Viele Schulen - wenig Kandidaten
Bern - Rund fünf Monate vor der Erteilung der
Spielbankenkonzessionen werden in der ganzen Schweiz
Croupier- Schulen gegründet. Auszubildende sind jedoch
schwierig zu finden. Das Personal wird deshalb auch im
Ausland gesucht.
Die Schweizer Casinos werden in den kommenden Jahren
schätzungsweise 2000 Croupiers benötigen. Mit Löhnen von 8000
bis 10 000 Franken - Trinkgeld eingeschlossen - ist der Beruf des
Croupiers aus der Sicht der Casinos attraktiv. Er verlangt grosse
Fingerfertigkeit, Kontaktfreudigkeit, ein gutes
Personengedächtnis und einen Sinn für Zahlen.
Abwartende Haltung
Auszubildende sind aber nicht leicht zu finden. «Solange die
Konzessionen nicht erteilt worden sind, und die Bevölkerung den
Grands Jeux skeptisch gegenüber steht, ist es schwierig,
Kandidaten in der Schweiz zu finden», erklärt Alvaro Mellini,
Verantwortlicher der Croupier-Schule «Accento» der Casinos
Locarno und Lugano.
Ähnliche Erfahrungen hat auch Kristina Rippstein Marthaler,
Personalverantwortliche bei Swiss Casinos, gemacht. Für die
Schule «SC Academy», die im September eröffnet wird, wurde
ein anspruchsvoller zweijähriger Lehrgang mit Eintrittsprüfung
zusammengestellt.
Abgeschlossen wird die Ausbildung voraussichtlich mit einem
vom Bund anerkannten Zertifikat. Rund 30 Personen sollen im
September am ersten Ausbildungsgang teilnehmen. Die
Konzessionserteilung im Herbst sei für die ganze Branche
entscheidend, so Rippstein. Dann werde klar, wie viele Leute wo
gebraucht würden.
Auch Leontine Thorrington, Verantwortliche für die Ausbildung der
Croupiers im Casino Montreux, ist noch auf der Suche nach rund
fünfzehn Kandidaten für ihre in Englisch durchgeführten Kurse.
Derzeit können die Anwärter an einer Hand abgezählt werden. Die
Schweizer seien von Natur aus konservativ und warteten erst
einmal ab, so Thorrington.
Genügend Kandidaten hat zur Zeit die Schweizer Pionierin, die
Grand Casino SA. Sie rekrutiert für ihre zwei Schulen in Zürich
und Egerkingen SO in allen Berufsgattungen. «Die Palette
unserer Anwärter reicht vom Bankier über den Studenten bis zum
Bäcker» sagt Fernando Mutti von Grand Casino SA. Oftmals
zögerten Interessierte aber, ihren sicheren Beruf aufzugeben.
Wichtiges Argument
Die Ausbildung des Personals sei ein wichtiges Argument bei der
Auswahl der Dossiers, betont Yves Rossier, Verantwortlicher des
Sekretariats der Eidg. Spielbankenkommission. Aber auch die
verantwortungsvollen Posten bei der Betriebsüberwachung
müssten mit erfahrenem, gut ausgebildetem Personal besetzt
werden.
Den definitiven Entscheid über die Konzessionen fällt der
Bundesrat im Herbst. Rund 60 Spielbanken haben Gesuche für
die 20 bis 25 Konzessionen eingereicht. Erteilt werden 4 bis 8
Konzessionen des Typs A (Grand Casino) und 15 bis 20 des
Typs B (Kursaal).
Olivier Petitjean (Quelle: sda)