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"Der bislang größte Spielbanken-Skandal"
Medium: Nordwest Zeitung
Datum: 10. 03. 2001
Ex-Saalchef deckt Roulette-Manipulationen in Hittfeld auf – Bei der Regierung inzwischen in Ungnade gefallen

Die Landesregierung habe Untersuchungen verhindert. Das behauptet der Ex-Spielbank-Mitarbeiter.

Von Heinz-Josef Laing, Redaktion Hannover

Hannover/Hittfeld. Wilhelm Maitzen (67), als Croupier, Ausbilder und Leitender Angestellter in Spielbanken von Garmisch Patenkirchen, Bad Harzburg und Hittfeld zuhause, wurde der Glaube an das „ehrliche Spiel am Roulettetisch“ 1998 erschüttert. Damals im August, wenige Monate nach seiner Pensionierung, wurde Maitzen wegen Personalmangels als Saalchef für die Spielbank Hittfeld reaktiviert. Die geübten Augen benötigten nur wenige Tage. Dann stand für Maitzen fest: An den Spieltischen geht nicht alles mit rechten Dingen zu. Mitarbeiter und Gäste machten gemeinsame Sache, „zockten“ die Spielbank um hohe Geldbeträge ab. Maitzen machte Meldung.Im Gespräch mit dieser Zeitung hat der Pensionär jetzt die Vorgänge geschildert, die schließlich dazu führten, dass sich die Spielbank Hittfeld von einem guten Dutzend Mitarbeitern trennte und ein „gezinkter“ Roulettekessel ausgetauscht wurde. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass die Landesregierung „gezielt Untersuchungen verhindert“ habe.Im Herbst 1998 berichtete Maitzen dem technischen Leiter der Spielbankengesellschaft von seinen Beobachtungen. Der erzählte es Heinz Dieter Woestmann, Geschäftsführer der Spielbankengesellschaft des Landes, so Maitzen. Die Reaktion: Unerwartet flatterte dem 67-Jährigen wenige Tage später die Kündigung ins Haus. Der Jahresvertrag mit dem Casino wurde zum Jahresende 1998 vorzeitig beendet. „Ich wurde abgeschossen,“ sagt Maitzen heute, „weil ich die Betrügereien aufgedeckt hatte und die Politik sich nicht eingestehen wollte, dass es sich in Hittfeld um den bislang größten Spielbanken-Skandal in Deutschland handelt.“ Nach seiner Schätzung entstand dem Land ein Schaden von „zehn bis 15 Millionen DM.“ In der Folgezeit ließ der Saalchef nicht locker. Gespräche mit der Spielbankenaufsicht, Innen-Staatssekretär Werner Lichtenberg (SPD) und Mitarbeitern des Ministeriums folgten – und verliefen zunächst in freundlicher Atmosphäre: „Ich sollte schließlich bei der Aufdeckung der Unregelmäßigkeiten helfen.“ Maitzen schilderte den Beamten Details der Millionen-Betrügereien. „Ich war der Meinung, die nehmen sich der Sache an, jetzt explodiert das Ding.“ Doch nichts sei geschehen. „Im Ministerium wurden die Rollos heruntergelassen, mit mir sprach keiner mehr.“ Den Grund kann Maitzen nur ahnen: „Ich war zu unbequem. Der Vorgang wurde aus politischen Gründen nicht massiv verfolgt. Da wurde nicht einmal Strafantrag gestellt.“ Stattdessen, so Maitzen, habe er anonyme Drohanrufe erhalten.Offene Ohren fand Maitzen schließlich beim Landeskriminalamt (LKA). Beamte hätten sich um den manipulierten Roulettekessel gekümmert, Veränderungen festgestellt und den Kessel sichergestellt. Maitzen: „So kam die Sache ins Rollen, auch wenn kein Täter ermittelt werden konnte.“Im Innenministerium ist man auf Maitzen nicht mehr gut zu sprechen. Der Ex-Spielbank-Mitarbeiter meint den Grund zu kennen: „Weil ich mich an Journalisten gewandt habe, nachdem nichts passierte.“ Der neue Spielbankengeschäftsführer Rainer Chrubassik habe ihm sogar einen Beratervertrag angeboten, wenn er den Medien nichts mehr erzähle. Staatssekretär Lichtenberg und Chrubassik dementieren dieses Angebot. Vielmehr habe Maitzen für sein Schweigen einen Beratervertrag verlangt. Lichtenberg kann sich genau erinnern: „Den Maitzen haben wir einige Monate hingehalten und dann den Beratervertrag abgesagt, damit wir Ruhe hatten.“ Nun steht Aussage gegen Aussage.


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