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Freitag, 28. April 2000
Die Zahl der Patienten hat an der Psychiatrischen Universitätsklinik
Zürich im vergangenen Jahr weiter zugenommen, wobei sich durch
Verstärkung des ambulanten und des teilstationären Angebots die
durchschnittlichen Aufenthaltszeiten verringert haben. Wie an der
Jahrespressekonferenz zu erfahren war, wird in Zürich demnächst ein
Tageszentrum für Drogenrehabilitation sowie ein
Kriseninterventionszentrum mit einem niederschwelligen
Betreuungsangebot eröffnet.
urs. Mit 2205 aufgenommenen Patienten hat die Psychiatrische
Universitätsklinik Zürich (PUK) 1999 im stationären Bereich eine
Höchstmarke erreicht, die die Zahl des Vorjahres um rund 300 Eintritte
überstieg. Gleichzeitig sank durch die Verstärkung der ambulanten
Behandlungen die durchschnittliche Aufenthaltszeit auf knapp 42 Tage (1995
hatte sie noch 56 Tage betragen). Wie Daniel Hell, der Ärztliche Direktor der
PUK, am Donnerstag in deren Stammklinik Burghölzli ausführte, ist der
markante Anstieg der Behandlungen in den neunziger Jahren einerseits damit
zu erklären, dass verschiedene gesellschaftliche Veränderungen die
Verunsicherung vieler Menschen gesteigert haben. Andererseits sei die
Schwellenangst vor psychiatrischen Institutionen gesunken, was sich unter
anderem darin zeige, dass drei von vier stationären Patienten die fachliche
Hilfe aus eigenem Antrieb suchten.
Die Tendenz, die Patienten früh in die ambulante Behandlung überzuführen,
erfordert gemäss Hell einen Ausbau des teilstationären Bereichs sowie eine
vernetztes, gemeindenahes Angebot, wie es das 1998 in Kraft getretene
kantonale Psychiatriekonzept vorsieht. Im Mai wird die PUK an der
Heliosstrasse, unmittelbar neben dem Gerontopsychiatrischen Zentrum
Hegibach, ein neues Zentrum Ost mit einem ambulanten Angebot und einem
Tageszentrum für Patienten des Sektors Ost (Stadtkreise rechts der Limmat
und Kreis 4) eröffnen. Kurz vor der Einführung stehen zudem in Zürich zwei
neue Spezialangebote des Sektors West. Am 1. August wird an der
Militärstrasse 8 das Kriseninterventionszentrum Zürich (KIZ) eröffnet, das ein
niederschwelliges Beratungs- und Betreuungsangebot für Menschen in
seelischen Krisen führen wird. Ebenfalls auf August geplant ist die Eröffnung
einer Tagesklinik für Drogenrehabilitation an der Gartenhofstrasse 15, wobei
nach einem System von Wahlmodulen intensive Kurztherapien für rund 18
Patienten angeboten werden.
Stationäres Angebot für Spielsüchtige
Eine andere Suchtform, die in nächster Zeit mit der Eröffnung weiterer
Spielbanken vermehrt ins Zentrum des öffentlichen Interesses rücken dürfte,
ist die Spielsucht. Vor diesem Hintergrund hat die PUK in einer offenen
Akutstation neu ein stationäres Angebot mit ein- bis dreimonatigen
Entzugsprogrammen für spielsüchtige Patienten gestartet. Im Bereich der
Forschung hat 1999, am Ende der internationalen «Dekade des Gehirns», die
Abteilung für psychiatrische Forschung ihre Tätigkeit mit dem neu gewählten
Direktor Roger Nitsch aufgenommen. Hierbei konzentriert man sich gemäss
den Ausführungen von Nitsch auf die Erforschung von Demenzerkrankungen,
insbesondere der Alzheimerkrankheit, von der in der Schweiz bereits rund
70 000 Menschen betroffen sind. 1999 wurden in der PUK rund 150
Alzheimerpatienten stationär behandelt; gegenwärtig kommen wöchentlich bis
zu zehn neue Patienten hinzu, die meist ambulant versorgt werden. In der
Kombination aus molekular- und neurobiologischer sowie klinischer
Forschung arbeitet man laut Nitsch gegenwärtig an einer verbesserten
Frühdiagnostik.
Vor der Einführung des Globalbudgets
Wie der Kaufmännische Leiter Reto Jeger ausführte, kann die PUK
betriebswirtschaftlich auf ein erfreuliches Jahr 1999 zurückblicken. Bei einem
Aufwand von 87,7 Millionen Franken und einem Ertrag von 52,9 Millionen
konnte der Staatsbeitrag im Vergleich zum Vorjahr um 0,3 Millionen Franken
auf 34,9 Millionen Franken gesenkt werden. Ab dem Jahr 2001 wird für die
psychiatrischen Kliniken im Kanton Zürich das Globalbudget eingeführt, das
die bisherige reine Defizitabgeltung durch eine Verrechnung der konkret
erbrachten Leistungen ersetzen wird. Per sofort in Kraft ist im
organisatorischen Bereich ein neues partizipatives Führungsmodell.
Besorgt bezüglich der Situation des psychiatrischen Pflegepersonals im
Kanton zeigte sich Manfred Affolter, Leiter der Abteilung Pflege. Obwohl die
PUK in mancher Beziehung, beispielsweise bei der Flexibilität der Arbeitszeit,
ein sehr fortschrittlicher Arbeitgeber sei, werde es auch für sie immer
schwieriger, Personal zu finden. Die Sofortmassnahmen, die die Regierung im
letzten Jahr beschlossen habe, seien zwar ein Anfang, doch müsse die
Lohnklage des Pflegepersonals dringend weiter bearbeitet und für die
Anerkennung der Pflegeberufe in der Öffentlichkeit noch viel getan werden.
Für den angekündigten Proteststreik des Pflegepersonals zeigt die PUK
gemäss Verwaltungsdirektor Kurt Trösch weiterhin Verständnis, solange es
sich mit den Vorgesetzten absprechen wird.