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Die Flaute hat auch den Zockern die Laune verdorben
Medium: Die Welt
Datum: 25. 02. 2003
Der Glamour täuscht: Krisenstimmung in den Casinos Die Spielbank am Potsdamer Platz macht dagegen stabile Umsätze von Hans Evert

Glück gehabt in schlechten Zeiten. Die Zocker haben die Spielbank am Potsdamer Platz nicht im Stich gelassen. Etwa 650 000 kamen 2002, eine stabile Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr. "Wir haben durch unsere exzellente Lage einen Standortvorteil", sagt Spielbank-Sprecher Steffen Stumpf.

Insgesamt steckt das Glücksspielgewerbe in Deutschland aber in der Krise. Der Bruttospielertrag der Casinos - das Geld, das nach Gewinnausschüttung den Spielbanken bleibt - sank 2002 im Vergleich zum Vorjahr um 3,8 Prozent auf knapp eine Mrd. Euro. Die Spielbank am Potsdamer Platz traf es nicht ganz so hart. Der Ertrag ging um 2,5 Prozent auf 78 Mio. Euro zurück. Grundsätzlich gilt aber in Deutschland: Die lahme Konjunktur lässt selbst Spielernaturen vorsichtig werden.

"Zwei Sachen kommen zusammen: die schlechte Wirtschaftslage und die Tatsache, dass wir die Mindesteinsätze gesenkt haben", sagt Klaus Ülker, Geschäftsführer des Spielcasinos Wiesbaden und einer von zwei Sprechern der Deutschen Spielbanken Interessen- und Arbeitsgemeinschaft (Desia). Fünf Mark mussten vor der Euroeinführung mindestens auf den Spieltisch gelegt werden; seit Anfang 2002 sind es nur noch zwei Euro.

Besonders drastisch war der Einbruch beim klassischen Spiel, also bei Roulette, Black Jack und Baccarat. Dort lag das Minus nach Berechnungen der Desia bei zwölf Prozent im Vergleich zu 2001. Etwa 4,1 Millionen Besucher setzten sich 2002 an die Spieltische, 500 000 weniger als 2001.

Neben der schwachen Konjunktur hat die Branche eigene Probleme. So verwalten die Bundesländer das staatliche Glücksspielmonopol, vergeben Konzessionen für neue Spielbanken und kassieren den Großteil der Spielbankeinnahmen (ca. 80 Prozent). Also verteilen die Länder eifrig Konzessionen. Und so machen sich die Spielbanken gegenseitig die Erträge kaputt. "Mittlerweile ist die Marktsättigung erreicht", sagt Matthias Hein, zweiter Sprecher der Desia. Er befürchtet sogar, dass schon bald Casinos schließen müssten. Dazu trägt auch bei, dass jüngere Besucher sich kaum für den Roulettetisch interessieren. Diese Klientel besucht Automatenhallen. Etwa zwei Drittel aller Spielerträge kommen in Deutschland aus dem Automatengeschäft. In diesem Zweig erhoffen sich die deutschen Casinobetreiber deutlichen Zuwachs. Auch ins Internet wollen die landeseigenen Spielbanken die Zocker locken.

Am Potsdamer Platz ist man gelassen und vertraut auf den Standortvorteil. Stumpf: "Wir wollen 2003 wieder deutlich zulegen."


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