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Computer-Roulette und Internet-Musikbox
Medium: Westfälische Rundschau
Datum: 20.1.2000
Nürnberg (dpa) - Hör- und Sehsinne der Besucher werden in den drei Hallen der Internationalen Fachmesse Unterhaltungs- und Warenautomaten (IMA), die nach Veranstalterangaben eine der bedeutendsten Automatenmessen der Welt ist, arg strapaziert.

Überall piepst, klingelt und blinkt es. Meterhohe Wände aus Geldspielgeräten scheinen direkt aus Zockerträumen nach Nürnberg gekommen zu sein und spielen Tonleitern auf und ab, Computerstimmen plappern vor sich hin. Auf 25 000 Quadratmetern versuchen Maschinen, die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zu ziehen.

Der Motor des roten Ferrari heult auf und die Tachonadel klettert rasch auf die 200er Marke. Die Vibration des dröhnenden Motors überträgt sich auch auf den Fahrer: Bei der rasenden Fahrt wird er auf seinem Sitz ordentlich durchgeschüttelt. Der junge Mann krallt sich am Lenkrad fest und schließt die Augen, als er die Kontrolle über das tosende Ungetüm verliert - und ungebremst gegen die Leitplanke rast.

Seiner Gesundheit tut dies keinen Abbruch: Der verunglückte Ferrari ist nur ein Fahrsimulator. Er ist eine von vielen Neuigkeiten, die seit Mittwoch auf der IMA erstmals in Nürnberg vorgestellt werden. Rund 200 Aussteller aus 17 Ländern präsentieren dem Fachpublikum bis zum Freitag ihre Maschinen.

Da ist zum Beispiel die ausgesprochen charmante Frauenstimme. "Nichts geht mehr", heißt es sonor am eleganten Rouletttisch. Doch statt einer Spielbank-Angestellten ermahnt eine Maschine sanft die Zocker: Der Rouletttisch der Firma Gauselmann ist der Albtraum eines jeden Kasino-Mitarbeiters, denn der Automat braucht Menschen nur noch als Spieler. Den Spielablauf des Rouletts bestimmt ein Computer. "Croupiers sind überflüssig", sagt der Gauselmann-Mitarbeiter Mathias Wieland.

Viele der Neuheiten ähneln ihren althergebrachten Vorgängern nur noch entfernt. So spielt das "Sound Icon Virtual Music Center" der Firma Löwen Entertainment, wie die sperrigen Musik-Boxen der vergangenen Jahrzehnte, zwar noch Wunschmusik gegen Entgelt. Doch kommt der Automat gänzlich ohne Vinylplatten aus, und auch CD sind für ihn schon ein alter Hut: Er ist mit einem Server vernetzt und lädt sich die gewünschten Musiktitel in dem im World Wide Web verbreiteten MP3-Format herunter. "Service und Wartung entfallen, wenn die Titel online kommen", sagt die Firmensprecherin Christine Hirz.

"Das Internet hält Einzug in die Automatenindustrie", sagt die Gauselmann-Sprecherin Brigitte Ruzbacky. So können sich an manchen der neuen Maschinen vernetzte Spieler online messen. "Wenn ich hier in Nürnberg bin, kann ich gleichzeitig sehen, was der Spieler in Hamburg für eine High-Score hat", erläutert Ruzbacky.

Kleines Bonbon: Wer einen Rekord aufstellt, wird von der Kamera im Automaten fotografiert und erscheint mit Bild und Rekord-Punktestand auf dem Bildschirm der entfernten Mitspieler. Bei dem Automaten der Konkurrenz können Spieler nicht nur um Punkte wetteifern, sondern auch gleich noch E-Mails verschicken.

Doch nicht nur Maschinen werden in Nürnberg präsentiert. Da gibt es den Billardtisch, der sich mit zwei Handgriffen in eine Esstafel verwandeln lässt. "Sie laden zum Billardspiel ein, dann werden die Partie unterbrochen und auf dem Tisch die Weihnachtsgans serviert", preist Bally Wulff-Sprecher Bernhard Eber das universell als Karambolage- oder Pooltisch einsetzbare Gerät.

Allerdings geht es bei der Messe nicht nur um Amüsement. Der neue Cosmos-Alkohol-Tester soll für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen. Das Atemalkohol-Messgerät teilt Zechkumpanen noch in der Kneipe den Promillepegel mit. Weniger trinken würden die Gäste dadurch nicht, beruhigt der Hersteller die Wirte - im Gegenteil. "Die Gäste haben Spaß daran zu pusten, erneut zu trinken und immer wieder zu pusten."


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