Hilfe für Spielsüchtige
ata BERLIN. Deutsche Geldspielautomaten garantieren ein
Milliardengeschäft. Mehr als vier Millionen Menschen groß soll die Gemeinde
der gelegentlichen Nutzer sein. Zehntausende verfallen der Spielsucht, räumt
der Verband der Automatenindustrie ein. Er schätzt die Zahl der Abhängigen
in Deutschland auf rund 30 000. Doch die Branche wälzt seit Jahren ihre
Verantwortung ab, bemängeln Kritiker.
Immerhin ist die Automatenwirtschaft seit 1989 gesetzlich in der Pflicht, auf
ihren Geräten Hinweise zum Jugendschutz und zur Spielsucht zu geben. "Die
Umsetzung erfolgt schleppend", bemängelt Ilona Füchtenschnieder,
Vorsitzende des Fachverbandes Glücksspielsucht. Erst mit Verspätung
hätten die Branchenorganisationen eine Telefon-Service-Nummer eingerichtet,
unter der Anrufer Informationsmaterial über mögliche Gefahren ihrer
Leidenschaft anfordern konnten. Etwa 4500 Informationsanfragen sind von
1994 bis Ende 1999 dort aufgelaufen - im Schnitt 60 pro Monat. "Um ihre
gesellschaftliche Verantwortung" zu zeigen, will die Branche gemeinsam mit
der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von der nächsten Woche
an ein Infotelefon schalten, an dem sich Interessierte auch anonym beraten
lassen können. Erwartet werden 50 bis 100 Anrufe pro Monat. "Wir sind froh,
dass eine starke staatliche Organisation dahinter steht", freut sich Paul
Gauselmann vom Verband der Deutschen Automaten-Industrie. Geld für
Berater will Gauselmann nicht locker machen.
Die Helfer und Helferinnen werden montags bis donnerstags von zehn bis
22.00 Uhr und freitags bis sonntags von zehn bis 18.00 Uhr unter der Nummer
01801/37 27 00 zu erreichen sein. Die Bundeszentrale geht davon aus, dass
keine neuen Kosten auf sie zukommen. Die Verbände hätten sich immerhin
verpflichtet, die Telefonrechnung zu übernehmen.
Ein Täuschungsmanöver der Branchenlobbyisten sieht Füchtenschnieder in
dem neuen Angebot: "Die hängen sich da was um". Wenn das Konzept
aufgehen solle, müssten die Angehörigen der Spieler angesprochen werden.
"Der Erstkontakt erfolgt in der Regel über diese Schiene." Es reiche nicht,
dass die Telefonnummer auf den Spielautomaten stehe, sie müsse auch
Ärzten zugänglich gemacht werden. 220 000 Geldspielautomaten sind
hierzulande aufgestellt. 1999 erlösten die Unternehmen 7,2 Milliarden Mark.