|
|
|
|
Gäste pokerten - Wirt zahlt 1000 Mark Strafe |
 |
Medium: Passauer Neue Presse
Datum: 10. 06. 2000 |
|
|
|
Er hatte den Spielern die Karten gegeben
Neuötting (bi). Vor dem Amtsgericht Altötting zeigte sich der 52-jährige Gastwirt verwundert über die Anzeige. Er habe
die Gäste zwar Karten spielen gesehen, ihr Spiel aber nicht näher beobachtet. Pokern sei ihm unbekannt. "Ich habe
geglaubt, die Vier spielen eine Art türkischer Schafkopf, wie ich es von meiner Heimat kenne", sagte er. Außerdem sei er
in seinem Ein-Mann- Betrieb in der Küche und mit dem Bedienen der Gäste vollauf beschäftigt gewesen und habe sich
nicht auch noch um das Kartenspielen kümmern können.
Auf Nachfragen des Staatanwaltes musste der Wirt einräumen, dass er den Gästen die Karten zur Verfügung gestellt
habe. Zwei Zeugen berichteten, vor jedem Spieler seien auf dem Tisch zwischen 100 und 500 Mark in Scheinen und
Münzen gelegen. "Der Wirt musste das Geld sehen, wenn er uns die Getränke gebracht hat", meinte einer der Spieler.
Der Gastwirt blieb dabei, ihm sei der verbotene Charakter des Kartenspiels nicht bekannt gewesen und bat das Gericht
um eine milde Strafe. Er stecke in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, habe einen minimalen Umsatz und an manchen
Abenden blieben die Gäste überhaupt aus.
"Nach deutschem Gesetz ist es ohne behördliche Erlaubnis verboten, öffentlich ein Glücksspiel zu veranstalten - und das
gilt auch für Pokern", betonte Richter Dieter Wüst und verurteilte den angeklagten Wirt zu einer Geldstrafe von 50
Tagessätzen zu 20 Mark (1000 Mark) und zur Zahlung der Verfahrenskosten.
|
|
|
|