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B-Casinos fühlen sich stark eingeengt
Medium: Schaffhauser Nachrichten / CH
Datum: 18. 08. 2003
Die B-Casinos sehen sich gegenüber den A-Casinos benachteiligt. Doch auf die Reglementsdichte allein kommt es nicht an.

Von Hans Trachsel

Bern. Die Schweizer B-Casinos klagen über die gesetzlichen Fesseln. Einige Casinos mit B-Konzession laufen schlecht. Das Grand Casino Baden, ein A-Casino, mit seinem idealen Einzugsgebiet ist das ertragsstärkste unter den mittlerweile 18 in Betrieb stehenden Casinos. Es dürfte im laufenden Jahr auf einen Bruttospielertrag (Umsatz minus ausbezahlte Gewinne) von rund 100 Mio. Franken kommen.

Dass dahinter nicht etwa ein anderes A-Casino wie Bern, Luzern oder Lugano figuriert, sondern trotz der einschränkenden Auflagen für B-Casinos Mendrisio, ist überraschend. Mendrisio rechnet dieses Jahr mit einem Ertrag von 80 Mio. Dabei ist die Konkurrenz im Tessin mit Lugano (A-Casino), Locarno (B, neu eröffnet) und Campione d'Italia (italienische Exklave) besonders hart. Lugano erklärt sich das Auftrumpfen von Mendrisio mit dessen besonderer Standortgunst, wie Marketingdirektor Marco Bronzini sagt.

Ideales Einzugsgebiet

Der Erfolg Mendrisios lässt sich auf verblüffend einfache Art erklären, wie Urs-Holger Spiecker, der Direktor des Casinos, meint: «In unmittelbarer Nähe liegt die Lombardei mit der Metropole Mailand, und das bedeutet ein Einzugsgebiet mit rund 12 Millionen Menschen.» Dass die Italiener ein spielfreudiges Volk sind, wisse man nicht erst seit dem Superjackpot im Lotto, der diese Woche geknackt wurde. Der Anteil italienischer Kunden liegt in Mendrisio und Lugano bei 80 Prozent. Spiecker sieht gute Chancen, auch mit dem durch einen 200 Mio. Franken teuren Umbau ab 2005 stark vergrösserten Casino von Campione weiterhin zu konkurrieren. Allerdings müssten die heutigen Rahmenbedingungen, die einer Zwangsjacke nicht unähnlich seien, sinnvoll angepasst werden. Er weist auf den Umstand hin, dass Mendrisio als im Moment einziges Casino in der Schweiz den Steuerhöchstsatz von 80 Prozent erreicht. Dies wäre bereits mit einem Bruttospielertrag von 50 Millionen Franken der Fall. Die Erwartungen liegen aber bei 80 Millionen. Neben der niedrigen Einsatzlimite von 5 Franken an den Automaten, die für B-Casinos gilt, engt auch die Obergrenze von 150 Automaten das Casino ein. Diese seien häufig schon am Nachmittag vollständig belegt. «Obwohl wir den Höchstsatz an Steuern entrichten, gehen dem Bund über 20 Mio. verloren, die wir zahlen werden, wenn die grotesken Einschränkungen nicht mehr bestehen», bringt es Spiecker auf den Punkt.

Änderungen sind möglich

Die Probleme von Mendrisio, das unter seinem Erfolg «leidet», sind untypisch, wie Yves Rossier, Direktor der Eidgenössischen Spielbankenkommission, sagt. Die B-Casinos im Berggebiet etwa, die nicht auf Touren kommen, «finden einfach die Kunden nicht». Dies, und nicht die einschränkenden Vorschriften, sei Ursache ihres mangelnden Erfolgs. Rossier kann sich vorstellen, dass einzelne Bestimmungen angepasst werden. Diskutiert werde sicher die Berechtigung der schärferen steuerlichen Progression, die 5-Franken- Limite und anderes, was die B-Casinos auf den Tisch legten. Wenn aber Mendrisio viel mehr als 150 Slot Machines brauche, hätten andere diese Obergrenze bei weitem nicht ausgeschöpft. Oder wenn in Interlaken das Spiel am Tisch ausgesprochen schlecht laufe, sei die Erklärung dafür sicher nicht beim Gesetz zu suchen, sondern bei der fehlenden Kundschaft. Anpassungen seien indes möglich und liessen sich zum Teil plausibel begründen. Nur eines werde es in der Casinolandschaft Schweiz nicht geben: Strukturerhaltung. Der Markt müsse entscheiden. Rossier rechnet aufgrund des jetzigen Standes für 2003 mit einem steuerbaren Ertrag aller Casinos von gut 500 Millionen. (sda) Bild key

An vielen Orten haben sich die hohen Erwartungen bezüglich Rentabilität der Spielbanken nicht erfüllt.


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