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Bundesbehörde und Branchenlobby starten Telefonberatung
Medium: Frankfurter Rundschau
Datum: 10. 05. 2000
Hilfe für Spielsüchtige

ata BERLIN. Deutsche Geldspielautomaten garantieren ein Milliardengeschäft. Mehr als vier Millionen Menschen groß soll die Gemeinde der gelegentlichen Nutzer sein. Zehntausende verfallen der Spielsucht, räumt der Verband der Automatenindustrie ein. Er schätzt die Zahl der Abhängigen in Deutschland auf rund 30 000. Doch die Branche wälzt seit Jahren ihre Verantwortung ab, bemängeln Kritiker.

Immerhin ist die Automatenwirtschaft seit 1989 gesetzlich in der Pflicht, auf ihren Geräten Hinweise zum Jugendschutz und zur Spielsucht zu geben. "Die Umsetzung erfolgt schleppend", bemängelt Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Fachverbandes Glücksspielsucht. Erst mit Verspätung hätten die Branchenorganisationen eine Telefon-Service-Nummer eingerichtet, unter der Anrufer Informationsmaterial über mögliche Gefahren ihrer Leidenschaft anfordern konnten. Etwa 4500 Informationsanfragen sind von 1994 bis Ende 1999 dort aufgelaufen - im Schnitt 60 pro Monat. "Um ihre gesellschaftliche Verantwortung" zu zeigen, will die Branche gemeinsam mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung von der nächsten Woche an ein Infotelefon schalten, an dem sich Interessierte auch anonym beraten lassen können. Erwartet werden 50 bis 100 Anrufe pro Monat. "Wir sind froh, dass eine starke staatliche Organisation dahinter steht", freut sich Paul Gauselmann vom Verband der Deutschen Automaten-Industrie. Geld für Berater will Gauselmann nicht locker machen.

Die Helfer und Helferinnen werden montags bis donnerstags von zehn bis 22.00 Uhr und freitags bis sonntags von zehn bis 18.00 Uhr unter der Nummer 01801/37 27 00 zu erreichen sein. Die Bundeszentrale geht davon aus, dass keine neuen Kosten auf sie zukommen. Die Verbände hätten sich immerhin verpflichtet, die Telefonrechnung zu übernehmen.

Ein Täuschungsmanöver der Branchenlobbyisten sieht Füchtenschnieder in dem neuen Angebot: "Die hängen sich da was um". Wenn das Konzept aufgehen solle, müssten die Angehörigen der Spieler angesprochen werden. "Der Erstkontakt erfolgt in der Regel über diese Schiene." Es reiche nicht, dass die Telefonnummer auf den Spielautomaten stehe, sie müsse auch Ärzten zugänglich gemacht werden. 220 000 Geldspielautomaten sind hierzulande aufgestellt. 1999 erlösten die Unternehmen 7,2 Milliarden Mark.


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