ZÜRICH - Jetzt ist Schluss mit dem faktischen
Lottomonopol der Kantone. Zehn Umwelt- und
Entwicklungsorganisationen wollen ab nächstem
Jahr den Lotterie-Markt Schweiz aufmischen.
Unter dem Motto «Spielen - Helfen - Gewinnen»
können spielfreudige Schweizerinnen und Schweizer sich auf eine persönliche
Glückszahl abonnieren. Die Lotterie soll mehrere Dutzend Millionen Franken in
die Kassen der Hilfswerke spülen. Die Hälfte des angepeilten Umsatzes, 50 von
100 Millionen Franken, wird als Gewinn ausgeschüttet.
Die Kantone profitieren am meisten vom faktischen Lottomonopol
Am 25. April erhielt der «Trägerverein Lotterie und Entwicklung» von der
Zürcher Polizeidirektorin endlich das Papier, für das der Verein Jahre gekämpft
hatte: die Bewilligung für eine gemeinnützige Lotterie. Dem Trägerverein sind
zehn Umwelt- und Entwicklungsorganisationen angeschlossen. Es sind dies Brot
für alle, Caritas Schweiz, Fastenopfer, Helvetas, Swissaid, Naturfreunde
Schweiz, Pro Natura, Schweizerische Gesellschaft für Umweltschutz,
Verkehrsclub der Schweiz und der WWF Schweiz. Präsidiert wird der Verein von
Alt-Nationalrat Hans R. Nebiker.
Der Bewilligung war ein mehrjähriger Rechtsstreit vorausgegangen. Sowohl die
Kantone Bern als auch die Waadt hatten das Ansinnen der zehn
Organisationen, via Lotterie Geld zu sammeln, abgewiesen. Das Zürcher
Verwaltungsgericht und das Bundesgericht pfiffen aber die Regierungen wieder
zurück. Das staatliche Lotteriemonopol verstosse gegen die Handels- und
Gewerbefreiheit, befand das höchste Schweizer Gericht.
Es waren denn auch handfeste finanzielle Interessen, die die Kantone
veranlasst hatten, den Verein vorerst abzuwimmeln. Die Stände profitieren
nämlich am meisten vom Lottomonopol. 1998 brachten Zahlenlotto und
Sport-Toto ihnen 212,6 Millionen Franken ein. Das Geld kommt gemeinnützigen
Projekten, dem Sport und der Kultur zugute - Konkurrenz auf dem Lottomarkt ist
bei diesem Geldsegen natürlich unerwünscht. Noch im März versuchte die
Aargauer Regierung, das Lottomonopol in der Verfassung zu verankern, fiel
damit aber beim Parlament bös durch.
Rechtskräftig ist die Zürcher Bewilligung allerdings noch nicht. «Sie ist an
verschiedene Auflagen geknüpft», sagt Regine Sauter, Pressesprecherin der
Zürcher Polizeidirektion. Unter anderem müsse der Regierungsrat das
endgültige Spielreglement genehmigen, bevor mit der Lotterie gestartet werden
dürfe. Bis zu diesem Zeitpunkt dürfe die Lotterie auch nicht beworben werden.
Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass mit dem Projekt Lotterie Umwelt und
Entwicklung der Gesellschaft Schweizer Zahlenlotto erstmals ernsthafte
Konkurrenz erwächst. Der Trägerverein hat bereits angekündigt, dass er eine
nationale Lotterie veranstalten will, also in allen Kantonen. Für die anderen
Kantone wird der positive Entscheid aus Zürich Signalwirkung haben,
abschlägige Bescheide sind jetzt kaum mehr begründbar.
In Bern und Luzern sind entsprechende Gesuche bereits seit längerer Zeit
hängig. Beim Bundesamt für Polizeiwesen (BAP) erwartet man, dass jetzt auch
andere Lotterieveranstalter in den lukrativen Lottomarkt vordringen wollen.
«Auch ausländische Interessenten beobachten den Schweizer Markt genau»,
sagt ein BAP-Beamter. Die Lotto-Einsätze haben sich in den letzten zehn Jahren
verdoppelt und liegen gemäss neuster Statistik (1998) bei 1,223 Milliarden
Franken - Tendenz weiter steigend.
Als Hauptgewinne sind höchstens sechsstellige Beträge vorgesehen
Das System, mit dem der Trägerverein in den Markt drängen will, wird in Holland
seit Jahren erfolgreich praktiziert und erzielt dort Umsätze von mehreren
Hundert Millionen Franken. Man abonniert sich auf eine oder mehrere
persönliche Glücksnummern. Eine Nummer soll pro Monat um die 15 Franken
kosten. Die Einsätze sind nach oben beschränkt; jeder Spieler wird nur drei,
höchstens vier Glückszahlen halten können. Damit erfüllen die Initianten eine
der wichtigsten Auflagen, nämlich den Schutz des Konsumenten vor Spielsucht.
Einmal dabei, muss sich der Spieler um seinen Einsatz nicht mehr kümmern;
dieser wird jeden Monat direkt vom Konto abgebucht. Anders als das
Zahlenlotto wollen die Hilfswerke aber keine Millionäre machen, als
Hauptgewinne sind höchstens sechsstellige Beträge vorgesehen. Beim
Trägerverein in Basel wollte man die Recherchen der SonntagsZeitung auf
Anfrage vorerst nicht bestätigen.
Wie viel der Verein mit dem holländischen Modell umsetzen will, hat er schon vor
fünf Jahren kommuniziert, nämlich rund 100 Millionen Franken. Davon gehen 30
Millionen in Hilfs- und Entwicklungsprojekte, die Hälfte, also 50 Millionen, sollen
als Gewinn ausgeschüttet werden. Zum Vergleich: Beim Zahlenlotto fliessen 53
Prozent des Umsatzes an die Spieler zurück.