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Glücksspiel für Gutmenschen
Medium: Aargauer Zeitung
Datum: 03. 05. 2000
Fundraising per Lottoschein: Zehn Umwelt- und Entwicklungsorganisationen wollen das Lottomonopol der Kantone knacken und in den Lottomarkt einsteigen. Jährlich sollen so 80 Millionen Franken zusammenkommen.

Martin Stutz

Dass das Lottogeschäft ein sehr rentables ist, sieht man nur schon am Widerstand der Kantone, ihr diesbezügliches Monopol aufzugeben. Seit gut 5 Jahren versucht der Trägerverein "Lotterie Umwelt und Entwicklung", per Glücksspiel Geld zu sammeln. Entsprechende Gesuche blitzen jedoch in den Kantonen Bern, Waadt und zunächst auch in Zürich ab. Und im Aargau versuchte die Regierung noch im März, sich diese Einnahmequelle per Verfassungsartikel zu sichern, hatte damit beim Parlament jedoch keine Chance. Nun scheint das Monopol aber ohnehin zu fallen: Denn Bundesgericht und Zürcher Verwaltungsgericht befanden, das staatliche Lottomonopol verstosse gegen Handels- und Gewerbefreiheit. Am 25. April erteilte die Zürcher Polizeidirektorin Rita Fuhrer schliesslich die Bewilligung für Lotterie "Umwelt und Entwicklung". Schon Anfang nächstes Jahr soll das erste Los verkauft werden.

Spielend helfen

Obwohl der Zürcher Entscheid noch nicht rechtskräftig ist, dürfte er doch Signalwirkung für die ganze Schweiz haben. Der Trägerverein hat bereits angekündigt, die Spiellizenzen bei den andern Kantonen zu beantragen und wird damit nun wohl auch durchkommen. Und die Initianten sind optimistisch: "Gemäss konservativen Schätzungen werden für die erste Ziehung 60 000 Lose verkauft sein", sagt Lotterie-Projektleiter Dieter Bartsch. Davon erhofft man sich 10 Millionen Franken Einnahmen fürs erste Jahr. Bereits im vierten Jahr sollen 80 Millionen Franken in die Kassen des Trägervereins fliessen. Die Hälfte davon will man als Lottogewinn den Teilnehmern überlassen. Zum Vergleich: Beim herkömmlichen Zahlenlotto gehen 53 Prozent an die Spieler zurück. 30 Prozent der Einnahmen fliessen in Umwelt- und Entwicklungsprojekte, wobei mit dem überwiegenden Teil der Gelder Vorhaben der Mitgliedorganisationen unterstützt werden sollen. Gespielt wird nach dem Vorbild der holländischen "Postcode Loterij" (siehe nebenstehenden Artikel). Aus den in Holland gemachten Erfahrungen schliessen die Initianten, dass die Umwelt- und Entwicklungslotterie die bestehende staatliche Lotterie nicht konkurrenziere. "Vielmehr haben diese Lotterien mit von der Konkurrenz profitiert, weil mit neuen Themen und einem grösseren Spielangebot neue Teilnehmer gewonnen wurden", so Bartsch.

Rein zahlenmässig können die angestrebten 80 Millionen Umsatz tatsächlich kaum mit dem Schweizerischen Zahlenlotto mithalten. Gemäss der Lottostatistik des Bundesamt für Polizeiwesen (BAP) kauften Herr und Frau Schweizer 1998 für rund 1,2 Milliarden Franken Lottoscheine, pro Kopf 172 Franken und doppelt so viel wie noch 1988. Trotz eines leichten Rückgangs im Vergleich zu 1997 sind sich die Experten einig: Der Lottomarkt Schweiz hat noch Potenzial. Fällt das Monopol der Kantone tatsächlich, ist nicht auszuschliessen, dass weitere Lotterie-Anbieter aufs Parkett treten werden. "Auch ausländische Interessenten beobachten den Schweizer Markt genau", zitiert die "Sonntags-Zeitung" einen BAP-Beamten.


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