Streit in Bad Homburg um Vergabe der Konzession für die
Spielbank / Einige Angestellte wollen Casino in
Eigenregie führen
Von Günther Scherf
Über die Neuvergabe der Konzession für die Spielbank im Kurpark ist unter
den Bad Homburger Parteien ein heftiger Streit ausgebrochen. Neben der
Werner Wicker & Co KG, die das Glücksspiel seit 25 Jahren betreibt, hat
jetzt auch eine Gruppe von Croupiers und anderen Spielbank-Angestellten
ihre Bewerbung angemeldet.
BAD HOMBURG. Das Glücksspiel mit der weißen Roulettekugel und seine
Ergänzung durch die Automaten im "Kleinen Spiel" hat zwei sichere Gewinner: die
Betreiber des Spielcasinos und den Staat, der eifrig mitkassiert. So hat die
Spielbank in Bad Homburg (Hochtaunuskreis) von ihrem Bruttospielerlös von
durchschnittlich 72 Millionen Mark in den letzten Jahren jeweils zwischen 20 und
22 Millionen Mark an die Stadt Bad Homburg und rund 40 Millionen Mark an Bund
und Land abgeführt. Das Recht, eine Spielbank zu betreiben, gilt folglich für Staat,
Kommune und Unternehmer gleichermaßen als begehrte Lizenz zum Gelddrucken.
Vergeben wird diese "Lizenz" de facto alle zehn Jahre vom Land an die Stadt und
von der Stadt an ein Unternehmen. Seit 1975/76 haben sich die wechselnden
politischen Mehrheiten in Bad Homburg immer für die Wicker & Co KG
entschieden, die bis 1993 den Bruttospielerlös nahezu verdreifachte und die
Besucherzahlen von 165 000 (1976) auf 380 000 (1993) erhöhte. Dass die Umsätze
seitdem stagnieren und die Besucherzahlen leicht sinken, führen die einen auf die
wachsende Zahl von Spielbanken in Deutschland zurück, die anderen darauf, dass
"neue Ideen, ein unverbrauchtes Management und ein neues Konzept" vonnöten
seien. Letzteres behauptet zumindest eine Gruppe von "etwa zehn" Croupiers und
anderen Angestellten des Bad Homburger Casinos, die sich gestern darum
bewarben, das Glücksspiel im Kurpark künftig in einer Art Selbstverwaltung zu
übernehmen. Ihr Konzept sieht unter anderem Internetspiele und kulturelle
Veranstaltungen im Casino vor.
Magistrat und Finanzausschuss haben hingegen kürzlich beschlossen, zunächst
nur mit Wicker über die Fortsetzung der Konzession zu verhandeln; andere
Bewerber sollen erst dann zugelassen werden, wenn man sich mit Wicker nicht
einigt. Am morgigen Donnerstag steht im Bad Homburger Stadtparlament eine
heiße Debatte bevor, zumal die Mehrheit im Finanzausschuss nur knapp mit den
Stimmen von CDU, der Wählergemeinschaft FHW und der "Republikaner" zu
Stande kam. Die Bündnisgrünen empören sich deswegen darüber, dass der
"Konsens der Demokraten verlassen" worden sei. Sie vermuten zudem
"sachfremde Erwägungen": Wicker habe 1999 "rechtzeitig im Vorfeld der
Entscheidung erhebliche Summen an SPD, CDU und FHW gespendet".
Während Wicker Parteispenden der Spielbank grundsätzlich zugibt ("solange die
Spielbank existiert, spendet sie"), ohne Details zu nennen, bestreiten die örtliche
CDU und SPD, Zuwendungen erhalten zu haben. Allein die FHW gibt zu, dass die
Spielbank sie und "etliche beglückt" habe. Die FDP berichtet, einen 10
000-Mark-Scheck abgelehnt zu haben, den Bündnisgrünen wurde offenbar nichts
angeboten.