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Glücksspiel: Abgründe hinter den Kulissen
Medium: Südkurier
Datum: 15. 04. 2003
Schwarze Kassen, dubiose Steuervergünsti-gungen, nicht ausreichend lizenzierte Spielgeräte und Beihilfe zur Geldwäsche - hinter den glanzvollen Kulissen der Spielcasinos tun sich Abgründe auf, nicht etwa im Wilden Westen, sondern im Land Baden-Württemberg.

Auch wenn die Übernahme der Spielbank Baden-Baden und ihrer Tochter an der Konstanzer Seestraße erst für den 1. August vorgesehen ist - angesichts der Verstöße gegen gesetzlich verordnete Spielregeln ist es verwunderlich, dass das Land die immer noch tätigen Betreiber der Spielbank Baden-Baden und ihre Freunde nicht umgehend vor die Tür setzt. Vor allem das Konstanzer Tochterunternehmen sollte schleunigst aufgemöbelt werden, um angesichts der unaufhaltsam heranwachsenden Konkurrenz in der nahen Schweiz nicht weiter an Boden zu verlieren. Schließlich eröffnet das neue Grand Casino St. Gallen bereits übernächsten Monat.

Was das Zögern angeht: Denkbar ist, dass man in Stuttgart einfach ein schlechtes Gewissen hat. Allzu lange haben die zuständigen Beamten der staatlichen Kontrollbehörden entweder nicht richtig hingeschaut oder zugeschaut und sich in großzügiger Nachsicht geübt. Da kann man jetzt, Vorschriften hin oder her, wohl nicht so hart sein. Möglicherweise hat sich bei manchen staatlichen Kontrolleuren im Laufe der Jahre die fatale Auffassung breit gemacht: Wenn einer schon Geld beim Glücksspiel zum Fenster hinaus werfen will, dann soll er es besser im Land Baden-Württemberg tun - egal ob es ererbtes, gewonnenes, erschwindeltes, schwarz verdientes, aus Drogengeschäften oder der Prostitution stammendes oder gestohlenes Geld ist. Über die staatlich konzessionierten Spielbanken fließen schließlich auf dem Wege der Spielbankabgabe 90 Prozent ans Land. So geschäftstüchtig diese Logik sein mag - fatal ist diese Auffassung deswegen, weil so der Rechtsstaat auf der Strecke bleibt.


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