Raubdezernat klärt vier Banküberfälle auf
Enge Zusammenarbeit zwischen Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft
Heidelberg führten zur Aufklärung einer Bankraubserie aus den Jahren
1996 bis 1999. Der 40-jährige Hauptverdächtige und ein 55-jähriger
Komplize befinden sich auf Antrag der Staatsanwaltschaft in Haft. Gegen
eine 48-jährige mutmaßliche Mittäterin wurde der Haftbefehl gegen
Auflagen außer Vollzug gesetzt. Auf die Spur des Mannes waren die
Heidelberger Kriminalbeamten im Jahr 1999 durch einen Hinweis der Kripo
Reutlingen gekommen. Dort war der Hauptverdächtige im Rahmen einer
Ringalarmfahndung nach einem Banküberfall aufgefallen und es ergaben
sich Verdachtsmomente, dass der Mann einst im Raum Heidelberg
gewohnt und dort Banküberfälle begangen habe.
Damit begann ein langwieriges Ermittlungspuzzle des Raubdezernates
der Heidelberger Kriminalpolizei, an dessen Ende nun vier geklärte
Bankraubfälle stehen. Folgende Sachverhalte sind bisher bekannt:
Fall 1: Ein jetzt 40-jähriger Maler und Lackierer, der im Tatzeitraum noch
im Rhein-Neckar-Kreis wohnte, wartete am Morgen des 20. Mai 1996 vor
der Sparkasse Heidelberg am Universitätsplatz auf das Eintreffen der
Beschäftigten, bedrohte diese mit einer Schusswaffe und verschaffte sich
so Zugang zur Bank. In der Bank hielt er insgesamt 12 Beschäftigte etwa
eine Stunde lang als Geiseln fest. Nach Eintreffen der Bankangestellten,
die die Schlüssel zum Tresorraum besaßen, zwang er diese, den Tresor zu
öffnen und entkam mit einer Beute von 485.000 DM. Den Fluchtwagen
fuhr seine damalige, jetzt 48-jährige Lebensgefährtin. Ein 55-jähriger
Komplize, der dem Hauptverdächtigen Maskierungs- und Tatmittel besorgt
hatte, versteckte ihn anschließend für einige Zeit und erhielt dafür
150.000 DM aus der Beute. Mit dem Rest der geraubten Summe
finanzierte das Paar die Spielsucht des Haupttat-verdächtigen sowie
einen aufwendigen Lebensstil (Autos, Urlaub etc.).
Fall 2: Das Geld reichte jedoch nicht lange, denn bereits am 12. Januar
1998 versuchten es der 40-Jährige und seine Lebensgefährtin bei der
gleichen Bank erneut. Dieses Mal schlug die Vorgehensweise des
Haupttatverdächtigen fehl, da im Gebäude arbeitende Handwerker auf ihn
aufmerksam wurden und ihm die weitere Tatausführung zu "heiß"
erschien. Er musste ohne Beute fliehen. Wiederum fuhr die
Lebensgefährtin das Fluchtauto.
Fall 3: Daraufhin plante der 40-Jährige einen Banküberfall im
südwürttembergischen Raum, da ihm ein weiterer Versuch im Raum
Heidelberg zu riskant erschien. Seine Wahl fiel auf die Sparkasse
Pfullingen, bei der er am 12. Februar 1998 mit der gleichen Masche -
dieses Mal im Alleingang -182.000 DM erbeutete. Seiner Lebensgefährtin,
die ihre Unterstützung für diesen Überfall versagt hatte, erhielt aus "alter
Verbundenheit" 20.000 DM aus der Beute. Auch der 55-jährige Komplize,
der beim Ausbaldowern und der Organisation der Tatmittel geholfen
hatte, wurde mit einem größeren Geldbetrag bedacht. Der Rest wanderte
- meist erfolglos - über die Roulettetische verschiedener Spielkasinos.
Fall 4: Am 01. Juli 1999 überfiel der 40-Jährige die Sparkasse Pfullingen
ein zweites Mal. Von den 122.000 DM Beute erhielt der 55-Jährige 20.000
DM. In den Fällen 3 und 4 sperrte der Räuber vor seiner Flucht die
verängstigten Angestellten in der Toilette ein. Ende November
vergangenen Jahres gelang es schließlich, den 40-Jährigen in seiner
Wohnung in Steinheim an der Murr unter Einsatz eines Spezialkommandos
festzunehmen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Heidelberg wurde
Haftbefehl erlassen. Er ist für Polizei und Justiz kein Unbekannter,
verbüßte er doch in der Zeit zwischen 1988 bis 1993 bereits eine
mehrjährige Haftstrafe wegen fünf Banküberfällen im Raum Ludwigsburg.
Wie der Hauptverdächtige in seinem zwischenzeitlich abgelegtem
Geständnis offenbarte, waren noch weitere Überfälle auf Geldinstitute
beabsichtigt, die lediglich daran gescheitert sein sollen, weil beim
Ausbaldowern weiterer Tatobjekte zunächst keine "passende" Bank mehr
gefunden werden konnte. Bei der Tatausführung will der
Haupttatverdächtige zur Einschüchterung der Bankangestellten stets nur
eine Schreckschusswaffe verwendet haben. Eine solche wurde bei
Durchsuchungen nicht gefunden. Obwohl der Haupttatverdächtige und
seine ehemalige Lebensgefährtin umfangreiche Geständnisse ablegten,
schweigt der 55-Jährige, der im Dezember 2000 in Crailsheim
festgenommen wurde, bisher zu allen Tatvorwürfen. Das Trio wartet nun
auf seinen Prozess vor dem Landgericht Heidelberg. Die Anklage ist bis
Anfang April zu erwarten.