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Keine Beweise für illegales Glücksspiel im türkischen Café
Medium: Weser Kurier
Datum: 03. 02. 2003
Courage-Sprecherin Käte Röhling bleibt bei ihrer Darstellung

Von unserem Redakteur Johannes Heeg

Ottersberg. Ist das Café des "Deutsch-türkischen Vereins" an der Großen Straße in Ottersberg eine Glücksspielhöhle oder nicht? Dass Männer in dem Café dem Glücksspiel nachgehen und dort mitunter viel Geld verspielen würden, hatte die Sozialarbeiterin Käte Röhling kürzlich in der öffentlichen Sitzung des Ottersberger Sozialausschusses berichtet. Michael Brennecke, Anwalt von Hasim Ercan, dem Vorsitzenden des Vereins, sagt jedoch: "Derartige Vorwürfe sind völlig haltlos." Röhling arbeitet für den Verein "Courage" in Ottersberg und hat in ihren Sprechstunden mit vielen türkischen Frauen zu tun. "Von denen höre ich in meiner Beratungspraxis immer wieder, dass Männer in diesem Café viel Geld verzocken. Das können schon mal mehrere Tausend Euro in einer einzigen Nacht sein." Während die Ehefrauen dieser Spieler danach nicht mal Geld zum Einkaufen hätten, seien "Berufszocker aus Hannover, Bremen und Hamburg die Gewinner", so Röhling. Sobald diese gegen 23 Uhr in dem Café an der Großen Straße eingetroffen seien, gehe ein Rundruf durch die Gemeinde, "und die Ottersberger Türken kommen", so Röhling. Während Käte Röhling also bei ihrer Darstellung bleibt, moniert Rechtsanwalt Brennecke in einem Brief an unsere Zeitung: "Es ist erstaunlich, dass solche Behauptungen ohne vernünftige Recherche oder Überprüfung ungefiltert veröffentlicht werden." Fakt sei, dass die Staatsanwaltschaft Verden aufgrund einer Anzeige gegen den Deutsch-türkischen Verein ermittelt habe. "Die Ermittlungen haben jedoch nicht einmal ansatzweise Tatsachen zu Tage befördert, die derartige Behauptungen bestätigen", so Brennecke. Das Strafverfahren sei vor einigen Tagen aus Mangel an Beweisen eingestellt worden. Eine Nachfrage bei der zuständigen Kripo in Verden ergab: Die Polizei sei mehrfach Hinweisen nachgegangen, wonach in mehreren deutsch-türkischen Vereinen in den Landkreisen Verden und Rotenburg illegales Glücksspiel betrieben werde. Bei einer Durchsuchung des Schankraums des Ottersberger Vereins und einer Wohnung im Dezember 2002 seien aber keine Beweise wie etwa Schuldnerlisten oder Ähnliches gefunden worden. Leider sei es so, dass diesbezügliche Hinweise bei der Polizei stets anonym eingingen. "Wenn sich die betroffenen Frauen vertrauensvoll an die Polizei wenden würden, hätten wir bessere Aussichten", so der Polizist. Dass in Gaststätten, oft genug auch in deutschen, Glücksspiel betrieben werde, sei "nicht unüblich", berichtet der Beamte aus dem Zentralen Kriminaldienst.


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