NIEBÜLL - Internet und Handy sind tolle Erfindungen, wenn man sie beherrscht
und nicht zu ihren Sklaven wird. Auf spielerische Weise zeigten Jugendliche und
ein Zauberer in einer 60-Minuten-Show, was passsiert, wenn sich jemand nicht
von der "Mattscheibe lösen kann.
Kreativ-spielerischer Umgang mit den neuen Medien. Das war das Motto für ein
neues und ungewöhnliches Projekt, das das Beratungs- und Behandlungszentrum
Niebüll in Zusammenarbeit mit den Jugendhäusern in Leck und Niebüll ins Leben
gerufen hatte.
Jugendliche wollten ein Theaterstück entwerfen und aufführen, in dem der
vernünftige Umgang mit den neuen Medien und die Auseinandersetzung mit den
Risiken der Spielsucht dargestellt werden sollte (wir berichteten). Nach nunmehr
dreieinhalb Monaten intensiver Arbeit war es soweit: Die Uraufführung des
Stückes fand im Gemeindehaus in Niebüll statt.
Zauberer und Entertainer Roberto Schöneich alias Roberto Rosino und acht
Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren präsentierten ihre 60-Minuten-Show. Das
Bühnenbild war eine Kombination aus schillernden Zaubereiutensilien und
nüchternen Erzeugnissen moderner Unterhaltungs- und
Kommunikationselektronik. "Computerspielen ist schöner als das dumme
Herumtollen draußen in der heissen Sonne, oder? fragte Roberto Rosino die
Zuschauer. Er selbst demonstrierte als Mitwirkender den besessenen
Computerfreak, der über das Spielen und Chatten den Bezug zur Umwelt verloren
hat. Seine jungen Mitwirkenden versuchten ihn in einer Reihe kleiner Szenen
wegzulocken und zum Jahrmarktbesuch und anderen Aktivitäten zu entführen.
Roberto aber blieb in seinem äChatroom eingesperrt und musste im letzten Bild
mit Zauberkräften vom Bildschirm entfernt werden. Dazwischen traten die
Jugendlichen einzeln oder in kleinen Gruppen auf.
Eindrucksvoll Kevin und Ben in Rollen, die die Abhängigkeit vom Handy
demonstrieren sollten. Bens Radio streikte. Kevin wollte ihm gern helfen, kam
aber nie dazu, weil ständig ein Handy klingelte und Anrufe beantwortet werden
mussten. Die Nikotinsucht eines Jugendlichen wurde gekonnt wieder durch Ben,
mit 16 Jahren einer der ältesten im Kreis der Darsteller, personifiziert. Mit kleinen
Zaubertricks förderte er aus allen Taschen und Ärmeln, auch bei Zuschauern, die
er nach vorne holte, Zigaretten hervor.
Alle Darsteller waren sichtbar mit Freude und Engagement bei der Sache. Vor
allem die Kinder und Jugendlichen im Publikum sollten angesprochen werden.
Dabei kam es den Schauspielern darauf an, zu zeigen, dass der unkontrollierte
Gebrauch dieser Dinge Zeit verschlingt, die sinnvoll anders genutzt werden
könnte, aber auch ins Geld geht. "Fünf bis sechs Stunden am Tag und sechs
Stunden in der Nacht im Chatroom, das ist doch nicht süchtig, persiflierte einer
der Darsteller. Das Geldproblem löste man natürlich durch Zauberei. Diese nahm
einen breiten Raum im Theaterstück ein und bewies, dass die Jugendlichen bei
Roberto Rosino gut aufgepasst hatten.
Die Premiere war gut besucht. Eltern, Geschwister und Freunde der Darsteller
sparten nicht mit Applaus und vor allem die Kinder waren sichtlich beeindruckt
und gingen begeistert mit. Roberto Rosino freute sich über die Möglichkeit, ein
solches Projekt zu entwickeln. Die finanzielle Basis hatte als Sponsor die
Spielbank Kiel geliefert. Das Stück soll im Juni im Haus der Jugend Leck
aufgeführt werden. Im Herbst geht es mit den Vorbereitungen für ein neues Stück
weiter. (wko)