Bad Oeynhausen. Mit Schwung schüttet Peter
Schumacher den Inhalt des großen Beutels auf den
Tisch. Leere Zigarrettenschachteln, Bierdosen, ein
Kartenspiel, Lottoscheine und Schokolade liegen
quer über den Tisch verstreut.
Der Kriminalkommissar beim Kommissariat
Vorbeugung ist mit seinem "Suchtsack" in den
Schulen unterwegs, um Aufklärung zu leisten.
Aufklärung über Sucht, über Problem- und
Konfliktbewältigung und über die Ursachen.
"Die Aufklärung ist der wichtige erste Schritt", meint
Peter Schumacher, "denn wir wollen keine
Panikmache". Seit drei Jahren ist der "Fachmann"
kreisweit an weiterführenden Schulen unterwegs.
"Unser Programm ist auf die fünften Klassen
zugeschnitten", erklärt er. Er plädiert ganz klar
dafür, das Thema langfristig im Unterricht zu
verankern: "Mal ein Tag zwischendurch bringt nicht
viel". Wichtig sind für die Suchtprävention die
Klassen fünf bis acht, "nach der achten Klasse
haben sich die Wege ergeben, da nützt es nichts
mehr", weiß er.
Die Schüler in den Schulen haben die Aufgabe, die
Gegenstände, die Schumacher aus seinem Beutel
geschüttet hat, zu ordnen. Von welchen Dingen
geht mehr Suchtgefahr aus, als von anderen? "Die
Schüler denken oft, Sucht, das bezeichne nur
illegale Drogen", weiß Peter Schumacher aus
Erfahrung. Deshalb lässt er die Schüler die
Gegenstände einordnen. Auf einer Skala von
"machen schnell abhängig" bis hin zu "sind
ungefährlich".
Erarbeitet wird mit den Jugendlichen auch die
Ursache für süchtiges Verhalten. "Außenseiter,
Gruppenzwang, Angeberei oder desolate
Familienverhältnisse". Der "Polizist ohne Uniform"
zählt nur einige der zahlreichen Gründe auf, warum
Kinder zu Tabak, Alkohol oder auch Kokain greifen.
"Mein Ziel ist es, süchtiges Verhalten bewusst zu
machen", informiert Peter Schumacher. Und vor
allem deutlich zu machen, dass Drogen keine
Probleme lösten.
Bei allen Projekten die Peter Schumacher im
Rahmen der Suchtprävention an den Schulen
durchführt, steht die Kooperation mit Lehrern und
Eltern an erster Stelle. "Für die Eltern ist wichtig zu
wissen, welche Drogen es gibt, wie man den
Konsum erkennen kann und welche
Einflussmöglichkeiten sie haben", erläutert er.
Schließlich soll auch das Elternhaus sicherer
werden, soll Süchte erkennen lernen.
Der letzte wichtige Punkt im Konzept von Peter
Schumacher und seinen Kollegen ist die Problem-
und Konfliktbewältigung. "Unser Ziel ist die
Persönlichkeitsstärkung, Steigerung des
Selbstwertgefühls und das Bewusstmachen eigener
Stärken". Probleme gehörten zum Leben dazu und
sollten nicht über den Alkohol, sondern durch das
Gespräch mit anderen gelöst werden, versucht er
den Jugendlichen mit auf den Weg zu geben.
"Wir wollen mit unserer Aufklärung keine
Abstinenzler produzieren, denn was wäre ein gutes
Essen ohne ein Glas Wein", beruhigt Schumacher
und fängt an, den Lottoschein, die leere Bierdose
und den Rest wieder in seinen "Suchtsack" zu
packen. Spätestens jetzt wissen die Schüler, dass
nicht nur die "harten illegalen" Drogen, wie Heroin,
Kokain oder die Modeerscheinung "Schnüffeln"
süchtig machen, sondern dass es auch die
Spielsucht oder den "Workaholic" gibt, und das
sogar der Sportverein eine - wenn auch völlig
ungefährliche - Sucht werden kann.
´Peter Schumacher ist zu erreichen unter der
Telefonnummer (0 57 31) 13 16 02.