Den Lotterien drohen mit der Euro-Umstellung die "Millionäre" abhanden zu
kommen. Jetzt wird der Lotto-Schein teurer, der Gewinn dafür höher.
SALZBURG (SN-sam).
Es ist ein rein sprachliches Problem, aber es muss gelöst werden. Wenn der Schilling vom Euro abgelöst wird, wird
es viel weniger Lotto-Millionäre geben als bisher. Heute liegt der durchschnittliche Lotto-Sechser einer
Sonntags-Ziehung mit 10 Mill. S deutlich über der Millionen-Grenze. Mit der Euro-Einführung ist es damit aber
vorbei. Dann würde der Gewinn nur noch 726.700 Euro betragen - das entspricht zwar dem Betrag von 10 Mill. S,
klingt aber nach weniger. "Es ist nun einmal die Million, die jeder gewinnen will", sagt Lotto-Chef Leo Wallner.
Die Lösung ist einfach: Lotto-Spielen wird teurer. 10 statt bisher 8 S kostet ab Juli der Lotto-Tipp, 15 statt 14 S der
Joker. Da die Quote, die ausgezahlt wird, gleich bleibt, kann mehr ausbezahlt werden. Zudem wird der
Sechser-Gewinner künftig 41 Prozent (bisher 30%) des insgesamt ausgezahlten Geldes bekommen, die 5er und
4er dementsprechend weniger. Der Gewinn eines Sechsers liege damit künftig bei 13 bis 14 Mill. S - und damit
über der Millionen-Euro-Grenze.
Die Zahl der Lotto-Millionäre will man damit halten. 502 waren es 1999 - ein neuer Rekord. Der Umsatz der
Lotterien ging dagegen um 3,3% auf 15,02 Mrd. S zurück. 6,9 Mrd. davon wurden an die Gewinner ausgezahlt.
Grund für den Rückgang sei, dass es weniger Dreifach- und Doppeljackpots gegeben habe, die ein starker Anreiz
zum Lotto-Spielen seien, erklärte Wallner. Der Staat konnte 5,2 Mrd. S an Steuern einkassieren. Das Ergebnis der
gewöhnlichen Geschäftstätigkeit schrumpfte von 665 auf 518 Mill. S. Bilanzgewinn: 300 Mill. S.
Eindeutiger Spitzenreiter der Lotto-Produkte war "6 aus 45" mit einem Anteil von 53% am Gesamtumsatz.
Daneben sei das Rubbellos zum wichtigsten Spiel geworden. Den österreichischen Markt habe man mit den
bestehenden Spielen abgedeckt, erklärte Wallner. Hoffnung setzt er auf das boomende Geschäft der Sportwetten.
Wie berichtet, haben die Österreichischen Lotterien gemeinsam mit einigen Tageszeitungen (darunter die SN)
eine Sportwetten-Gesellschaft gegründet. 2001 will man ins Geschäft einsteigen. Dem eigenen Produkt Toto
würde man durch die Sportwetten keine zusätzliche Konkurrenz bieten, meint Wallner. Da Wetten nicht unter das
Glücksspiel fallen und damit nicht monopolisiert sind, sei der Wettbewerb und damit der Druck auf Toto schon jetzt
riesig. "Uns geht es darum, ausländischen Wettfirmen, die zum Teil illegal bei uns eindringen, ein entsprechendes
Produkt entgegen zu halten", so Wallner. Damit blieben auch die Steuern im Land.
Intensiv seien die Vorbereitungen in Richtung Internet. Derzeit seien die Online-Produkte noch auf österreichische
Konsumenten konzentriert, so Wallner, denn die meist monopolistischen Lotto-Gesellschaften der EU-Länder
dürfen nicht in Nachbarländern tätig werden. "Wir müssen aber für etwaige Änderungen gerüstet sein."
Leserreaktion auf diesen Artikel
©Salzburger Nachrichten 2000