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"Croupiers sind keine Therapeuten"
Medium: Main Rheiner
Datum: 17.01.2000
Für viele geht gar nichts mehr Das Spiel als Sucht: Casino setzt auf die Sperr-Kartei/"Croupiers sind keine Therapeuten"

WIESBADEN Wenn in der Wiesbadener Spielbank der Spruch "Nichts geht mehr" zu hören ist, muss das nicht schlimm sein. Es bedeutet, dass die Zeit für die Einsätze am Roulette-Tisch vorbei ist. Doch so mancher, der hofft, sein Geld in der Spielbank vermehren zu können, hört diesen Spruch bereits am Empfang des Casinos. Dann nämlich, wenn sein Name in der Sperr-Kartei vermerkt ist. Etliche tausend Namen sind hier registriert: Von Menschen, die sich sperren lassen, weil sie sich selbst und ihrer Selbstdisziplin nicht trauen, aber auch von Spielern, deren Angehörige aus Angst ums Familienauskommen dem Spieltrieb des Zockers einen Riegel vorschieben wollen.

"Unter den zahlreichen Spielern sind sicherlich etliche, die der Spielsucht verfallen sind", meint der Wiesbadener Spielbank-Chef Klaus Gülker. Doch an der Frage, wann jemand spielsüchtig ist und wie dem begegnet werden kann und soll, scheiden sich die Geister. Gülker jedenfalls hält nur wenig von dem Ansinnen, dass Croupiers Spielsüchtigen helfen. Die Firma West-Spiel, die in Deutschland sechs staatlich geprüfte Spielbanken betreibt - darunter Kassel als einzige in Hessen - schult derzeit ihre Mitarbeiter unter wissenschaftlicher Anleitung. Ziel ist, dass Croupiers auffällige Zocker erkennen und gezielt ansprechen kšnnen. Zusätzlich liegen Broschüren mit Adressen von Suchtberatungsstellen in den Spielbanken aus. Derartige Broschüren liegen in Wiesbadens Casino im Kurhaus nicht aus. GeschŠftsführer Klaus Gülker ist auch skeptisch, inwieweit Croupiers derartigen Anforderungen der Geschäftsführung überhaupt gerecht werden können: "Wie soll der Croupier eine Arbeit leisten, für die Psychologen und Therapeuten jahrelang studiert haben? Es sei selbstverständlich, dass Croupiers auffällige Spielerinnen und Spieler ansprechen, doch keineswegs mit dem Anspruch, medizinische oder therapeutische Hilfe zu leisten. Darber hinaus hält Gülker die Differenzierung zwischen einem Spieler, der krank ist, und einem, der sich "einfach nur mal nicht im Griff hat", für sehr schwierig.

Mit der Sperr-Kartei, die übrigens bundesweit unter den Spielbanken ausgetauscht wird, leistet das Casino nach Ansicht Gülkers einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Spieler. "Wir machen es den Leuten echt schwer", urteilt er. Denn wer einmal in diese Kartei aufgenommen wurde - ob aus freien Stücken oder gegen seinen Willen - kommt so einfach nicht wieder heraus. Bedingung ist der Gang zum Anwalt oder Notar, der schriftlich bestätigen muss, dass der Betreffende aufgrund seiner wirtschaftlichen Situation dazu in der Lage ist, mit Geld umzugehen. Christina Oxfort


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