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Zwei Bewerber um die Lizenz zum Gelddrucken
Medium: Frankfurter Rundschau
Datum: 07. 06. 2000

Streit in Bad Homburg um Vergabe der Konzession für die Spielbank / Einige Angestellte wollen Casino in Eigenregie führen

Von Günther Scherf

Über die Neuvergabe der Konzession für die Spielbank im Kurpark ist unter den Bad Homburger Parteien ein heftiger Streit ausgebrochen. Neben der Werner Wicker & Co KG, die das Glücksspiel seit 25 Jahren betreibt, hat jetzt auch eine Gruppe von Croupiers und anderen Spielbank-Angestellten ihre Bewerbung angemeldet.

BAD HOMBURG. Das Glücksspiel mit der weißen Roulettekugel und seine Ergänzung durch die Automaten im "Kleinen Spiel" hat zwei sichere Gewinner: die Betreiber des Spielcasinos und den Staat, der eifrig mitkassiert. So hat die Spielbank in Bad Homburg (Hochtaunuskreis) von ihrem Bruttospielerlös von durchschnittlich 72 Millionen Mark in den letzten Jahren jeweils zwischen 20 und 22 Millionen Mark an die Stadt Bad Homburg und rund 40 Millionen Mark an Bund und Land abgeführt. Das Recht, eine Spielbank zu betreiben, gilt folglich für Staat, Kommune und Unternehmer gleichermaßen als begehrte Lizenz zum Gelddrucken.

Vergeben wird diese "Lizenz" de facto alle zehn Jahre vom Land an die Stadt und von der Stadt an ein Unternehmen. Seit 1975/76 haben sich die wechselnden politischen Mehrheiten in Bad Homburg immer für die Wicker & Co KG entschieden, die bis 1993 den Bruttospielerlös nahezu verdreifachte und die Besucherzahlen von 165 000 (1976) auf 380 000 (1993) erhöhte. Dass die Umsätze seitdem stagnieren und die Besucherzahlen leicht sinken, führen die einen auf die wachsende Zahl von Spielbanken in Deutschland zurück, die anderen darauf, dass "neue Ideen, ein unverbrauchtes Management und ein neues Konzept" vonnöten seien. Letzteres behauptet zumindest eine Gruppe von "etwa zehn" Croupiers und anderen Angestellten des Bad Homburger Casinos, die sich gestern darum bewarben, das Glücksspiel im Kurpark künftig in einer Art Selbstverwaltung zu übernehmen. Ihr Konzept sieht unter anderem Internetspiele und kulturelle Veranstaltungen im Casino vor.

Magistrat und Finanzausschuss haben hingegen kürzlich beschlossen, zunächst nur mit Wicker über die Fortsetzung der Konzession zu verhandeln; andere Bewerber sollen erst dann zugelassen werden, wenn man sich mit Wicker nicht einigt. Am morgigen Donnerstag steht im Bad Homburger Stadtparlament eine heiße Debatte bevor, zumal die Mehrheit im Finanzausschuss nur knapp mit den Stimmen von CDU, der Wählergemeinschaft FHW und der "Republikaner" zu Stande kam. Die Bündnisgrünen empören sich deswegen darüber, dass der "Konsens der Demokraten verlassen" worden sei. Sie vermuten zudem "sachfremde Erwägungen": Wicker habe 1999 "rechtzeitig im Vorfeld der Entscheidung erhebliche Summen an SPD, CDU und FHW gespendet".

Während Wicker Parteispenden der Spielbank grundsätzlich zugibt ("solange die Spielbank existiert, spendet sie"), ohne Details zu nennen, bestreiten die örtliche CDU und SPD, Zuwendungen erhalten zu haben. Allein die FHW gibt zu, dass die Spielbank sie und "etliche beglückt" habe. Die FDP berichtet, einen 10 000-Mark-Scheck abgelehnt zu haben, den Bündnisgrünen wurde offenbar nichts angeboten.


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