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"Auf das irdische Glücksgefühl verlassen"
Medium: Main Rheiner
Datum: 11.1.2000
Glücksbote: Lotto-Spieler immer anspruchsvoller - Gewinner wollen aus Norm auszubrechen

dpa/lrs. RHEIN-NEKKAR-KREIS - Die Lottospieler werden nach Darstellung des Glücksboten von Toto-Lotto Rheinland-Pfalz, Hans Joachim Schmitz, immer anspruchsvoller. "Die sterile Million reißt heute kaum noch jemanden vom Hocker", sagte er gegenüber der Presse. "Heute können mit Rubbellosen für zehn Mark schon mehrtägige Reisen durch den Weltraum im Jahr 2002 gewonnen werden. Die Leute werden das irdische Glücksgefühl verlassen, um sich in außerirdische Umlaufbahnen zu begeben", meinte Schmitz. Seine Aufgabe ist es, nichts ahnenden Lottogewinnern ihren neuen Reichtum zu verkünden.

"Der Trend geht dahin, aus der Norm auszubrechen und den ultimativen Kick zu suchen", sagte der 53-Jährige. In den kommenden Jahren werden die Lottogesellschaften nach seinen Worten ins Internet gehen, um auch jüngere Generationen verstärkt anzusprechen. "Diese Klientel hat eine Fantasie, der kaum Grenzen gesetzt sind. Sie wird auf viel flippigere Sachgewinne aus sein als die Nachkriegsgenerationen und ganz andere Akzente in die Lottolandschaft setzen", sagte der Glücksbote voraus. "Wir müssen mit der Entwicklung der Gesellschaft mitziehen, wir sind ihr Spiegel. Wir geben den Lottospielern die Baugenehmigungen für immer neue Luftschlösser", fuhr Schmitz fort.

Je schwerer die Jackpots würden, desto mehr vergrößere sich die Erwartungshaltung der Lottospieler. Nach der Einführung des deutschen Lottos 1955 räumte nach Auskunft des Glücksboten ein knappes Jahr später ein Einzelgewinner anderthalb Millionen Mark ab. "Das führte zu heftigen moralischen Diskussionen, ob solche Gewinne nicht zu hoch seien. Deshalb wurden sie auf maximal eine halbe Million Mark begrenzt", erläuterte Schmitz. 1974 sei das Limit auf anderthalb Millionen und 1981 auf drei Millionen Mark angehoben worden.

"1985 wurde die Höchstgrenze aufgehoben und 1991 die Superklasse mit sechs Richtigen und Superzahl und damit noch viel höheren Gewinnen eingeführt", berichtete der 53-Jährige. 1994 habe es dann einen Jackpot mit 42,4 Millionen Mark gegeben, "bei dem auch das benachbarte Ausland begeistert bei uns mitspielte". Schließlich sei der Pot zu gleichen Teilen an vier Gewinner ausgeschüttet worden.

Nach Mitteilung von Schmitz legen die Lottogesellschaften viel Wert auf die Auswahl ihrer Sachgewinne. "Die haben den Vorteil, dass sie in Träume verpackt sind. Geld ist viel schnöder. Die Deutschen träumen sowieso zu wenig - deshalb nehmen wir ihre Träume vorweg, wenn wir Ferraris oder ein Schloss an der Loire verlosen", meinte der Glücksbote. "Unsere Werbung mit zwei Luxusschlitten ist erfolgreicher als mit 100 Kleinwagen, obwohl bei denen die Wahrscheinlichkeit zu gewinnen steigt."


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