strafen bis zu 10 000 Mark. "Jugendkontrolle ist für den Veranstalter Eigenschutz", bringt es Pfeuffer auf den Punkt. Junge Leute dürfen nun mal erst ab 16 Jahren Bier und Wein ausgeschenkt bekommen und erst ab 18 Jahren gibt's scharfe Sachen an der Bar. "Da muss man als Diskothekbetreiber oder Vereinsvorsitzender seine Thekenkräfte eben darauf hinweisen." Denn wenn einmal ein betrunkener Jugendlicher im Verkehr zu Tode kommt, wird man sicher auch fragen, wo er den Alkohol konsumiert hat, zeichnet Pfeuffer den Extremfall auf.

In unserer Gesellschaft wird viel über Drogenprävention geredet, sagt Pfeuffer, und man war vergangenes Jahr schockiert über die 18 Drogentote in der Region Main-Rhön. Über den Alkohol-Missbrauch von Minderjährigen werde kaum gesprochen. Dabei gibt es derzeit rund 200 000 alkoholabhängige Jugendliche in Deutschland. "Und der Einstieg in eine Drogen-Karriere erfolgt in der Regel über die legalen Suchtmittel wie zum Beispiel den Alkohol."


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