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Spielbank Hamburg - Wer wird neuer Betreiber?
Medium: Die Welt
Datum: 04. 05. 2000
Die Kugel rollt. Zunächst vor allem hinter den Kulissen der Finanzbehörde. Mit dem Ablauf der Frist für die Bewerbungen um die Konzession zum künftigen Betrieb der Spielbank Hamburg am Dienstagmittag rückt die Entscheidung um die Zukunft der traditionsreichen Einrichtung im Hotel Interconti ein Stück näher. Zahlreiche potenzielle Betreiber haben ihr Interesse angemeldet. Jetzt beginnen die Spekulationen: Wer bekommt die Konzession für das lukrative Spiel mit dem Glück?

Die Konzession musste zum ersten Mal ausgeschrieben werden, weil eine geänderte Gesetzeslage eine einfache Verlängerung nicht mehr zulässt. Damit bekommt die Achterfeld & Jahr KG, die die Spielbank Hamburg seit fast 23 Jahren betreibt, Konkurrenz. Ihre Betriebserlaubnis läuft am 31. Dezember 2002 aus. Anfang 2001 will der Senat über den künftigen Betreiber entscheiden, um Vorlaufzeiten einzuräumen.

48 Interessenten haben die Ausschreibungsunterlagen bei der Finanzbehörde angefordert, wieviele tatsächlich ihre Konzepte eingereicht haben, darüber schweigt die Behörde. "Aus verhandlungstaktischen Gründen", erklärte Sprecherin Renate Mitterhuber. Mit einem bis zwei Dutzend ernsthaften Bewerbungen rechnet Spielbankchef Wilfried Achterfeld, der sich über seine vermeintlichen Konkurrenten ebenfalls ausschweigt.

Die Spekulationen ziehen derweil weite Kreise, in deren Mittelpunkt immer wieder ein Name auftaucht: Charles Grendel. Der Immobilienkaufmann selbst dementiert jedoch entsprechende Gerüchte. "Ich habe so viel zu tun, den Betrieb einer Spielbank will ich mir nicht auch noch zumuten", erklärte er gegenüber der WELT. Er wolle höchstens als Vermieter fungieren, wenn er seine Pläne, auf der neuen Bahrenfelder Trabrennbahn auch einen Erlebnispark zu installieren, tatsächlich realisiert. Nach Informationen der NDR Hamburg-Welle 90,3 hat Grendel aber Kontakte zu einer Bewerber-Gruppe, die die Spielbank-Zentrale in Bahrenfeld ansiedeln will. Diese Gruppe, so der Sender, kann auch mit Casino-Erfahrung aufwarten - sie ist bereits an der Spielbank Baden-Baden beteiligt.

Auch eine dänische Gruppe soll sich um die Hamburger Konzession beworben haben. Unter Insidern kursiert außerdem die Hamburger Unternehmer-Familie Otto als möglicher Interessent. Das Geschäft sei der Familie zu passiv, hieß es in

ersten Kommentaren, ermittelte 90,3. Dennoch trauen Kenner dem Medienunternehmer Frank Otto durchaus Interesse an dem Betrieb einer Spielbank zu. Aber auch für einige der rund 20 bestehenden deutschen Betreibergesellschaften wie der West-Spiel oder der Spielbank Schleswig-Holstein, die bisher vier Standorte betreibt, darunter den lukrativen und hansestadtnahen Glaspalast Schenefeld, ist Hamburg durchaus interessant. Immerhin erwirtschaftet die Spielbank mit ihrer Zentrale im Interconti und den vier Dependancen knapp 120 Millionen Mark im Jahr. Davon kassiert die Finanzbehörde mit mehr als 103 Millionen allerdings den Löwenanteil.

Damit sich das auch in Zukunft nicht ändert, wird der Senat genauestens prüfen, wem er die Konzession für den künftigen Betrieb überlässt. Wirtschaftsprüfer begutachten die Konzepte in den nächsten Wochen nach strengen Kriterien. Spielbankchef Wilfried Achterfeld sieht dem gelassen entgegen: Der Senat weiß, was er an dem bisherigen Betreiber hat. Und der hat schließlich auch noch Trümpfe im Ärmel. Die Kugel rollt - rien ne va plus. Von Deborah Knür.


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