Glücksbote: Lotto-Spieler immer
anspruchsvoller - Gewinner wollen aus Norm auszubrechen
dpa/lrs. RHEIN-NEKKAR-KREIS - Die Lottospieler werden nach Darstellung
des Glücksboten von Toto-Lotto Rheinland-Pfalz, Hans Joachim
Schmitz, immer anspruchsvoller. "Die sterile Million reißt heute kaum noch
jemanden vom Hocker", sagte er gegenüber der Presse. "Heute können mit
Rubbellosen für zehn Mark schon mehrtägige Reisen durch den Weltraum im Jahr
2002 gewonnen werden. Die Leute werden das irdische Glücksgefühl
verlassen, um sich in außerirdische Umlaufbahnen zu begeben", meinte
Schmitz. Seine Aufgabe ist es, nichts ahnenden Lottogewinnern ihren neuen
Reichtum zu verkünden.
"Der Trend geht dahin, aus der Norm auszubrechen und den
ultimativen Kick zu suchen", sagte der 53-Jährige. In den kommenden Jahren werden
die Lottogesellschaften nach seinen Worten ins Internet gehen, um
auch jüngere Generationen verstärkt anzusprechen. "Diese Klientel hat eine
Fantasie, der kaum Grenzen gesetzt sind. Sie wird auf viel flippigere
Sachgewinne aus sein als die Nachkriegsgenerationen und ganz andere Akzente in die
Lottolandschaft setzen", sagte der Glücksbote voraus. "Wir müssen mit der
Entwicklung der Gesellschaft mitziehen, wir sind ihr Spiegel. Wir geben den
Lottospielern die Baugenehmigungen für immer neue Luftschlösser", fuhr Schmitz
fort.
Je schwerer die Jackpots würden, desto mehr vergrößere sich
die Erwartungshaltung der Lottospieler. Nach der Einführung des
deutschen Lottos 1955 räumte nach Auskunft des Glücksboten ein knappes Jahr
später ein Einzelgewinner anderthalb Millionen Mark ab. "Das führte zu
heftigen moralischen Diskussionen, ob solche Gewinne nicht zu hoch
seien. Deshalb wurden sie auf maximal eine halbe Million Mark begrenzt",
erläuterte Schmitz. 1974 sei das Limit auf anderthalb Millionen und 1981 auf drei
Millionen Mark angehoben worden.
"1985 wurde die Höchstgrenze aufgehoben und 1991 die Superklasse mit sechs
Richtigen und Superzahl und damit noch viel höheren Gewinnen
eingeführt", berichtete der 53-Jährige. 1994 habe es dann einen Jackpot
mit 42,4 Millionen Mark gegeben, "bei dem auch das benachbarte Ausland
begeistert bei uns mitspielte". Schließlich sei der Pot zu gleichen Teilen an
vier Gewinner ausgeschüttet worden.
Nach Mitteilung von Schmitz legen die Lottogesellschaften
viel Wert auf die Auswahl ihrer Sachgewinne. "Die haben den Vorteil, dass sie
in Träume verpackt sind. Geld ist viel schnöder. Die Deutschen träumen sowieso
zu wenig - deshalb nehmen wir ihre Träume vorweg, wenn wir Ferraris oder ein
Schloss an der Loire verlosen", meinte der Glücksbote. "Unsere Werbung mit zwei
Luxusschlitten ist erfolgreicher als mit 100 Kleinwagen, obwohl bei denen die
Wahrscheinlichkeit zu gewinnen steigt."