40-Jähriger muss vier Jahre hinter Gitter
Münster (di) - Creme-weißer Strickpulli, beiges Jackett, die dunklen Haare kurz,
ebenso den Schnäuzer. Der knapp 41-Jährige macht eine gepflegte Erscheinung.
Der Münsteraner, der ohne weiteres ein Hotelzimmer als Handelsreisender
buchen könnte, saß am Mittwoch im Landgericht auf der Anklagebank. Vor der
III. Großen Strafkammer gab er zu, im Sommer vorigen Jahres, Rauschgift von
Holland nach Deutschland eingeführt und in größerem Stil damit gehandelt zu
haben. Die Einnahmen gingen für seine Spielsucht drauf: »Sie hat schon viel in
meinem Leben kaputt gemacht«, sagte der Angeklagte.
Zwischen Juli und August hatte er drei Mal je 160 Gramm Heroin in Rotterdam
gekauft, die er mit selbst drogenabhängigen Zwischenhändlern am
münsterischen Bahnhof absetzte.
Diese kurze Episode in seinem Leben brachte ihm am Mittwoch eine Haftstrafe
von vier Jahren ein, womit die Kammer dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgte.
Gewinne in Höhe von 10000 Mark, die der 40-Jährige erzielte, muss er
zurückzahlen. Der Vater zweier Kinder, der aus Lingen stammt und in Münster
aufwuchs, nahm dieses Urteil an. »Ich weiß, dass ich eine Strafe verdient habe«,
hatte er zuvor in seinem Schlusswort bekräftigt. Er wolle versuchen, sein »Leben
neu zu ordnen«.
Was keine leichte Aufgabe darstellt. Denn das Vorstrafenregister wegen
Verkehrsdelikten und mehreren Fällen von Diebstahl ist lang, die beruflichen
Kapitel eher kurz. Ausbildungen habe er aus gesundheitlichen Gründen
abgebrochen, schilderte der Sohn eines Handwerkers. Er hangelte sich von Job
zu Job und war nach einer Haftstrafe lange arbeitslos.
Die Spielsucht bekam er nicht unter Kontrolle. Sobald er flüssig war, »hat mir
das Geld ein Loch in die Hand gebrannt«. In einer Spielothek am Bahnhof habe
der Angeklagte an manchen Tagen mehrere Hundert Mark in den Automaten
versenkt, lautet die Schilderung einer Zeugin.
Sicher ein Teufelskreis, aber keine Rechtfertigung dafür, in den zuvor vom Bruder
geführten Drogenhandel einzusteigen, hob der Staatsanwalt hervor. »Hören Sie
mit Ihren Lebenslügen auf«, appellierte der Anklagevertreter. »Machen Sie sich
bewusst, welches Leid Sie über einzelne Menschen und ganze Familien
gezogen haben«, mahnte er.