Für viele geht gar nichts mehr
Das Spiel als Sucht: Casino setzt auf die Sperr-Kartei/"Croupiers sind keine
Therapeuten"
WIESBADEN Wenn in der Wiesbadener Spielbank der Spruch "Nichts geht mehr" zu
hören ist, muss das nicht schlimm sein. Es bedeutet, dass die Zeit für die
Einsätze am Roulette-Tisch vorbei ist. Doch so mancher, der hofft, sein Geld
in der Spielbank vermehren zu können, hört diesen Spruch bereits am Empfang des
Casinos. Dann nämlich, wenn sein Name in der Sperr-Kartei vermerkt ist. Etliche
tausend Namen sind hier registriert: Von Menschen, die sich sperren lassen, weil
sie sich selbst und ihrer Selbstdisziplin nicht trauen, aber auch von Spielern,
deren Angehörige aus Angst ums Familienauskommen dem Spieltrieb des Zockers
einen Riegel vorschieben wollen.
"Unter den zahlreichen Spielern sind sicherlich etliche, die der Spielsucht
verfallen sind", meint der Wiesbadener Spielbank-Chef Klaus Gülker. Doch an der
Frage, wann jemand spielsüchtig ist und wie dem begegnet werden kann und soll,
scheiden sich die Geister. Gülker jedenfalls hält nur wenig von dem Ansinnen,
dass Croupiers Spielsüchtigen helfen. Die Firma West-Spiel, die in Deutschland
sechs staatlich geprüfte Spielbanken betreibt - darunter Kassel als einzige in
Hessen - schult derzeit ihre Mitarbeiter unter wissenschaftlicher Anleitung.
Ziel ist, dass Croupiers auffällige Zocker erkennen und gezielt ansprechen
knnen. Zusätzlich liegen Broschüren mit Adressen von Suchtberatungsstellen in
den Spielbanken aus.
Derartige Broschüren liegen in Wiesbadens Casino im Kurhaus nicht aus.
Geschftsführer Klaus Gülker ist auch skeptisch, inwieweit Croupiers derartigen
Anforderungen der Geschäftsführung überhaupt gerecht werden können: "Wie soll
der Croupier eine Arbeit leisten, für die Psychologen und Therapeuten jahrelang
studiert haben? Es sei selbstverständlich, dass Croupiers auffällige
Spielerinnen und Spieler ansprechen, doch keineswegs mit dem Anspruch,
medizinische oder therapeutische Hilfe zu leisten. Darber hinaus hält Gülker
die Differenzierung zwischen einem Spieler, der krank ist, und einem, der sich
"einfach nur mal nicht im Griff hat", für sehr schwierig.
Mit der Sperr-Kartei, die übrigens bundesweit unter den Spielbanken ausgetauscht
wird, leistet das Casino nach Ansicht Gülkers einen wesentlichen Beitrag zum
Schutz der Spieler. "Wir machen es den Leuten echt schwer", urteilt er. Denn wer
einmal in diese Kartei aufgenommen wurde - ob aus freien Stücken oder gegen
seinen Willen - kommt so einfach nicht wieder heraus. Bedingung ist der Gang zum
Anwalt oder Notar, der schriftlich bestätigen muss, dass der Betreffende
aufgrund seiner wirtschaftlichen Situation dazu in der Lage ist, mit Geld
umzugehen.
Christina Oxfort