Die Kugel rollt. Zunächst vor allem hinter den Kulissen der
Finanzbehörde. Mit dem Ablauf der Frist für die Bewerbungen um
die Konzession zum künftigen Betrieb der Spielbank Hamburg am
Dienstagmittag rückt die Entscheidung um die Zukunft der
traditionsreichen Einrichtung im Hotel Interconti ein Stück näher.
Zahlreiche potenzielle Betreiber haben ihr Interesse angemeldet.
Jetzt beginnen die Spekulationen: Wer bekommt die Konzession
für das lukrative Spiel mit dem Glück?
Die Konzession musste zum ersten Mal ausgeschrieben werden,
weil eine geänderte Gesetzeslage eine einfache Verlängerung nicht
mehr zulässt. Damit bekommt die Achterfeld & Jahr KG, die die
Spielbank Hamburg seit fast 23 Jahren betreibt, Konkurrenz. Ihre
Betriebserlaubnis läuft am 31. Dezember 2002 aus. Anfang 2001
will der Senat über den künftigen Betreiber entscheiden, um
Vorlaufzeiten einzuräumen.
48 Interessenten haben die Ausschreibungsunterlagen bei der
Finanzbehörde angefordert, wieviele tatsächlich ihre Konzepte
eingereicht haben, darüber schweigt die Behörde. "Aus
verhandlungstaktischen Gründen", erklärte Sprecherin Renate
Mitterhuber. Mit einem bis zwei Dutzend ernsthaften Bewerbungen
rechnet Spielbankchef Wilfried Achterfeld, der sich über seine
vermeintlichen Konkurrenten ebenfalls ausschweigt.
Die Spekulationen ziehen derweil weite Kreise, in deren Mittelpunkt
immer wieder ein Name auftaucht: Charles Grendel. Der
Immobilienkaufmann selbst dementiert jedoch entsprechende
Gerüchte. "Ich habe so viel zu tun, den Betrieb einer Spielbank will
ich mir nicht auch noch zumuten", erklärte er gegenüber der WELT.
Er wolle höchstens als Vermieter fungieren, wenn er seine Pläne,
auf der neuen Bahrenfelder Trabrennbahn auch einen Erlebnispark
zu installieren, tatsächlich realisiert. Nach Informationen der NDR
Hamburg-Welle 90,3 hat Grendel aber Kontakte zu einer
Bewerber-Gruppe, die die Spielbank-Zentrale in Bahrenfeld
ansiedeln will. Diese Gruppe, so der Sender, kann auch mit
Casino-Erfahrung aufwarten - sie ist bereits an der Spielbank
Baden-Baden beteiligt.
Auch eine dänische Gruppe soll sich um die Hamburger
Konzession beworben haben. Unter Insidern kursiert außerdem die
Hamburger Unternehmer-Familie Otto als möglicher Interessent.
Das Geschäft sei der Familie zu passiv, hieß es in
ersten Kommentaren, ermittelte 90,3. Dennoch trauen Kenner dem
Medienunternehmer Frank Otto durchaus Interesse an dem Betrieb
einer Spielbank zu. Aber auch für einige der rund 20 bestehenden
deutschen Betreibergesellschaften wie der West-Spiel oder der
Spielbank Schleswig-Holstein, die bisher vier Standorte betreibt,
darunter den lukrativen und hansestadtnahen Glaspalast
Schenefeld, ist Hamburg durchaus interessant. Immerhin
erwirtschaftet die Spielbank mit ihrer Zentrale im Interconti und den
vier Dependancen knapp 120 Millionen Mark im Jahr. Davon
kassiert die Finanzbehörde mit mehr als 103 Millionen allerdings
den Löwenanteil.
Damit sich das auch in Zukunft nicht ändert, wird der Senat
genauestens prüfen, wem er die Konzession für den künftigen
Betrieb überlässt. Wirtschaftsprüfer begutachten die Konzepte in
den nächsten Wochen nach strengen Kriterien. Spielbankchef
Wilfried Achterfeld sieht dem gelassen entgegen: Der Senat weiß,
was er an dem bisherigen Betreiber hat. Und der hat schließlich
auch noch Trümpfe im Ärmel. Die Kugel rollt - rien ne va plus.
Von Deborah Knür.