Untreuer Banker muss ins Gefängnis / Lottospieler und Börsenspekulant
Von Stefan Lyrath
Bückeburg (Ly). Niemand würde verstehen, glaubt Staatsanwalt Rainer Kaul, wenn in der Zeitung stünde: "Eine Million veruntreut - Bewährung." Tut es ja auch nicht. Der Täter muss ins Gefängnis.
Wegen Untreue in 18 Fällen hat das Bückeburger Schöffengericht gestern einen früheren Mitarbeiter der Sparkasse Schaumburg zu zwei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Motiv des 38-Jährigen: "Er wollte sein Ego befriedigen", so Richter Dirk von Behren, der mit seiner Entscheidung drei Monate unter dem Antrag Kauls blieb.
Einerseits habe der Angeklagte durch Aktiengewinne aus privaten Spekulationen an der Börse beeindrucken wollen. Dazu nahm er fremdes Geld. Andererseits wollte der leidenschaftliche Lottospieler, der auch hierbei mit Tausendern nicht geizte, offenbar seine Familie unterstützen. Doch der Volltreffer an der Börse blieb genauso aus wie der Hauptgewinn in der Lotterie - alles verspielt. Anzeichen für Spielsucht gibt es nach einem entsprechenden Gutachten allerdings nicht.
Wie konnte der zwischenzeitlich gefeuerte stellvertretende Leiter einer kleineren Filiale im Raum Bückeburg fast fünf Jahre lang Sparkonten manipulieren? Wie konnte er unentdeckt rund 900 000 Mark sowie etwa 100 000 Euro für eigene Zwecke abheben? Die Antwort gab der Banker selbst: "Bei Kontoauszügen sieht man sofort, wenn etwas nicht stimmt." Er dagegen hatte sich auf Sparkonten spezialisiert.
Dabei wurden gezielt Kunden ausgesucht, die selten ins Haus kamen und sich kaum um ihre Konten kümmerten, ältere Leute zum Beispiel. "Teilweise habe ich auch mit der Schreibmaschine Eintragungen ins Sparbuch gemacht, aber nichts abgebucht", erklärte der 38-Jährige. Der Sparkasse, betonte Richter von Behren, könne man jedenfalls keinen Vorwurf machen. Zu raffiniert sei der Angeklagte vorgegangen. Die Manipulationen seien "so nicht erkennbar gewesen", meinte auch Staatsanwalt Kaul. Den Kontoinhabern entsteht übrigens kein bleibender Schaden. Das Kreditinstitut ist versichert.
Irgendwann flog alles auf, nachdem ein Kunde misstrauisch geworden war und die Innenrevision eingeschaltet wurde. Den untreuen Banker überkam "eine Mischung aus Verzweiflung und Scham, jedoch auch Erleichterung, weil "dieser Horror" endlich vorbei war. An der Aufklärung der Fälle arbeitete er mit. Bis dahin hatte der 38-Jährige ständig Gelder verschoben. Er musste ja "Löcher stopfen, die ich selbst gerissen hatte". Der Druck wuchs. "Wenn ich abends in den Spiegel schaute, dachte ich: Das kannst du nicht gewesen sein."
Heute tut es ihm Leid. "Ich habe Vertrauen missbraucht und kann nur um Verzeihung bitten", sagte der Angeklagte in einem "Geständnis, das von ehrlicher Reue getragen war", so Richter von Behren. Staatsanwalt Kaul sieht in dem 38-Jährigen "keinen typischen Straftäter, der sich ein schönes Leben auf den Bahamas machen will". Im Gegenteil: Privat lebte der Banker eher bescheiden. Auf der anderen Seite gehe es bei den Taten um eine "exorbitant hohe Summe" (Kaul).
Wie hoch dieser Schaden wirklich ist, wurde gestern nicht bekannt - wahrscheinlich etwa 1,3 Millionen Mark. Die Anklage war auf Taten ab einer bestimmten Summe beschränkt worden. So blieben 40 Fälle, von denen während der Verhandlung mehr als die Hälfte eingestellt wurde. Eine zusätzliche Verurteilung wäre nicht weiter ins Gewicht gefallen. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig.