Spielbank-Skandal: Staatssekretär im Widerspruch zum Innenministerium Gestörte Beziehungen
eingeräumt
Eine Strafverfolgung habe er nicht behindert. Claus Henning Schapper (SPD) weist alle Vorwürfe zurück.
Von Heinz-Josef Laing, Redaktion Hannover
Hittfeld/Berlin. Claus Henning Schapper (SPD), Staatssekretär im Bundesinnenministerium, hat jede
Verantwortung im Zusammenhang mit dem Betrugsskandal um die staatliche Spielbank Hittfeld
zurückgewiesen. Schapper (63) sagte gestern in Berlin, als früherer Aufsichtsratsvorsitzender der
Spielbankengesellschaft und Chef der Spielbankenaufsicht habe er sich lediglich auf die Rolle eines
Moderators beschränkt. Ich habe weder aktiv noch passiv eine Strafverfolgung behindert, entgegnete
Schapper auf Vorwürfe der CDU.
Er habe als damaliger Staatssekretär im niedersächsischen Innenministerium nur zweimal in die
Geschäfte der Spielbankengesellschaft eingegriffen. In einem Fall sei es um laufende Tarifverhandlungen
gegangen. Ein anderes Mal habe ihn die Geschäftsführung der Spielbankengesellschaft um ein Eingreifen
gebeten. Dabei habe die Installation von Videoüberwachungsanlagen in den Spielbanken im Mittelpunkt
gestanden. Der von der Aufsicht verfügte Einbau einer Videoanlage sei mit zweijähriger Verzögerung erfolgt,
weil Fragen der Wirtschaftlichkeit, der Notwendigkeit und der Verhältnismäßigkeit der Mittel zu klären
gewesen seien. Er habe den Einbau der Anlage nicht verhindert.
Schapper räumte jedoch ein, dass sich die Spielbankenaufsicht des Landes nicht immer gegen die
Spielbank Hittfeld durchsetzen konnte. Zwischen der von ihm geführten Aufsicht und der Geschäftsführung
der Spielbankengesellschaft habe es zudem gestörte Beziehungen gegeben. Details nannte Schapper nicht.
Nach Angaben Schappers ist der Rückgang der Spielerlöse in Hittfeld weniger auf das kriminelle
Zusammenspiel von Spielbank-Mitarbeitern und Kiez-Größen zurückzuführen, als auf den so genannten
Scheenefeld-Effekt. Die 1997 im benachbarten Scheenefeld eröffnete Spielbank habe Besucher aus Hittfeld
abgezogen. Das Innenministerium stellt aber in seinem von dieser Zeitung veröffentlichten Geheimbericht von
1999 fest, der Erlösrückgang sei deutlich stärker als der Besucherrückgang. Er sei nicht durch den
Scheenefeld-Effekt erklärbar, kommt das Ministerium zu einer gänzlich anderen Einschätzung als Schapper.
Der Erlös-Einbruch lasse sich nicht mit externen Ursachen erklären. Die Entwicklung sei für die Spielbank
existenzbedrohend.
Während das Innenministerium die Verluste in Hittfeld mit einem mehrfachen Millionenbetrag beziffert und die
Landtags-CDU von mindestens zehn Millionen DM spricht, sagte Schapper, er gehe von einem Verlust von
einer Million DM aus. Die Geschäftsführung der Spielbankengesellschaft habe ihm gegenüber damals erklärt,
es gebe keine Hinweise auf weitere kriminelle Machenschaften. Mit der strafrechtlichen Verfolgung habe er
nichts zu tun gehabt, wies er Vorwürfe der Opposition zurück, polizeiliche Ermittlungen verhindert zu haben.
Schapper: Dieses Thema wurde nur abstrakt erörtert. Außerdem stehen die Zeugen meistens nicht zu dem,
was sie zunächst ausgesagt haben.