STUTTGART
Spielhallen schießen in der City fast schon wie Pilze aus dem
Boden. Und die Stadt muss einräumen, kaum ein Mittel dagegen
zu haben. Doch Bürgermeister Jürgen Beck wiegelt ab:
¸¸Stuttgart ist noch gut dran.''
VON GERT FACH
Das frühere Café Reinsburg an der Ecke
Marienstraße/Paulinenbrücke wurde zur Spielhalle. Das gleiche
Schicksal soll dem Café Schapmann in der Rotebühlstraße am
Feuersee drohen. Im früheren Lollipop (Schwabenzentrum) wird
gespielt. In einem einst spanischen Lokal an der Eberhardstraße
stehen jetzt Spielautomaten, an der Ecke Olga-/Wilhelmstraße
dasselbe Bild. Im Hauptbahnhof geht es nicht mehr ohne solche
Geräte. In der Lautenschlagerstraße konnte sich eine riesige
Spielhalle ausbreiten. Und im früheren Kinocenter in der
Marienstraße sollen auch Spielgeräte aufgestellt werden. Und
dass der frühere CDU-Stadtrat Walter Weitmann am
Hirschbuckel gute Geschäfte mit dem Glücksspiel macht, ist seit
vielen Jahren ein offenes Geheimnis.
Im Rathaus hat man diese Entwicklung eher abwartend verfolgt.
Doch jetzt wird es der CDU-Fraktion zu viel. Sie forderte von
der Stadtverwaltung einen Bericht über die Lage vor allem in der
Innenstadt und der möglichen Gegenwehr der Stadt. Doch davon
war am Dienstag im Ausschuss für Umwelt und Technik wenig
zu hören. Bürgermeister Jürgen Beck, Referat Umwelt,
Sicherheit und Ordnung, fegte das Thema mit statistischen
Zahlen vom Tisch. Im Bundesdurchschnitt komme eine
Spielhalle auf 4000 Einwohner, in Stuttgart seien es 15000. Die
Landeshauptstadt sei also noch gut dran. Bei der Genehmigung
solcher Etablissements gebe es im Abstimmungsprozess
zwischen Planungs-, Baurechts- und Ordnungsamt auch keine
Probleme, wie die CDU vermutet hatte. Beck: ¸¸Wenn alle
Ämter so reibungslos zusammenarbeiteten wie in diesem
Bereich, wären wir froh.'' Viel mehr Sorgen als um die öffentlich
zugänglichen Spielhallen macht sich Beck um die illegalen
¸¸Zockerclubs'', die sich getarnt als Spielvereine immer mehr
ausbreiteten. Allein in der Altstadt sollen es sechs oder sieben
sein, berichten Kenner der Szene.
Von einer großen Gegenwehr der Stadt kann kaum die Rede
sein. Rudolf Scheithauer, stellvertretender Leiter des
Ordnungsamts, räumte gegenüber unserer Redaktion ein: ¸¸Wir
haben nur einen bescheidenen rechtlichen Spielraum, um die
Massierung abzuwehren.'' Die Stadtverwaltung schöpfe den
Rahmen für diese Abwehrmaßnahmen jedoch voll aus.