Ex-Saalchef deckt Roulette-Manipulationen in Hittfeld auf Bei der Regierung inzwischen in Ungnade
gefallen
Die Landesregierung habe Untersuchungen verhindert. Das behauptet der Ex-Spielbank-Mitarbeiter.
Von Heinz-Josef Laing, Redaktion Hannover
Hannover/Hittfeld. Wilhelm Maitzen (67), als Croupier, Ausbilder und
Leitender Angestellter in Spielbanken von Garmisch Patenkirchen, Bad
Harzburg und Hittfeld zuhause, wurde der Glaube an das ehrliche Spiel
am Roulettetisch 1998 erschüttert. Damals im August, wenige Monate
nach seiner Pensionierung, wurde Maitzen wegen Personalmangels als
Saalchef für die Spielbank Hittfeld reaktiviert. Die geübten Augen
benötigten nur wenige Tage. Dann stand für Maitzen fest: An den
Spieltischen geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Mitarbeiter und Gäste
machten gemeinsame Sache, zockten die Spielbank um hohe
Geldbeträge ab. Maitzen machte Meldung.Im Gespräch mit dieser Zeitung
hat der Pensionär jetzt die Vorgänge geschildert, die schließlich dazu
führten, dass sich die Spielbank Hittfeld von einem guten Dutzend
Mitarbeitern trennte und ein gezinkter Roulettekessel ausgetauscht
wurde. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass die Landesregierung
gezielt Untersuchungen verhindert habe.Im Herbst 1998 berichtete
Maitzen dem technischen Leiter der Spielbankengesellschaft von seinen
Beobachtungen. Der erzählte es Heinz Dieter Woestmann,
Geschäftsführer der Spielbankengesellschaft des Landes, so Maitzen.
Die Reaktion: Unerwartet flatterte dem 67-Jährigen wenige Tage später
die Kündigung ins Haus. Der Jahresvertrag mit dem Casino wurde zum
Jahresende 1998 vorzeitig beendet. Ich wurde abgeschossen, sagt
Maitzen heute, weil ich die Betrügereien aufgedeckt hatte und die Politik sich nicht eingestehen wollte, dass es
sich in Hittfeld um den bislang größten Spielbanken-Skandal in Deutschland handelt. Nach seiner Schätzung
entstand dem Land ein Schaden von zehn bis 15 Millionen DM. In der Folgezeit ließ der Saalchef nicht locker.
Gespräche mit der Spielbankenaufsicht, Innen-Staatssekretär Werner Lichtenberg (SPD) und Mitarbeitern des
Ministeriums folgten und verliefen zunächst in freundlicher Atmosphäre: Ich sollte schließlich bei der
Aufdeckung der Unregelmäßigkeiten helfen. Maitzen schilderte den Beamten Details der
Millionen-Betrügereien. Ich war der Meinung, die nehmen sich der Sache an, jetzt explodiert das Ding. Doch
nichts sei geschehen. Im Ministerium wurden die Rollos heruntergelassen, mit mir sprach keiner mehr. Den
Grund kann Maitzen nur ahnen: Ich war zu unbequem. Der Vorgang wurde aus politischen Gründen nicht
massiv verfolgt. Da wurde nicht einmal Strafantrag gestellt. Stattdessen, so Maitzen, habe er anonyme
Drohanrufe erhalten.Offene Ohren fand Maitzen schließlich beim Landeskriminalamt (LKA). Beamte hätten sich
um den manipulierten Roulettekessel gekümmert, Veränderungen festgestellt und den Kessel sichergestellt.
Maitzen: So kam die Sache ins Rollen, auch wenn kein Täter ermittelt werden konnte.Im Innenministerium ist
man auf Maitzen nicht mehr gut zu sprechen. Der Ex-Spielbank-Mitarbeiter meint den Grund zu kennen: Weil ich
mich an Journalisten gewandt habe, nachdem nichts passierte. Der neue Spielbankengeschäftsführer Rainer
Chrubassik habe ihm sogar einen Beratervertrag angeboten, wenn er den Medien nichts mehr erzähle.
Staatssekretär Lichtenberg und Chrubassik dementieren dieses Angebot. Vielmehr habe Maitzen für sein
Schweigen einen Beratervertrag verlangt. Lichtenberg kann sich genau erinnern: Den Maitzen haben wir einige
Monate hingehalten und dann den Beratervertrag abgesagt, damit wir Ruhe hatten. Nun steht Aussage gegen
Aussage.