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Therapie auch für Spielsüchtige
Medium: Weser Kurier
Datum: 19. 02. 2003
Diakonisches Werk bietet als einzige Einrichtung im Kreis ambulante Maßnahme an

Von unserer Redakteurin Gaby Wolf

Osterholz-Scharmbeck. Die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werks in Osterholz-Scharmbeck hat ihr Behandlungsangebot erweitert. Ab sofort bietet sie als bislang einzige Einrichtung im Landkreis Osterholz Therapiegespräche auch für Spielsüchtige an. Hintergrund ist, dass die Landesversicherungsanstalt Hannover (LVA) entschieden hat, bei Spielsucht künftig die Therapie-Kosten zu übernehmen. Fachleute gehen schon seit Jahren davon aus, dass es sich bei Spielsucht oder Medikamentensucht um verwandte Störungen handelt. Die Kostenträger jedoch lehnten die Übernahme der Kosten für eine Therapie bisher ab. "Bislang konnten wir Spielsüchtige daher nur therapieren, wenn bei ihnen auch eine stoffliche Sucht bestand, sie also auch alkohol- oder drogenabhängig waren", berichtet Diplom-Psychologe Gunter Lösel von der Fachstelle für Sucht. Jetzt sieht er die Chance, dass durch den Schritt der LVA, Spielsucht anderen Süchten wie Alkohol- und Medikamentensucht gleichzustellen, auch andere Kostenträger und Krankenkassen mitziehen. "Es sollten auf jeden Fall auch Spielsüchtige, die nicht bei der LVA versichert sind, zu uns kommen", rät Lösel. Möglicherweise könne auch bei den anderen Kostenträgern über eine Übernahme der Therapiekosten verhandelt werden. Die Fachstelle der Diakonie bietet in erster Linie so genannte ambulante Therapien an. Das heißt: Es wird versucht, in Einzelgesprächen die Faktoren, die eine Sucht auslösen, dingfest zu machen. "Es kann zum Beispiel sein, dass jemand nicht konfliktfähig ist und bei Schwierigkeiten immer sofort in den Spielsalon rennt", erläutert Lösel. "Dann versuchen wir natürlich, an dieser Konfliktunfähigkeit anzusetzen." Aber auch Depressionen oder andere Hintergundprobleme könnten zu einer Spielsucht führen. Anderthalb Jahre dauert eine solche ambulante Therapie, die den Betroffenen dabei helfen soll, die Kontrolle über ihr Verhalten wiederzuerlangen. "Wenn wir jedoch das Gefühl haben, dass eine stationäre Therapie die bessere Lösung ist, vermitteln wir die Leute an entsprechende Fachkliniken weiter", sagt Lösel. Wird die ambulante Variante gewählt, setzt die Diakonie gewissermaßen auf einen ganzheitlichen Ansatz. Denn egal ob es das Glückspiel im Casino betrifft, die Roulette-Teilnahme im Internet oder den Spielautomaten an der Wand, der eine Münze nach der anderen frisst – in den meisten Fällen stecken Leute, die der Spielsucht verfallen sind, auch finanziell in der Klemme. Daher wird nicht nur psychotherapeutisch gearbeitet, sondern parallel dazu auch die Schuldnerberatung des Diakonischen Werks eingeschaltet. „Oft haben die Betroffenen gar keinen Überblick mehr darüber, was für Schulden sie haben. Es wird also zunächst gesichtet, wo welche Schulden aufgelaufen sind“, erläutert Lösel. Verfügt der Spielsüchtige über ein regelmäßiges Einkommen, wird ein Teil davon nach einem bestimmten Plan direkt in die Schuldenregulierung gelenkt. Hat er kein Einkommen, wird er dazu motiviert, sich um Arbeit zu bemühen. "Indem wir auch bei der Lösung der Begleitprobleme helfen, versuchen wir den Betroffenen eine langfristige Perspektive zu geben", sagt Lösel. "Ansonsten könnte es schnell zu einem Rückfall kommen." Die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention hat montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr Beratungszeiten eingerichtet. Für eine effektive Beratung empfiehlt es sich jedoch, telefonisch einen festen Termin zu vereinbaren. Erste Ansprechpartner sind hier die Diakonie-Mitarbeiter Gerhard Baierl (04791/806-82) und Marlis Behnken (04791/806-83). Sie treffen die Therapie-Vorbereitungen und klären Kostenfragen.


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