Fundraising per Lottoschein: Zehn Umwelt- und
Entwicklungsorganisationen wollen das Lottomonopol der Kantone
knacken und in den Lottomarkt einsteigen. Jährlich sollen so 80
Millionen Franken zusammenkommen.
Martin Stutz
Dass das Lottogeschäft ein sehr rentables ist, sieht man nur schon am
Widerstand der Kantone, ihr diesbezügliches Monopol aufzugeben. Seit gut 5
Jahren versucht der Trägerverein "Lotterie Umwelt und Entwicklung", per
Glücksspiel Geld zu sammeln. Entsprechende Gesuche blitzen jedoch in den
Kantonen Bern, Waadt und zunächst auch in Zürich ab. Und im Aargau versuchte
die Regierung noch im März, sich diese Einnahmequelle per Verfassungsartikel zu
sichern, hatte damit beim Parlament jedoch keine Chance. Nun scheint das
Monopol aber ohnehin zu fallen: Denn Bundesgericht und Zürcher
Verwaltungsgericht befanden, das staatliche Lottomonopol verstosse gegen
Handels- und Gewerbefreiheit. Am 25. April erteilte die Zürcher Polizeidirektorin
Rita Fuhrer schliesslich die Bewilligung für Lotterie "Umwelt und Entwicklung".
Schon Anfang nächstes Jahr soll das erste Los verkauft werden.
Spielend helfen
Obwohl der Zürcher Entscheid noch nicht rechtskräftig ist, dürfte er doch
Signalwirkung für die ganze Schweiz haben. Der Trägerverein hat bereits
angekündigt, die Spiellizenzen bei den andern Kantonen zu beantragen und
wird damit nun wohl auch durchkommen. Und die Initianten sind
optimistisch: "Gemäss konservativen Schätzungen werden für die erste
Ziehung 60 000 Lose verkauft sein", sagt Lotterie-Projektleiter Dieter
Bartsch. Davon erhofft man sich 10 Millionen Franken Einnahmen fürs erste
Jahr. Bereits im vierten Jahr sollen 80 Millionen Franken in die Kassen des
Trägervereins fliessen. Die Hälfte davon will man als Lottogewinn den
Teilnehmern überlassen. Zum Vergleich: Beim herkömmlichen Zahlenlotto
gehen 53 Prozent an die Spieler zurück. 30 Prozent der Einnahmen fliessen
in Umwelt- und Entwicklungsprojekte, wobei mit dem überwiegenden Teil
der Gelder Vorhaben der Mitgliedorganisationen unterstützt werden sollen.
Gespielt wird nach dem Vorbild der holländischen "Postcode Loterij" (siehe
nebenstehenden Artikel). Aus den in Holland gemachten Erfahrungen
schliessen die Initianten, dass die Umwelt- und Entwicklungslotterie die
bestehende staatliche Lotterie nicht konkurrenziere. "Vielmehr haben diese
Lotterien mit von der Konkurrenz profitiert, weil mit neuen Themen und
einem grösseren Spielangebot neue Teilnehmer gewonnen wurden", so
Bartsch.
Rein zahlenmässig können die angestrebten 80 Millionen Umsatz tatsächlich
kaum mit dem Schweizerischen Zahlenlotto mithalten. Gemäss der Lottostatistik
des Bundesamt für Polizeiwesen (BAP) kauften Herr und Frau Schweizer 1998 für
rund 1,2 Milliarden Franken Lottoscheine, pro Kopf 172 Franken und doppelt so viel
wie noch 1988. Trotz eines leichten Rückgangs im Vergleich zu 1997 sind sich die
Experten einig: Der Lottomarkt Schweiz hat noch Potenzial. Fällt das Monopol der
Kantone tatsächlich, ist nicht auszuschliessen, dass weitere Lotterie-Anbieter aufs
Parkett treten werden. "Auch ausländische Interessenten beobachten den
Schweizer Markt genau", zitiert die "Sonntags-Zeitung" einen BAP-Beamten.