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Computerfreak musste vom Bildschirm weggezaubert werden
Medium: Schleswig Holsteinischer ZV
Datum: 17. 05. 2001
NIEBÜLL - Internet und Handy sind tolle Erfindungen, wenn man sie beherrscht und nicht zu ihren Sklaven wird. Auf spielerische Weise zeigten Jugendliche und ein Zauberer in einer 60-Minuten-Show, was passsiert, wenn sich jemand nicht von der "Mattscheibe“ lösen kann.

Kreativ-spielerischer Umgang mit den neuen Medien. Das war das Motto für ein neues und ungewöhnliches Projekt, das das Beratungs- und Behandlungszentrum Niebüll in Zusammenarbeit mit den Jugendhäusern in Leck und Niebüll ins Leben gerufen hatte.

Jugendliche wollten ein Theaterstück entwerfen und aufführen, in dem der vernünftige Umgang mit den neuen Medien und die Auseinandersetzung mit den Risiken der Spielsucht dargestellt werden sollte (wir berichteten). Nach nunmehr dreieinhalb Monaten intensiver Arbeit war es soweit: Die Uraufführung des Stückes fand im Gemeindehaus in Niebüll statt.

Zauberer und Entertainer Roberto Schöneich alias Roberto Rosino und acht Jugendliche zwischen 12 und 16 Jahren präsentierten ihre 60-Minuten-Show. Das Bühnenbild war eine Kombination aus schillernden Zaubereiutensilien und nüchternen Erzeugnissen moderner Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik. "Computerspielen ist schöner als das dumme Herumtollen draußen in der heissen Sonne, oder?“ fragte Roberto Rosino die Zuschauer. Er selbst demonstrierte als Mitwirkender den besessenen Computerfreak, der über das Spielen und Chatten den Bezug zur Umwelt verloren hat. Seine jungen Mitwirkenden versuchten ihn in einer Reihe kleiner Szenen wegzulocken und zum Jahrmarktbesuch und anderen Aktivitäten zu entführen. Roberto aber blieb in seinem äChatroom“ eingesperrt und musste im letzten Bild mit Zauberkräften vom Bildschirm entfernt werden. Dazwischen traten die Jugendlichen einzeln oder in kleinen Gruppen auf.

Eindrucksvoll Kevin und Ben in Rollen, die die Abhängigkeit vom Handy demonstrieren sollten. Bens Radio streikte. Kevin wollte ihm gern helfen, kam aber nie dazu, weil ständig ein Handy klingelte und Anrufe beantwortet werden mussten. Die Nikotinsucht eines Jugendlichen wurde gekonnt wieder durch Ben, mit 16 Jahren einer der ältesten im Kreis der Darsteller, personifiziert. Mit kleinen Zaubertricks förderte er aus allen Taschen und Ärmeln, auch bei Zuschauern, die er nach vorne holte, Zigaretten hervor.

Alle Darsteller waren sichtbar mit Freude und Engagement bei der Sache. Vor allem die Kinder und Jugendlichen im Publikum sollten angesprochen werden. Dabei kam es den Schauspielern darauf an, zu zeigen, dass der unkontrollierte Gebrauch dieser Dinge Zeit verschlingt, die sinnvoll anders genutzt werden könnte, aber auch ins Geld geht. "Fünf bis sechs Stunden am Tag und sechs Stunden in der Nacht im Chatroom, das ist doch nicht süchtig“, persiflierte einer der Darsteller. Das Geldproblem löste man natürlich durch Zauberei. Diese nahm einen breiten Raum im Theaterstück ein und bewies, dass die Jugendlichen bei Roberto Rosino gut aufgepasst hatten.

Die Premiere war gut besucht. Eltern, Geschwister und Freunde der Darsteller sparten nicht mit Applaus und vor allem die Kinder waren sichtlich beeindruckt und gingen begeistert mit. Roberto Rosino freute sich über die Möglichkeit, ein solches Projekt zu entwickeln. Die finanzielle Basis hatte als Sponsor die Spielbank Kiel geliefert. Das Stück soll im Juni im Haus der Jugend Leck aufgeführt werden. Im Herbst geht es mit den Vorbereitungen für ein neues Stück weiter. (wko)


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