Surfen bis der Morgen kommt
Hamburg (dpa). Hektisch klickt sich der junge Mann durch das Internet, seine Augen glänzen vom langen Starren auf den Monitor. Nach einer Nacht vor dem Computer endet die Surf-Tour und draußen bricht der neue Morgen an.
"Immer mehr Menschen tauschen die virtuelle Welt gegen das persönliche Umfeld ein", sagt Rolf Hüllinghorst, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Rund eine Million Deutsche sind nach Expertenschätzung bereits süchtig nach dem "www", Tendenz steigend.
Drogen, Kaufrausch, Glücksspiel die Sucht kennt viele Gesichter. Und alle haben eines gemein. "Die Betroffenen verlieren die Kontrolle über sich und dürsten nach immer mehr", sagt Hüllinghorst.
Ob Mann oder Frau, Teenager oder Mitdreißiger, Schüler oder Geschäftsmann alle sind gefährdet. In vielen Studentenwohnheimen gibt es bereits einen kostenlosen Highspeed-Internetzugang. Damit sinke die Einstiegsschwelle.
"Aber auch auf dem platten Land ist das schnelle Internet mittlerweile verfügbar", berichtet der Geschäftsführer der Hessischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren, Wolfgang Schmidt. Während torkelnde Alkoholiker meist auffallen, fristen Internet-Junkies ein Schattendasein vor dem heimischen PC und unbemerkt von der Öffentlichkeit.
Mediziner wollen den Computer jetzt für einen neuen Therapieansatz nutzen, erklärt der Chef der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren, Olaf Rilke. Statt sich bei einem Psychologen auf die Couch zu legen, sollen die Abhängigen in die Online-Sprechstunde kommen anonym und unverbindlich.