Bergkamen/Kamen. (fg) In Bergkamen
verzockten die Freunde des Glücksspiels insgesamt
7.298.000 Mark im Jahr 1999 an den Automaten, in Kamen
3.986.000 Mark - ein Beweis für das enorme Suchtproblem.
Für die Stadtkasse Bergkamen bedeutet das dank
Vergnügungssteuer ein Plus von 670.000 Mark, für die von
Kamen 375.000 Mark.
"Das ist ein Spielautomat, der frisst meinen Vater auf",
beschrieb der Knirps das, was er gemalt hatte. Seine Eltern
ließen sich gerade in der Landesfachstelle Glücksspielsucht
beraten. Mit harten Fakten belegte Jürgen Trümper,
Geschäftsführer der karitativen Einrichtung, das Ausmaß
dieser Sucht. In einer Studie hatte der Arbeitskreis
Spielsucht e.V. das bundesweite Angebot an Spielautomaten
emittelt. In Kneipen gehörten sie neben der Theke und den
Barhockern bisher zum festen Inventar: die einarmigen
Banditen. Das hat sich in den letzten Jahren allerdings
geändert, wie die in den 1.536 Kommunen ermittelten Zahlen
belegen. Das Gaststättensterben nennt Trümper als den
primären Grund für den Abbau der blinkenden Maschinen.
Außerdem trage der Wandel hin zur Erlebnisgastronomie zu
dieser Entwicklung bei. Ebenso wie die angestiegenen
Bierpreise. Da ließe der Gelegenheitsspieler doch lieber
seinen Fünfer in der Hosentasche stecken als ihn im
Automatenschlitz veschwinden zu lassen.
So geht es allerdings nicht dem Süchtigen, der ungeachtet
seiner finanziellen Lage seine Einsätze bringt: Da verspiele
manch einer Haus und Hof, berichtet Trümper aus seiner
Erfahrung als Ansprechpartner für die Betroffenen. Sei es
nicht in der Kneipe, so in einer der Spielhallen, deren Zahl in
NRW mit 27.000 konstant geblieben ist. Auch wenn die
Gesamtzahl der Geldspielgeräte in NRW im Vergleich zu
1998 rückläufig ist, hieße das im Umkehrschluss nicht, dass
weniger Personen spielsüchtig seien, erläutert der
Fachmann. "Als attraktive neue Form setzten mehr und mehr
Menschen auf das staatliche Glücksspiel." Trümper fordert
daher, umfassend über die Gefahren des Glücksspiels
aufzuklären. In Bergkamen verführten am 1. Janaur 2000 17
Spielhallen, in denen 187 Geräte aufgestellt waren, und 59
Automaten in Gaststätten zum Münzeinwurf; in Kamen 91
Maschinen in 11 Spielhallen und 74 in Gaststätten.