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Lottospielen für die Umwelt - Zehn Umwelt- und Entwicklungsorganisationen wollen das Lottomonopol der Kantone knacken
Medium: Sonntags-Zeitung
Datum: 30. 04. 2000
ZÜRICH - Jetzt ist Schluss mit dem faktischen Lottomonopol der Kantone. Zehn Umwelt- und Entwicklungsorganisationen wollen ab nächstem Jahr den Lotterie-Markt Schweiz aufmischen. Unter dem Motto «Spielen - Helfen - Gewinnen» können spielfreudige Schweizerinnen und Schweizer sich auf eine persönliche Glückszahl abonnieren. Die Lotterie soll mehrere Dutzend Millionen Franken in die Kassen der Hilfswerke spülen. Die Hälfte des angepeilten Umsatzes, 50 von 100 Millionen Franken, wird als Gewinn ausgeschüttet.

Die Kantone profitieren am meisten vom faktischen Lottomonopol

Am 25. April erhielt der «Trägerverein Lotterie und Entwicklung» von der Zürcher Polizeidirektorin endlich das Papier, für das der Verein Jahre gekämpft hatte: die Bewilligung für eine gemeinnützige Lotterie. Dem Trägerverein sind zehn Umwelt- und Entwicklungsorganisationen angeschlossen. Es sind dies Brot für alle, Caritas Schweiz, Fastenopfer, Helvetas, Swissaid, Naturfreunde Schweiz, Pro Natura, Schweizerische Gesellschaft für Umweltschutz, Verkehrsclub der Schweiz und der WWF Schweiz. Präsidiert wird der Verein von Alt-Nationalrat Hans R. Nebiker. Der Bewilligung war ein mehrjähriger Rechtsstreit vorausgegangen. Sowohl die Kantone Bern als auch die Waadt hatten das Ansinnen der zehn Organisationen, via Lotterie Geld zu sammeln, abgewiesen. Das Zürcher Verwaltungsgericht und das Bundesgericht pfiffen aber die Regierungen wieder zurück. Das staatliche Lotteriemonopol verstosse gegen die Handels- und Gewerbefreiheit, befand das höchste Schweizer Gericht. Es waren denn auch handfeste finanzielle Interessen, die die Kantone veranlasst hatten, den Verein vorerst abzuwimmeln. Die Stände profitieren nämlich am meisten vom Lottomonopol. 1998 brachten Zahlenlotto und Sport-Toto ihnen 212,6 Millionen Franken ein. Das Geld kommt gemeinnützigen Projekten, dem Sport und der Kultur zugute - Konkurrenz auf dem Lottomarkt ist bei diesem Geldsegen natürlich unerwünscht. Noch im März versuchte die Aargauer Regierung, das Lottomonopol in der Verfassung zu verankern, fiel damit aber beim Parlament bös durch. Rechtskräftig ist die Zürcher Bewilligung allerdings noch nicht. «Sie ist an verschiedene Auflagen geknüpft», sagt Regine Sauter, Pressesprecherin der Zürcher Polizeidirektion. Unter anderem müsse der Regierungsrat das endgültige Spielreglement genehmigen, bevor mit der Lotterie gestartet werden dürfe. Bis zu diesem Zeitpunkt dürfe die Lotterie auch nicht beworben werden. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass mit dem Projekt Lotterie Umwelt und Entwicklung der Gesellschaft Schweizer Zahlenlotto erstmals ernsthafte Konkurrenz erwächst. Der Trägerverein hat bereits angekündigt, dass er eine nationale Lotterie veranstalten will, also in allen Kantonen. Für die anderen Kantone wird der positive Entscheid aus Zürich Signalwirkung haben, abschlägige Bescheide sind jetzt kaum mehr begründbar. In Bern und Luzern sind entsprechende Gesuche bereits seit längerer Zeit hängig. Beim Bundesamt für Polizeiwesen (BAP) erwartet man, dass jetzt auch andere Lotterieveranstalter in den lukrativen Lottomarkt vordringen wollen. «Auch ausländische Interessenten beobachten den Schweizer Markt genau», sagt ein BAP-Beamter. Die Lotto-Einsätze haben sich in den letzten zehn Jahren verdoppelt und liegen gemäss neuster Statistik (1998) bei 1,223 Milliarden Franken - Tendenz weiter steigend.

Als Hauptgewinne sind höchstens sechsstellige Beträge vorgesehen

Das System, mit dem der Trägerverein in den Markt drängen will, wird in Holland seit Jahren erfolgreich praktiziert und erzielt dort Umsätze von mehreren Hundert Millionen Franken. Man abonniert sich auf eine oder mehrere persönliche Glücksnummern. Eine Nummer soll pro Monat um die 15 Franken kosten. Die Einsätze sind nach oben beschränkt; jeder Spieler wird nur drei, höchstens vier Glückszahlen halten können. Damit erfüllen die Initianten eine der wichtigsten Auflagen, nämlich den Schutz des Konsumenten vor Spielsucht. Einmal dabei, muss sich der Spieler um seinen Einsatz nicht mehr kümmern; dieser wird jeden Monat direkt vom Konto abgebucht. Anders als das Zahlenlotto wollen die Hilfswerke aber keine Millionäre machen, als Hauptgewinne sind höchstens sechsstellige Beträge vorgesehen. Beim Trägerverein in Basel wollte man die Recherchen der SonntagsZeitung auf Anfrage vorerst nicht bestätigen. Wie viel der Verein mit dem holländischen Modell umsetzen will, hat er schon vor fünf Jahren kommuniziert, nämlich rund 100 Millionen Franken. Davon gehen 30 Millionen in Hilfs- und Entwicklungsprojekte, die Hälfte, also 50 Millionen, sollen als Gewinn ausgeschüttet werden. Zum Vergleich: Beim Zahlenlotto fliessen 53 Prozent des Umsatzes an die Spieler zurück.


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