Nürnberg (dpa) - Hör- und Sehsinne der Besucher werden in
den drei Hallen der Internationalen Fachmesse Unterhaltungs-
und Warenautomaten (IMA), die nach Veranstalterangaben
eine der bedeutendsten Automatenmessen der Welt ist, arg
strapaziert.
Überall piepst, klingelt und blinkt es. Meterhohe Wände aus
Geldspielgeräten scheinen direkt aus Zockerträumen nach
Nürnberg gekommen zu sein und spielen Tonleitern auf und
ab, Computerstimmen plappern vor sich hin. Auf 25 000
Quadratmetern versuchen Maschinen, die Aufmerksamkeit
der Menschen auf sich zu ziehen.
Der Motor des roten Ferrari heult auf und die Tachonadel
klettert rasch auf die 200er Marke. Die Vibration des
dröhnenden Motors überträgt sich auch auf den Fahrer: Bei
der rasenden Fahrt wird er auf seinem Sitz ordentlich
durchgeschüttelt. Der junge Mann krallt sich am Lenkrad fest
und schließt die Augen, als er die Kontrolle über das tosende
Ungetüm verliert - und ungebremst gegen die Leitplanke rast.
Seiner Gesundheit tut dies keinen Abbruch: Der verunglückte
Ferrari ist nur ein Fahrsimulator. Er ist eine von vielen
Neuigkeiten, die seit Mittwoch auf der IMA erstmals in
Nürnberg vorgestellt werden. Rund 200 Aussteller aus 17
Ländern präsentieren dem Fachpublikum bis zum Freitag ihre
Maschinen.
Da ist zum Beispiel die ausgesprochen charmante
Frauenstimme. "Nichts geht mehr", heißt es sonor am
eleganten Rouletttisch. Doch statt einer
Spielbank-Angestellten ermahnt eine Maschine sanft die
Zocker: Der Rouletttisch der Firma Gauselmann ist der
Albtraum eines jeden Kasino-Mitarbeiters, denn der Automat
braucht Menschen nur noch als Spieler. Den Spielablauf des
Rouletts bestimmt ein Computer. "Croupiers sind
überflüssig", sagt der Gauselmann-Mitarbeiter Mathias
Wieland.
Viele der Neuheiten ähneln ihren althergebrachten
Vorgängern nur noch entfernt. So spielt das "Sound Icon
Virtual Music Center" der Firma Löwen Entertainment, wie die
sperrigen Musik-Boxen der vergangenen Jahrzehnte, zwar
noch Wunschmusik gegen Entgelt. Doch kommt der Automat
gänzlich ohne Vinylplatten aus, und auch CD sind für ihn
schon ein alter Hut: Er ist mit einem Server vernetzt und lädt
sich die gewünschten Musiktitel in dem im World Wide Web
verbreiteten MP3-Format herunter. "Service und Wartung
entfallen, wenn die Titel online kommen", sagt die
Firmensprecherin Christine Hirz.
"Das Internet hält Einzug in die Automatenindustrie", sagt die
Gauselmann-Sprecherin Brigitte Ruzbacky. So können sich
an manchen der neuen Maschinen vernetzte Spieler online
messen. "Wenn ich hier in Nürnberg bin, kann ich gleichzeitig
sehen, was der Spieler in Hamburg für eine High-Score hat",
erläutert Ruzbacky.
Kleines Bonbon: Wer einen Rekord aufstellt, wird von der
Kamera im Automaten fotografiert und erscheint mit Bild und
Rekord-Punktestand auf dem Bildschirm der entfernten
Mitspieler. Bei dem Automaten der Konkurrenz können
Spieler nicht nur um Punkte wetteifern, sondern auch gleich
noch E-Mails verschicken.
Doch nicht nur Maschinen werden in Nürnberg präsentiert. Da
gibt es den Billardtisch, der sich mit zwei Handgriffen in eine
Esstafel verwandeln lässt. "Sie laden zum Billardspiel ein,
dann werden die Partie unterbrochen und auf dem Tisch die
Weihnachtsgans serviert", preist Bally Wulff-Sprecher
Bernhard Eber das universell als Karambolage- oder
Pooltisch einsetzbare Gerät.
Allerdings geht es bei der Messe nicht nur um Amüsement.
Der neue Cosmos-Alkohol-Tester soll für mehr Sicherheit im
Straßenverkehr sorgen. Das Atemalkohol-Messgerät teilt
Zechkumpanen noch in der Kneipe den Promillepegel mit.
Weniger trinken würden die Gäste dadurch nicht, beruhigt der
Hersteller die Wirte - im Gegenteil. "Die Gäste haben Spaß
daran zu pusten, erneut zu trinken und immer wieder zu
pusten."