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Mit dem Suchtsack auf Reisen
Medium: Neue Westfälische
Datum: 02. 05. 2000
Bad Oeynhausen. Mit Schwung schüttet Peter Schumacher den Inhalt des großen Beutels auf den Tisch. Leere Zigarrettenschachteln, Bierdosen, ein Kartenspiel, Lottoscheine und Schokolade liegen quer über den Tisch verstreut. Der Kriminalkommissar beim Kommissariat Vorbeugung ist mit seinem "Suchtsack" in den Schulen unterwegs, um Aufklärung zu leisten. Aufklärung über Sucht, über Problem- und Konfliktbewältigung und über die Ursachen.

"Die Aufklärung ist der wichtige erste Schritt", meint Peter Schumacher, "denn wir wollen keine Panikmache". Seit drei Jahren ist der "Fachmann" kreisweit an weiterführenden Schulen unterwegs. "Unser Programm ist auf die fünften Klassen zugeschnitten", erklärt er. Er plädiert ganz klar dafür, das Thema langfristig im Unterricht zu verankern: "Mal ein Tag zwischendurch bringt nicht viel". Wichtig sind für die Suchtprävention die Klassen fünf bis acht, "nach der achten Klasse haben sich die Wege ergeben, da nützt es nichts mehr", weiß er.

Die Schüler in den Schulen haben die Aufgabe, die Gegenstände, die Schumacher aus seinem Beutel geschüttet hat, zu ordnen. Von welchen Dingen geht mehr Suchtgefahr aus, als von anderen? "Die Schüler denken oft, Sucht, das bezeichne nur illegale Drogen", weiß Peter Schumacher aus Erfahrung. Deshalb lässt er die Schüler die Gegenstände einordnen. Auf einer Skala von "machen schnell abhängig" bis hin zu "sind ungefährlich".

Erarbeitet wird mit den Jugendlichen auch die Ursache für süchtiges Verhalten. "Außenseiter, Gruppenzwang, Angeberei oder desolate Familienverhältnisse". Der "Polizist ohne Uniform" zählt nur einige der zahlreichen Gründe auf, warum Kinder zu Tabak, Alkohol oder auch Kokain greifen. "Mein Ziel ist es, süchtiges Verhalten bewusst zu machen", informiert Peter Schumacher. Und vor allem deutlich zu machen, dass Drogen keine Probleme lösten.

Bei allen Projekten die Peter Schumacher im Rahmen der Suchtprävention an den Schulen durchführt, steht die Kooperation mit Lehrern und Eltern an erster Stelle. "Für die Eltern ist wichtig zu wissen, welche Drogen es gibt, wie man den Konsum erkennen kann und welche Einflussmöglichkeiten sie haben", erläutert er. Schließlich soll auch das Elternhaus sicherer werden, soll Süchte erkennen lernen.

Der letzte wichtige Punkt im Konzept von Peter Schumacher und seinen Kollegen ist die Problem- und Konfliktbewältigung. "Unser Ziel ist die Persönlichkeitsstärkung, Steigerung des Selbstwertgefühls und das Bewusstmachen eigener Stärken". Probleme gehörten zum Leben dazu und sollten nicht über den Alkohol, sondern durch das Gespräch mit anderen gelöst werden, versucht er den Jugendlichen mit auf den Weg zu geben.

"Wir wollen mit unserer Aufklärung keine Abstinenzler produzieren, denn was wäre ein gutes Essen ohne ein Glas Wein", beruhigt Schumacher und fängt an, den Lottoschein, die leere Bierdose und den Rest wieder in seinen "Suchtsack" zu packen. Spätestens jetzt wissen die Schüler, dass nicht nur die "harten illegalen" Drogen, wie Heroin, Kokain oder die Modeerscheinung "Schnüffeln" süchtig machen, sondern dass es auch die Spielsucht oder den "Workaholic" gibt, und das sogar der Sportverein eine - wenn auch völlig ungefährliche - Sucht werden kann.

´Peter Schumacher ist zu erreichen unter der Telefonnummer (0 57 31) 13 16 02.


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